Mutter und Baby tot
Vater als Mörder
(06.11.2026) Mehr als ein Jahr nach einem grausamen Leichenfund in einem der bekanntesten Parks Roms ist das Urteil gefallen: Der US-Amerikaner Francis Kaufmann wurde schuldig gesprochen, seine russische Partnerin Anastasia Trofimova und die gemeinsame kleine Tochter Andromeda getötet zu haben. Ein Schwurgericht in Rom verurteilte den 47-Jährigen zu lebenslanger Haft. Zusätzlich ordnete das Gericht für drei Jahre eine verschärfte Form der getrennten Haft an.
Leichen von Mutter und Baby in Park entdeckt
Der Fall hatte Italien im Juni 2025 erschüttert. Im weitläufigen Park Villa Doria Pamphili in Rom wurden am 7. Juni die Leichen der Frau und ihrer kleinen Tochter entdeckt.
Zunächst war völlig unklar, um wen es sich bei den beiden Toten handelte. Die Identifizierung gelang erst später mit Unterstützung internationaler Behörden.
Bei der Frau handelte es sich um die aus Russland stammende Anastasia Trofimova. Das kleine Mädchen hieß Andromeda und war erst rund elf Monate alt.
Mutter zuerst getötet
Die Ermittler rekonstruierten später einen erschütternden Ablauf. Anastasia soll bereits in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni 2025 getötet worden sein.
Nach den Erkenntnissen der Ermittler wurde sie erstickt beziehungsweise erwürgt. Kaufmann soll anschließend noch mindestens 48 Stunden mit seiner kleinen Tochter durch Rom gezogen sein, während die Leiche der Mutter bereits im Park lag.
Am 5. Juni kam es zu einem besonders brisanten Moment: Polizisten kontrollierten Kaufmann in der Nähe des historischen Zentrums von Rom. Er soll deutlich alkoholisiert gewesen sein und die weinende Andromeda im Arm gehalten haben.
Nach seiner Partnerin gefragt, behauptete er laut Ermittlungen, sie befinde sich außerhalb Roms und habe ihm das Kind überlassen.
Baby einen Tag nach Polizeikontrolle getötet
Die kleine Andromeda lebte zu diesem Zeitpunkt offenbar noch.
Nach der Rekonstruktion der Ermittler wurde sie erst am 6. Juni, also nach der Polizeikontrolle, getötet. Das Mädchen wurde erdrosselt und anschließend ebenfalls in der Villa Pamphili zurückgelassen.
Am folgenden Tag wurden Mutter und Tochter im Park entdeckt.
Im späteren Prozess sorgte gerade dieser Ablauf für Kritik. Die Staatsanwaltschaft erklärte, bei einer gründlicheren Kontrolle am 5. Juni hätte das Leben des Babys möglicherweise noch gerettet werden können.
Familie lebte zeitweise im Park
Kaufmann, Anastasia und Andromeda hatten vor den Morden zeitweise unter äußerst schwierigen Umständen gelebt.
Ermittlungen anhand von Handydaten ergaben, dass die Familie mindestens rund zwei Wochen in der Villa Pamphili übernachtete. Sie schlief auf provisorischen Lagerstätten und suchte tagsüber andere Orte auf, um sich zu waschen und etwas zu essen.
Kaufmann hielt sich bereits länger in Italien auf und versuchte offenbar, in der Filmbranche Fuß zu fassen.
Flucht nach Griechenland
Nach den Taten blieb Kaufmann noch mehrere Tage in Rom. Am 11. Juni 2025 bestieg er schließlich einen Flug nach Griechenland.
Auf der Insel Skiathos wurde er wenige Tage später festgenommen. Italien beantragte seine Auslieferung, woraufhin Kaufmann schließlich nach Rom gebracht wurde.
Der US-Amerikaner bestritt die Morde und bezeichnete die Vorwürfe zeitweise als Teil eines Komplotts.
Kaufmann trat unter falschem Namen auf
Der Fall bekam noch eine weitere ungewöhnliche Wendung. Kaufmann verwendete auch den Namen „Rexal Ford“ und präsentierte sich als Regisseur beziehungsweise Filmemacher.
Unter diesem Namen soll er an einem Filmprojekt mit dem Titel „Stelle della notte“ beteiligt gewesen sein. Im Zusammenhang mit dem Projekt wurden italienische Steuergutschriften in Höhe von mehr als 800.000 Euro genehmigt.
Der Film wurde nach späteren Berichten jedoch nie regulär produziert beziehungsweise veröffentlicht. Die Affäre löste zusätzlich Ermittlungen und politische Diskussionen über die Vergabe staatlicher Filmförderungen in Italien aus.
Gericht verhängt lebenslange Haft
Nach einem mehrmonatigen Prozess folgte das Schwurgericht in Rom nun der Anklage und sprach Kaufmann wegen der Tötung seiner Partnerin und seiner kleinen Tochter sowie wegen des Verbergens der Leichen schuldig.
Die Strafe fällt maximal hart aus: lebenslange Haft sowie zusätzlich drei Jahre einer verschärften Form der getrennten Haft.
Der Anwalt der Familie von Anastasia erklärte nach dem Urteil, die Entscheidung könne den Angehörigen zumindest einen kleinen Trost geben. Besonders belastend sei für die Familie, dass sie nicht nur ihre einzige Tochter, sondern auch ihre Enkelin verloren habe, die sie nie kennenlernen konnte.
Baby hätte möglicherweise gerettet werden können
Besonders tragisch bleibt der Polizeikontakt nur einen Tag vor dem Tod des Kindes.
Kaufmann war bereits zuvor mehrfach von Beamten kontrolliert worden. Noch am 5. Juni befand sich die kleine Andromeda lebend in seinen Armen. Kurz darauf wurde auch sie getötet.
Genau dieser Teil des Falls soll weiter aufgearbeitet werden. Denn die zentrale Frage bleibt: Hätte eine gründlichere Kontrolle das Leben des elf Monate alten Mädchens retten können?
Mehr als ein Jahr nach dem Fund der beiden Leichen steht zumindest die strafrechtliche Verantwortung fest: Francis Kaufmann wurde für den Mord an seiner Partnerin und seiner kleinen Tochter zu lebenslanger Haft verurteilt.
(fd/krone)