1 Jahr Dickpic-Verbot: Bilanz
wenig Verurteilungen
(02.11.2026) Vor rund einem Jahr ist der sogenannte Dick-Pic-Paragraf in Kraft getreten. Jede dritte Frau in Österreich im Alter von 14 bis 75 Jahren hat bereits unerwünschte sexuelle Bilder oder Nachrichten erhalten, so eine Umfrage des Instituts "Marketagent".
Seit dem 1. September 2025 gilt das Versenden unerwünschter Penisbilder als eine Form der sexuellen Belästigung. Wer dagegen verstößt, dem droht eine Haftstrafe von bis zu sechs Monaten oder eine Geldstrafe.
Jetzt zieht das Justizministerium eine Bilanz: In Österreich gab es bisher 288 Strafverfahren zu Dickpics. Dabei kam es in nur 14 Fällen zu einer Verurteilung und in rund 37 Fällen zu einer Diversion, also zu keiner förmlichen Verurteilung. Bei 52 Ermittlungen wurde das Verfahren abgebrochen, da die Täter nicht gefunden werden konnten.
Der Anwalt Phillipp Springer sieht Dick-Pics im Vergleich zu anderen Teilen der digitalen Gewalt rechtlich gut abgedeckt, berichtet "Der Standard". Zu Problemen kommt es teilweise bei der Umsetzung durch Justizbehörden. Die Staatsanwaltschaft stellte zwei Verfahren ein trotz eines Geständnisses.
Politik zeigt Zuversicht
Dennoch zeigt sich Justizministerin Anna Sporrer (SPÖ) dem ORF Niederösterreich gegenüber überzeugt: Mit dem Dick-Pic-Verbot sei gezeigt worden, dass auch auf digitaler Gewalt entsprochen reagiert werde. KI-generierte sexualisierte Deepfakes und andere Missbrauchsformen würden verdeutlichen, dass Schutzmaßnahmen laufend weiterentwickelt werden müssten. Gewalt gegen Frauen habe viele neue Gesichter, dabei müsse das Recht mithalten, so Anna Sporrer.
(HA)