Zverev wird Nr. 1 der Welt

nach Sieg in Wiener Stadthalle

(30.10.2026) Alexander Zverev hat am Donnerstagabend in Wien Tennis-Geschichte geschrieben. Der 29-jährige Deutsche kürte sich beim ATP-500-Turnier mit einem 6:4,7:5-Erfolg über den Niederländer Tallon Griekspoor dank des Viertelfinaleinzugs zur neuen Nummer 1. Zverev wird am Montag als 30. Spieler der ATP-Historie die Weltrangliste anführen - als zweiter Deutscher nach Boris Becker vor 35 Jahren. Becker war damals für zwölf Wochen ganz oben, Zverev wird die Position länger innehaben.

Denn während der verletzte Jannik Sinner weiter an Punkten verlieren wird, hat Zverev sowohl kommende Woche beim ATP-1000-Turnier in Paris als auch dann bei den ATP Finals (der ungeschlagene Sieger erhält dort 1.500 Zähler, Anm.) noch gute Chancen, sein Punkte-Konto stark zu erhöhen. In Paris hat er ein Halbfinale zu verteidigen, in Turin hatte er 2025 in der Vorrunde nur einen Sieg (200 Zähler) gefeiert.

"Für alle, die nicht ganz verstehen, warum ich jetzt nach einer zweiten Runde so juble: Ich bin Nummer eins der Welt geworden", meinte Zverev in Richtung 9.800 Fans - und unterschätzte dabei vielleicht ein wenig den Wissensstand des Publikums. "Es ist ein unfassbar besonderes Gefühl, jetzt hier zu stehen auf dem Platz und zu wissen, dass ich am Montag, wenn die neue Weltrangliste rauskommt, die neue Nummer eins der Welt bin", meinte ein bewegter Zverev, der zuvor in einem Videozusammenschnitt seine größten Momente gesehen hatte, neben einem überdimensionalen Einser stehend.

Zverev: "Eines der besten Gefühle auf der Welt"

"Es ist eines der besten Gefühle auf der Welt, aber ich hätte das alles nicht geschafft, ohne die Leute, die jetzt in meiner Box sind", sagte Zverev u.a. auch in Richtung seines Langzeit-Coaches und Vaters, Alexander Zverev senior. "Wir sind seit 13 Jahren auf der Tour und wir haben alles miteinander erlebt, ich habe mehr oder weniger dieselbe Mannschaft seit Beginn meiner Karriere. Dieser Verdienst ist nicht nur meiner."

Wien als Ort in Zverevs Herzen

Zverev gab fast eine kleine Liebeserklärung an das Wiener Publikum ab. "Es ist noch umso mehr besonders, es hier in Wien zu feiern, weil es ist ein deutschsprachiger Raum. Es ist ein Stadion..., es ist eines meiner absoluten Lieblingsstadien, weil ich immer das Gefühl habe, dass ich zu 100 Prozent die Unterstützung hier habe. Es ist immer voll, immer eine Wahnsinn-Atmosphäre, vielen Dank, dass ihr diesen Tag so besonders gemacht habt", sagte Zverev mit Tränen in den Augen.

Eine Umarmung bekam Zverev dann auch von einer früheren Nummer eins: Thomas Muster, der vor etwas über 30 Jahren am 12. Februar 1996 für insgesamt sechs Wochen Nummer eins wurde, war einer der ersten Gratulanten. Der 59-jährige Steirer hatte schon zuvor erklärt, wie sehr das Vorrücken auf den Thron die Sichtweise verändert. "Du läufst immer einem oder mehreren Spielern nach und dann musst du (plötzlich) in den Rückspiegel schauen", erklärte Muster.

Zweifacher Major-Sieger, Wimbledon-Finalist

Zverev hat dieses Jahr bei den French Open nicht nur sein lange ersehntes, erstes Major-Turnier gewonnen. Er erreichte in Wimbledon erstmals das Finale und holte dann in New York auch den US-Open-Titel. Und auch in Wien kann der Marsch weitergehen. Sein nächster Gegner im Viertelfinale am Freitag (nicht vor 17.30 Uhr/live ServusTV) ist überraschend der Brite Arthur Fery, der den Italiener Lorenzo Musetti in der Marx-Halle 6:4,5:7,6:4 ausschaltete.

"Es ist ein sehr besonderes Gefühl und anders als ein Turnier zu gewinnen, weil ich morgen wieder am Platz stehen muss. Es ist wahnsinnig besonders, und etwas wo ich wirklich jahrelang hingearbeitet habe", sagte Zverev fast zwei Stunden nach seinem Sieg. "Man muss das ganze Jahr lang super Tennis zeigen, um in dieser Position zu sein. Ich bin glücklich, dass ich es geschafft habe." Nicht vergessen darf man auch den Fakt, dass Zverev diese Leistungen als Diabetiker bringt. Im Alter von nur vier Jahren wurde seiner Familie noch mitgeteilt, dass eine Karriere im Spitzensport damit unmöglich sei.

(APA/JuF)

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