47.600 Euro Schulden pro Kopf
438,9 Milliarden Staatsschulden
(30.09.2026) Österreichs 438,9 Milliarden Euro Staatsschulden entsprechen rechnerisch bereits rund 47.600 Euro Schulden pro Einwohner. Grundlage sind die Ende Juni ausgewiesenen Staatsschulden und rund 9,22 Millionen Einwohner. Wichtig: Das bedeutet natürlich nicht, dass jede Österreicherin und jeder Österreicher persönlich diesen Betrag zurückzahlen muss. Die Pro-Kopf-Zahl zeigt vielmehr, wie groß der gesamte Schuldenstand von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung auf die Bevölkerung umgerechnet ist.
Defizit sinkt – Schuldenberg wächst trotzdem
Österreich hat sein Staatsdefizit im ersten Halbjahr 2026 zwar verringert, gleichzeitig ist der Schuldenberg jedoch weiter deutlich gewachsen. Ende Juni lagen die Staatsschulden bei 438,9 Milliarden Euro und damit um 20,5 Milliarden Euro höher als Ende 2025. Die Schuldenquote stieg auf 83,6 Prozent der Wirtschaftsleistung.
Defizit sinkt von 13,7 auf 11,1 Milliarden Euro
Positiv entwickelt hat sich zunächst die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Das gesamtstaatliche Defizit verringerte sich von 13,7 Milliarden Euro im ersten Halbjahr 2025 auf 11,1 Milliarden Euro in den ersten sechs Monaten 2026. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt entspricht das einem Defizit von 4,3 Prozent des BIP.
Die Staatseinnahmen stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,2 Prozent auf 129,7 Milliarden Euro. Die Staatsausgaben legten hingegen nur um 1,9 Prozent auf 140,9 Milliarden Euro zu. Weil die Einnahmen damit deutlich schneller wuchsen als die Ausgaben, konnte das laufende Defizit reduziert werden.
Warum steigen die Schulden trotz niedrigerem Defizit?
Auf den ersten Blick wirkt es widersprüchlich: Der Staat machte im ersten Halbjahr rund 11,1 Milliarden Euro Minus, die Gesamtverschuldung nahm aber um 20,5 Milliarden Euro zu. Laut Statistik Austria liegt das vor allem daran, dass der Bund neben der Finanzierung des Defizits vorsorglich einen größeren Liquiditätsbestand aufgebaut hat.
Der Bund allein verbuchte in der ersten Jahreshälfte ein Defizit von rund 12,2 Milliarden Euro. Bei den Gemeinden betrug das Minus 1,4 Milliarden Euro. Dem standen Überschüsse der Länder von rund 900 Millionen Euro sowie der Sozialversicherung von 1,5 Milliarden Euro gegenüber.
Schuldenquote steigt auf 83,6 Prozent
Die Schuldenquote erhöhte sich bis Ende Juni auf 83,6 Prozent des BIP. Damit liegt Österreich deutlich über der bekannten Maastricht-Referenzmarke von 60 Prozent. Ende 2025 hatte die Quote noch bei rund 80,7 Prozent gelegen.
Zum Vergleich: Bereits im ersten Quartal 2026 hatte Statistik Austria einen Schuldenstand von 431,4 Milliarden Euro beziehungsweise 46.786 Euro pro Kopf ausgewiesen. Bis Ende Juni kamen damit weitere Milliarden hinzu.
Sozialbeiträge bringen deutlich mehr Geld
Rund 85,7 Prozent der Staatseinnahmen stammen aus Steuern und Sozialbeiträgen. Besonders stark stiegen im ersten Halbjahr die Einnahmen aus Sozialversicherungsbeiträgen mit plus 5,3 Prozent. Die Steuereinnahmen erhöhten sich um 3,2 Prozent.
Bei der Lohnsteuer fiel das Wachstum schwächer aus als im Vorjahr. Gleichzeitig wurde das Wachstum der Staatsausgaben deutlich gebremst.
Staatsausgaben wachsen langsamer
Die Löhne und Gehälter im öffentlichen Dienst stiegen um lediglich 1,3 Prozent, die monetären Sozialleistungen um 2,7 Prozent. Laut Statistik Austria wirkten dabei unter anderem niedrigere Ausgaben für Pensionen dämpfend.
Die staatlichen Subventionen blieben mit etwa 3,9 Milliarden Euro ungefähr auf Vorjahresniveau. Gleichzeitig steigen jedoch die Kosten für den bestehenden Schuldenberg: Für Zinsen gab der Staat im ersten Halbjahr bereits 4,3 Milliarden Euro aus.
Finanzministerium mahnt weiter zu strengem Sparkurs
Das Finanzministerium betont, dass es sich bei den Zahlen für das erste Halbjahr um vorläufige Werte handelt, die nicht unmittelbar mit einer Gesamtjahresrechnung vergleichbar sind. Klar sei aber, dass weiterhin ein strenger Budgetvollzug notwendig sei, um die gesetzten Ziele zu erreichen.
Unterm Strich zeigt sich damit ein gemischtes Bild: Österreich macht weniger neue Verluste, gleichzeitig wächst der gesamte Schuldenberg weiter. Mit knapp 439 Milliarden Euro Staatsschulden beziehungsweise rund 47.600 Euro pro Einwohner bleibt die Konsolidierung der öffentlichen Finanzen damit eine der großen Herausforderungen der kommenden Jahre.
(fd/apa)