Wehrdienst-Reform
Stocker mit Kompromiss?
(10.07.2026) In der seit Monaten festgefahrenen Debatte über eine Reform des Wehrdienstes könnte es nun zum Durchbruch kommen. Nachdem Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) zuletzt ein Kompromissmodell ins Spiel gebracht hat, sollen nun auch die NEOS bereit sein, verpflichtenden Milizübungen zuzustimmen. Damit rückt eine Einigung innerhalb der Regierungsparteien erstmals in greifbare Nähe.
Stocker bringt "6+3"-Modell ins Spiel
Bundeskanzler Christian Stocker hatte am Freitag in mehreren Zeitungsinterviews erklärt, dass er sich eine Lösung nach dem Vorbild des sogenannten Stufenmodells vorstellen könne. Dieses sieht sechs Monate Grundwehrdienst sowie zusätzliche verpflichtende Milizübungen vor. "Ob es sechs plus drei oder sechs plus 100 ist, ist letztlich eine semantische Frage. Weil drei Monate 92 Tage sind", sagte Stocker.
Bisher hatten Stocker und Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) das von der Wehrdienstkommission bevorzugte Modell "Österreich Plus" unterstützt. Dieses würde den Grundwehrdienst auf acht Monate verlängern und zusätzlich zwei Monate verpflichtende Milizübungen vorsehen.
NEOS offenbar zu "6+2" bereit
Laut Informationen der "Krone" zeigen sich nun auch die NEOS kompromissbereit. Demnach könnte die Partei einem Modell mit sechs Monaten Grundwehrdienst und zwei Monaten verpflichtenden Milizübungen zustimmen.
"Sechs plus zwei wäre für uns machbar, aber nicht mehr", wird ein Informant aus Parteikreisen zitiert.
Eine offizielle Bestätigung gibt es allerdings noch nicht. Gegenüber der APA wollte sich NEOS-Wehrsprecher Douglas Hoyos nicht zum aktuellen Verhandlungsstand äußern und verwies lediglich auf die laufenden Gespräche.
SPÖ sieht Annäherung
Positiv reagierte auch die SPÖ. Wehrsprecher Robert Laimer erklärte, dass das von seiner Partei vorgeschlagene "Modell der Mitte" nun als möglicher gemeinsamer Kompromiss diskutiert werde. Bereits Ende Mai hatte die SPÖ ein "6+2"-Modell präsentiert, das sowohl beim Wehrdienst als auch beim Zivildienst zwei verpflichtende Übungsmonate vorsieht.
Von einer endgültigen Einigung könne aber noch keine Rede sein, betonte Laimer. Die Verhandlungen würden weiterlaufen.
Das steckt hinter dem Stufenmodell
Das von der Wehrdienstkommission vorgeschlagene Stufenmodell sieht vor:
- 6 Monate Grundwehrdienst
- Innerhalb von 18 Monaten eine verpflichtende zweimonatige Truppenübung
- Danach insgesamt 40 Tage Milizübungen
Laut der Wehrdienstkommission wäre dieses Modell vergleichsweise rasch umsetzbar. Gleichzeitig gilt es aber als kostenintensiv. Außerdem könnte die zweimonatige Ausbildungsphase den Einstieg ins Berufsleben erschweren.
Rückkehr zu einem früheren System?
Ein Modell mit sechs Monaten Grundwehrdienst und zwei Monaten verpflichtenden Milizübungen wäre keine völlige Neuerung. Bis 2006 gab es verpflichtende Milizübungen bereits in Österreich. Sie wurden damals unter Verteidigungsminister Günther Platter (ÖVP) abgeschafft. Vertreter der Miliz fordern ihre Wiedereinführung seit Jahren, weil die Zahl der aktiven Milizsoldaten seither kontinuierlich zurückgegangen sei.
Aktuell verfügt das Bundesheer über rund:
- 15.000 Berufssoldaten
- 15.000 Grundwehrdiener pro Jahr
- 33.000 Milizangehörige
- 8.500 Zivildienstleistende jährlich
Zivildienst bleibt größter Streitpunkt
Offen ist weiterhin, wie der Zivildienst künftig ausgestaltet werden soll. Stocker spricht sich dafür aus, ihn parallel zum Wehrdienst auf zwölf Monate zu verlängern, um ein Gleichgewicht zwischen beiden Diensten zu schaffen.
Gerade hier dürfte es allerdings noch Gesprächsbedarf geben. Für eine Verlängerung wäre die Zustimmung zumindest einer Oppositionspartei notwendig.
FPÖ fordert längste Variante, Grüne wollen Bedingungen
Die FPÖ signalisiert grundsätzlich Zustimmung zu einer Reform, unterstützt aber ausschließlich das von der Wehrdienstkommission bevorzugte Modell mit acht Monaten Grundwehrdienst und zwei Monaten Milizübungen. Wehrsprecher Volker Reifenberger kündigte bereits einen entsprechenden Antrag im Parlament an.
Kritik kommt von den Grünen. Wehrsprecher David Stögmüller erklärte, seine Partei werde einer Reform nur zustimmen, wenn der Wehrdienst insgesamt attraktiver gestaltet werde. Es brauche bessere Rahmenbedingungen statt bloßer "Zahlenspiele" bei der Dienstdauer.
(fd/apa)