Rekord-Hack bei Krypto-Börse

Binance

(30.10.2026) Hacker haben bei einem Angriff auf die weltgrößte Kryptowährungsbörse Binance eine Milliardenbeute gemacht. Der Schaden belaufe sich auf 6,3 Mrd. Dollar (5,6 Mrd. Euro), teilte das Unternehmen am Freitag mit. Man arbeite mit verschiedenen Partnern zusammen, um die betroffenen Vermögenswerte einzufrieren. Bei etwa der Hälfte der gestohlenen Summe sei dies bereits gelungen. Für die heimische Krypto-Plattform Bitpanda hat der Vorfall indes keine Auswirkungen.

"Ihr Geld ist sicher, und wir kommen für jeden Verlust auf", schrieb Co-Chef Richard Teng auf der Kurznachrichtenplattform X. "Unsere Untersuchung hat bisher keine konkrete Person als verantwortlich identifiziert." Die Börse setzte als Vorsichtsmaßnahme vorübergehend sämtliche Ein- und Auszahlungen aus.

Bitpanda nicht betroffen

Von Bitpanda hieß es auf APA-Anfrage, dass der Sicherheitsvorfall keine Auswirkungen auf die Systeme des Unternehmens habe und die Assets der Kundinnen und Kunden sicher seien. "Die Sicherheit unserer Nutzer:innen und die Zuverlässigkeit unserer Dienste stehen bei uns an erster Stelle. Wir sperren bereits Adressen, die mit dem Vorfall in Verbindung stehen, und beobachten die Lage weiterhin genau."

Der mutmaßlich größte Kryptowährungsdiebstahl der Geschichte treffe den Markt an einer empfindlichen Stelle, betonte Analyst Salah-Eddine Bouhmidi vom Brokerhaus IG. "Auch wenn Binance den Ersatz der Verluste zugesagt hat, rücken Fragen zur Sicherheit und Verwahrung digitaler Vermögenswerte wieder in den Vordergrund." Die Kurse der wichtigsten Cyberdevisen Bitcoin und Ethereum fielen zeitweise um rund 3 Prozent. Der Binance-Coin, mit dem die Gebühren der Handelsplattform beglichen werden, verlor 5 Prozent. Am US-Aktienmarkt gaben die Titel der Kryptobörse Coinbase und der Softwarefirma MicroStrategy, die Milliarden in Kryptowährungen investiert hat, ähnlich stark nach. Die Titel des deutschen Kryptobörsen-Betreibers Bitcoin Group büßten bis zu 2,6 Prozent ein.

Binance hat nach eigenen Angaben weltweit 335 Millionen registrierte Nutzer. Das verwahrte Vermögen belief sich 2025 auf 162,8 Mrd. Dollar. Die Handelsplattform betreibt einen eigenen Sicherungsfonds mit einem Volumen von einer Milliarde Dollar in Bitcoin, der bei Hackerangriffen Nutzer entschädigen soll. Dieser und Binance selbst würden für die aktuellen Verluste aufkommen, erläuterte Co-Chef Teng.

Nordkorea im Verdacht

Ersten Ermittlungen zufolge verschafften sich die Angreifer über den gehackten Laptop eines Ingenieurs Zugriff auf die IT-Systeme von Binance. Der Löwenanteil der Beute sei am Donnerstagabend innerhalb von 20 Minuten transferiert worden, teilten die Analysefirmen TRM Labs und Chainalysis mit. Das Vorgehen der Angreifer weise Ähnlichkeiten mit dem Hackerangriff auf die Kryptobörse Bybit auf, für den die US-Bundespolizei FBI Nordkorea verantwortlich gemacht hatte.

Behörden verschiedener Länder und Cybersicherheitsexperten werfen dem Land seit Jahren vor, Hacker für Spionage und Diebstahl von Vermögenswerten einzusetzen. Die Regierung in Pjöngjang hat dies stets zurückgewiesen. Die nordkoreanische Botschaft in Genf war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

TRM Labs zufolge erbeuteten Kriminelle im vergangenen Jahr bei knapp 150 Cyberangriffen insgesamt etwa 2,9 Mrd. Dollar. Einer der größten Fälle in diesem Zeitraum sei der Diebstahl von 350 Mio. Dollar bei der Kryptobörse Bitget.

Diebesgut teilweise aufgespürt

Tether teilte mit, man habe Vermögenswerte im Wert von fast 1,57 Mrd. Dollar eingefroren. Circle sperrte nach eigenen Angaben mehr als 800 Mio. Dollar. Das dem US-Präsidenten Donald Trump und seiner Familie nahestehende Krypto-Unternehmen World Liberty Financial teilte mit, es habe mit dem Krypto-Verwahrer BitGo zusammengearbeitet, um gestohlene Gelder festzusetzen. Binance-Mitbegründerin Yi zufolge wurden dabei 27 Mio. Dollar in Stablecoins und World-Liberty-Token im Wert von rund 2 Mio. Dollar gesichert. Das Krypto-Unternehmen Ripple fror Gelder im Wert von rund 200 Mio. Dollar ein, fügte Yi hinzu.

"Es wird immer schwieriger, Hackerangriffe abzuwehren, da Künstliche Intelligenz Schwachstellen schneller finden kann, als sie behoben werden können", sagte Bernardo Brites, Chef von Trace Finance, einem Unternehmen für Zahlungsinfrastruktur. "Meiner Ansicht nach werden sich die Nutzer von kleineren und mittleren Börsen abwenden, da es zu riskant wird, ihr Geld an einem Ort zu parken, der die Verluste aus einem größeren Hackerangriff nicht ersetzen könnte."

(APA/KS)

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