168 Millionen zu viel Miete

AK schlägt Alarm

(23.06.2026) Trotz Mietpreisbremse zahlen viele Mieterinnen und Mieter in Österreich offenbar weiterhin deutlich mehr als gesetzlich erlaubt. Zu diesem Ergebnis kommt die Arbeiterkammer (AK). Laut ihren Berechnungen wurden allein im Jahr 2025 österreichweit rund 168 Millionen Euro an überhöhten Mieten kassiert. Die AK spricht von einem strukturellen Problem und fordert erstmals deutlich schärfere Strafen für Vermieter.

Jeder zweite private Mietvertrag ist befristet

Im Zentrum der Kritik stehen befristete Mietverträge. Nach Angaben der AK lebt mittlerweile mehr als jeder zweite Haushalt im privaten Mietsegment mit einer Befristung. Insgesamt betrifft das über 400.000 Miethaushalte in Österreich.

Besonders auffällig: Mehr als drei Viertel aller neu abgeschlossenen privaten Mietverträge werden inzwischen nur noch befristet vergeben. Die Arbeiterkammer warnt davor, dass dieser Anteil weiter steigen könnte.

„Befristungen machen Mieterinnen und Mieter unsicher und erpressbar“, sagte AK-Wohnexperte Thomas Ritt am Dienstag in Wien.

Angst vor Kündigung hält viele vom Klagen ab

Das Grundproblem: Wer befristet wohnt, überlegt sich oft zweimal, ob er gegen eine möglicherweise zu hohe Miete vorgeht.

Nach Ansicht der AK verzichten viele Betroffene aus Angst, den Vertrag später nicht verlängert zu bekommen, auf rechtliche Schritte. Dadurch könnten Vermieter unzulässig hohe Mieten verlangen, ohne Konsequenzen befürchten zu müssen.

„Mietwucher ist praktisch straffrei“, kritisierte Ritt. Wer erwischt werde, müsse lediglich die zu viel kassierte Miete zurückzahlen. Weitere Sanktionen drohten in der Regel nicht.

Altbauwohnungen besonders betroffen

Vor allem bei Altbauwohnungen sieht die AK große Probleme. Dort gelten gesetzliche Obergrenzen für den Mietzins.

Nach dem Mietrecht müsste bei einer befristeten Vermietung grundsätzlich ein Abschlag von 25 Prozent auf den zulässigen Mietzins berücksichtigt werden. In der Praxis werde dieser Abschlag jedoch häufig nicht oder nicht vollständig weitergegeben.

Die Folge: Laut AK zahlt ein betroffener Haushalt durchschnittlich rund 1.600 Euro pro Jahr zu viel Miete.

Mieten steigen trotz Mietpreisbremse weiter

Die von der Bundesregierung eingeführte Mietpreisbremse sollte eigentlich für Entlastung sorgen. Laut AK funktioniert sie bei bestehenden Verträgen teilweise, verhindert aber keine kräftigen Preissprünge bei Neuvermietungen.

Im vergangenen Jahr seien die Mieten österreichweit dennoch um 4,8 Prozent gestiegen. Verantwortlich dafür seien vor allem neue Mietverträge sowie die hohe Zahl an befristeten Vermietungen.

AK fordert Geld- und sogar Haftstrafen

Die Arbeiterkammer fordert nun deutlich härtere Maßnahmen gegen Vermieter, die systematisch zu hohe Mieten verlangen.

Konkret schlägt die AK vor:

  • Geldstrafen bei Mietzinsüberschreitungen von mehr als 20 Prozent
  • Haftstrafen bei Überschreitungen von mehr als 50 Prozent
  • Doppelte Rückzahlung der zu viel bezahlten Miete an betroffene Mieter
  • Schrittweise Abschaffung befristeter Mietverträge
  • Ein einfacheres und transparenteres Mietrecht

Nach Ansicht der AK würde erst die Gefahr spürbarer Strafen verhindern, dass Vermieter immer wieder gegen bestehende Mietobergrenzen verstoßen.

Immobilienbranche sieht Lage anders

Vertreter der Immobilienwirtschaft weisen regelmäßig darauf hin, dass das österreichische Mietrecht bereits zu den komplexesten Europas zählt. Eigentümerverbände argumentieren zudem, dass hohe Sanierungs-, Finanzierungs- und Betriebskosten den Druck auf Vermieter erhöhen würden.

Die Forderung nach Haftstrafen dürfte daher für eine heftige politische Debatte sorgen.

Wohnkosten bleiben eines der größten Sorgen-Themen

Die aktuelle Diskussion trifft einen Nerv. Laut mehreren Umfragen zählen steigende Wohnkosten weiterhin zu den größten finanziellen Belastungen der österreichischen Haushalte.

Während die AK strengere Regeln fordert, dürfte die Frage, wie bezahlbares Wohnen künftig gesichert werden kann, auch die Bundesregierung weiter beschäftigen.

(fd/apa)

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