Ölpreis sinkt weiter

Sprit bleibt teuer

(06.11.2026) Der Ölpreis geht deutlich zurück – doch an Österreichs Zapfsäulen ist davon bislang nur teilweise etwas zu spüren. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete am Freitagvormittag laut APA rund 97,39 Dollar. Damit liegt Rohöl deutlich unter den Höchstständen der vergangenen Wochen. Wer in Österreich Diesel tankt, zahlt trotzdem weiterhin im Schnitt mehr als 2,10 Euro pro Liter. Vor allem beim Diesel stellt sich damit erneut die Frage: Warum kommt ein sinkender Ölpreis nicht schneller bei den Autofahrern an?

Brent fällt innerhalb einer Woche deutlich

Die internationalen Ölmärkte haben eine turbulente Woche hinter sich. Noch vor wenigen Tagen lag Brent zeitweise deutlich über der Marke von 110 Dollar pro Barrel. Nach den US-Midterms und neuen Erwartungen auf eine mögliche Entspannung im Krieg mit dem Iran ging es mit den Preisen kräftig nach unten.

Am Freitagvormittag notierte Brent bei rund 97,39 Dollar je Barrel. Auf Wochensicht bedeutet das trotz zwischenzeitlicher Gegenbewegungen einen Rückgang im zweistelligen Prozentbereich.

Die Hoffnung der Märkte: Sollte sich die Lage rund um den Iran und die wichtigen Öltransportrouten im Persischen Golf entspannen, könnten wieder größere Mengen Rohöl sicher transportiert werden. Das würde den Preisdruck weiter reduzieren.

Diesel kostet in Österreich trotzdem noch 2,117 Euro

An Österreichs Tankstellen sieht die Lage deutlich weniger entspannt aus. Laut den aktuellen Medianwerten der E-Control vom 5. November kostet ein Liter Diesel österreichweit 2,117 Euro.

Bei Super 95 liegt der Median bei 1,694 Euro pro Liter.

Damit kostet eine Tankfüllung mit 50 Litern derzeit ungefähr:

Diesel: 105,85 Euro
Super 95: 84,70 Euro

Besonders Dieselfahrer spüren daher weiterhin ein außergewöhnlich hohes Preisniveau.

Diesel über 42 Cent teurer als Super

Auffällig ist vor allem der enorme Abstand zwischen den beiden Kraftstoffsorten. Diesel kostet derzeit im österreichweiten Median rund 42 Cent pro Liter mehr als Super.

Bei einer 50-Liter-Tankfüllung macht das bereits einen Unterschied von rund 21 Euro aus.

Noch zu Jahresbeginn lagen Diesel und Benzin wesentlich näher beieinander. Der ÖAMTC bezeichnete die zunehmende Differenz zuletzt als außergewöhnlich und fordert schon länger eine genauere Untersuchung der Preisbildung.

Super wird günstiger – bei Diesel geht es langsamer

Ganz ohne Wirkung bleibt der fallende Preisdruck allerdings nicht. Vor allem bei Super sind die Preise mittlerweile deutlich zurückgegangen.

Im Oktober kostete Super im österreichweiten Durchschnitt noch rund 1,816 Euro pro Liter. Anfang November liegt der Median nur noch bei knapp 1,70 Euro.

Beim Diesel ist die Bewegung wesentlich kleiner. Der durchschnittliche Oktoberpreis lag bei rund 2,140 Euro, aktuell sind es etwa 2,117 Euro. Das entspricht lediglich wenigen Cent Unterschied.

Genau deshalb fällt die aktuelle Situation besonders auf: Rohöl verbilligt sich kräftig, Diesel bleibt dagegen auf einem sehr hohen Niveau.

Warum fällt Sprit nicht gleichzeitig mit dem Ölpreis?

Ein häufiger Irrtum ist, dass der Preis für Rohöl direkt den Preis an der Zapfsäule bestimmt. Tatsächlich liegen zwischen einem Barrel Rohöl und einem Liter Diesel oder Benzin mehrere weitere Schritte.

Entscheidend sind unter anderem Raffineriekosten, Transport, Lagerung, internationale Preise für bereits fertigen Diesel und Benzin, Wechselkurse sowie Angebot und Nachfrage.

Gerade beim Diesel können die Preise für das fertige Produkt deutlich stärker steigen als der zugrunde liegende Rohölpreis. Dazu kommen in Österreich Mineralölsteuer, CO₂-Bepreisung und Umsatzsteuer.

Der Rohölpreis ist deshalb zwar ein wichtiger Faktor – aber längst nicht der einzige.

ÖAMTC sieht zunehmende Entkopplung

Der ÖAMTC kritisiert bereits seit Monaten, dass sich Rohöl- und Spritpreise zunehmend voneinander entfernen.

Besonders deutlich sei diese Entwicklung beim Diesel. Selbst bei vergleichbaren Rohölpreisen müssten Autofahrer heute teilweise deutlich mehr bezahlen als noch vor einigen Monaten.

Der Mobilitätsclub fordert deshalb eine genauere Überprüfung der Preisbildung – insbesondere jener internationalen Notierungen für fertige Kraftstoffe, die von Mineralölunternehmen als Grundlage verwendet werden.

Spritpreisbremse hält Preise derzeit zusätzlich unten

Eigentlich wären die Preise derzeit sogar noch höher. Seit Oktober gilt in Österreich eine verstärkte Spritpreisbremse, die Diesel und Benzin inklusive Umsatzsteuer insgesamt um rund 12,2 Cent pro Liter entlasten soll.

Die Maßnahme läuft derzeit bis Ende November 2026.

Bei Super kam diese Entlastung laut ÖAMTC weitgehend bei den Konsumenten an. Beim Diesel wurde ein Teil davon allerdings durch steigende Marktpreise wieder aufgefressen.

Das bedeutet gleichzeitig: Sollte die Maßnahme Ende November tatsächlich auslaufen, könnte sich die Situation im Dezember erneut verändern.

Warum Diesel momentan so teuer ist

Ein wesentlicher Faktor ist die internationale Knappheit bei sogenannten Destillaten, zu denen Diesel und Heizöl gehören. Die Lagerbestände sind in wichtigen Märkten ungewöhnlich niedrig.

Zusätzlich hat der Krieg rund um den Iran die Versorgung mit Ölprodukten und deren Transport verteuert. Angriffe auf Tanker und Unsicherheit rund um die Straße von Hormus sorgen weiterhin für einen Risikoaufschlag.

Genau deshalb kann Rohöl an einem Tag deutlich billiger werden, während sich der Dieselpreis kaum bewegt.

Ölpreis bleibt extrem schwankungsanfällig

Ob der aktuelle Rückgang nachhaltig ist, lässt sich noch nicht sagen. Der Ölmarkt reagiert derzeit besonders empfindlich auf politische und militärische Nachrichten. Allein in dieser Woche bewegte sich Brent innerhalb weniger Tage um viele Dollar nach unten und anschließend wieder nach oben. Neue Angriffe auf Tanker oder eine Eskalation im Nahen Osten könnten die Preise jederzeit erneut steigen lassen.

(fd/apa)

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