US-Wahl: Papst stimmt ab
Briefwahl
(30.10.2026) Der Vatikan hat Berichte bestätigt, wonach Leo XIV. bei den Midterms in seiner US-amerikanischen Heimat wählen will. "Papst Leo XIV. hat als Staatsbürger der Vereinigten Staaten von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht, wann immer er dazu berechtigt war", teilte das vatikanische Presseamt am Freitag laut Kathpress mit. Er habe "im Einklang mit dieser langjährigen Praxis der staatsbürgerlichen Teilhabe seinen Wahlzettel per Post nach Chicago übermittelt".
Auch während seiner Jahre in Peru habe der gebürtige Chicagoer von seinem Wahlrecht Gebrauch gemacht hat. "Der Heilige Vater bringt seine Überzeugung zum Ausdruck, dass es ein Recht und eine Pflicht der Bürger ist, an demokratischen Prozessen teilzunehmen", so das vatikanische Presseamt.
Es ist wohl ein Novum, dass ein Papst von seinem Wahlrecht als Staatsbürger eines anderen Landes Gebrauch macht. Leo XIV., 1955 als Robert Francis Prevost in Chicago geboren, hat aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit als Missionar und Bischof in Peru auch die peruanische Staatsbürgerschaft.
Briefwahlunterlagen in Illinois beantragt
Die "Chicago Sun-Times" hatte am Freitag berichtet, das Kirchenoberhaupt habe Briefwahlunterlagen für die Zwischenwahlen in seinem Heimatstaat Illinois beantragt. Die Zeitung berief sich dabei auf Angaben des Wahlbüros im Will County, das südwestlich an die Metropole Chicago grenzt.
Leo ist demnach unter seinem bürgerlichen Namen Robert Francis Prevost als Wähler in der Gemeinde New Lenox registriert. Die Aufzeichnungen zeigen laut Bericht, dass der Papst sich in der Vergangenheit zwei Mal an den Vorwahlen der Demokraten (2008, 2010), drei Mal an den Vorwahlen der Republikaner (2012, 2014, 2016) sowie vier Mal an den Hauptwahlen, unter anderem für das Präsidentenamt (2012, 2014, 2018, 2024) beteiligte. Für wen er seinerzeit stimmte, ist selbstverständlich nicht bekannt.
Illinois im Mittleren Westen gilt als "Blue State", also Hochburg der Demokraten. Seit 1992 setzte sich hier bei allen Präsidentschaftswahlen der demokratische Kandidat durch. Gouverneur JB Pritzker, der sich bei den Midterms am Dienstag der Wiederwahl stellt, gehört der demokratischen Partei an, ebenso wie beide Senatoren und die Mehrzahl der Abgeordneten des Repräsentantenhaus.
Gegen Wahlpflicht in Peru verstoßen
An den Regionalwahlen Anfang Oktober in Peru hatte Leo XIV. allerdings nicht teilgenommen. Dafür hätte er beinahe eine Strafe zahlen müssen, wie peruanische Medien berichteten. Doch fiel der 71-Jährige unter eine Ausnahme: Ab dem Alter von 70 Jahren ist die ansonsten geltende Wahlpflicht aufgehoben. Ansonsten wären umgerechnet 7 bis 19 Euro Strafe fällig gewesen.
Laut dem Bericht war dem heutigen Papst ein Wahllokal in seiner früheren Bischofsstadt Chiclayo zugewiesen worden. In Peru ist das Wahlrecht gemäß Verfassung für Bürger sowohl ein Recht als auch eine gesetzliche Pflicht. Dies soll eine hohe Wahlbeteiligung gewährleisten und den Gemeinschaftssinn stärken.
Während seiner bevorstehenden Südamerikareise wird er unter anderem auch Chiclayo besuchen: Vom 6. bis 17. November stehen Uruguay, Argentinien und Peru auf dem Programm.
(APA/KS)