Essstörung: 18 Mio weltweit

Österreich besonders betroffen

(30.10.2026) Bereits mehr als 18 Millionen Menschen leben weltweit mit Essstörungen wie Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa. Die Zahl der Betroffenen ist seit 1990 um rund 70 Prozent angestiegen und wird bis 2050 weiter wachsen. Österreich gehört zu den am stärksten betroffenen Ländern. Das hat jetzt eine Berechnung der globalen Krankheitslast durch diese psychischen Störungen ergeben, die im Fachjournal "JAMA Psychiatry" erschienen ist.

"Essstörungen sind eine Hauptursache für nicht tödliche psychische Belastungen, dennoch sind die globalen Erkenntnisse über ihre langfristigen Trends, ihre geografische Verteilung und ihre zukünftige Entwicklung begrenzt", schrieb jetzt das internationale Autorenteam unter Ruhai Bai von der Universität Nanjing in China. Es handelte sich um die Zusammenarbeit von hunderten Wissenschaftern weltweit, darunter der aus Großbritannien stammende und auch an der MedUni Wien tätige Brendon Stubbs (Comprehensive Center for Clinical Neurosciences and Mental Health).

Die Analyse der internationalen Zahlen ergab das Bild einer häufigen und schwerwiegenden Gesundheitsbelastung durch die beiden Arten von Essstörungen, die auch lebensgefährlich werden können. "Im Jahr 2023 lebten weltweit schätzungsweise 18,1 Millionen Menschen mit Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa", heißt es in der Spezialpublikation der US-Ärztegesellschaft (AMA).

70 Prozent der Betroffenen weiblich

Von den Erkrankten waren 12,6 Millionen (69,4 Prozent) weiblich. Daneben litten zum Auswertungszeitpunkt auch 5,5 Millionen Männer an solchen Störungen. Es handelt sich um eine Erkrankung, die speziell Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene betrifft: 41,2 Prozent waren zwischen zehn und 24 Jahre alt. Die Krankheiten brachten 2023 weltweit einen Verlust von 3,83 Millionen verlorenen gesunden Lebensjahren mit sich.

Die zeitliche Entwicklung ist besorgniserregend. "Seit 1990 stieg die weltweite Zahl der Betroffenen um 71 Prozent", stellen die Fachleute in der Publikation fest. Altersstandardisiert wuchs die Häufigkeit von Anorexie und Bulimie um etwas mehr als ein Fünftel.

Hohe Erkrankungsrate in Österreich

Die höchsten altersstandardisierten Prävalenzraten (Häufigkeit zu einem gegebenen Zeitpunkt; Anm.) wurden in einkommensstarken Regionen, insbesondere in Australien, der pazifischen Region und in Westeuropa, beobachtet, während die größten relativen Anstiege der altersstandardisierten Prävalenz in Ostasien, Südasien und Südostasien auftraten, so die Wissenschafter.

Österreich gehört mit Ländern wie Großbritannien, Spanien, Frankreich, den skandinavischen Ländern sowie Australien zu den am meisten betroffenen Staaten. Altersstandardisiert gibt es in diesen Ländern pro 100.000 Menschen mehr als 493,8 Patienten mit Anorexia oder Bulimia nervosa. Deutschland, Italien und Griechenland sowie Kanada liegen etwas darunter, die USA sind offenbar vergleichsweise weniger betroffen.

Für die Zukunft sagen die Wissenschafter einen weiteren Anstieg vorher. "Schätzungen zufolge werden im Jahr 2050 weltweit 21,8 Millionen Menschen an Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa leiden. Dies entspricht einer altersstandardisierten Prävalenz von 255,2 pro 100.000 Einwohner. Die Gesamtzahl der Fälle wird voraussichtlich zwischen 2023 und 2050 um 20,3 Prozent steigen und 4,7 Millionen Fälle von Anorexia nervosa und 17 Millionen Fälle von Bulimia nervosa erreichen", heißt es in der wissenschaftlichen Arbeit.

Anorexie-Betroffene reduzieren aus Furcht vor Gewichtszunahme oder um zwanghaft abzunehmen drastisch die Nahrungsaufnahme. Die Bulimie ist eine Ess-Brechsucht mit zeitweise unkontrolliertem Essen und darauf folgenden Brechattacken.

(APA/JuF)

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