Angst vor dem Zahnarzt?

Wenn das Geld mehr schmerzt

(10.09.2026) Zahnarztkosten werden für immer mehr Menschen in Österreich zur Hürde. Obwohl 85 Prozent nach eigenen Angaben gewissenhaft auf ihre Zähne achten und 73 Prozent mindestens einmal pro Jahr zur Kontrolle gehen, haben 40 Prozent bereits zumindest einmal auf eine Zahnbehandlung verzichtet, weil sie ihnen zu teuer war. Weitere 38 Prozent haben eine Behandlung aus Kostengründen verschoben. Das zeigt das aktuelle Allianz Gesundheitsbarometer 2026.

Kosten machen mehr Angst als die Behandlung

Die Zahlen zeigen deutlich, wo das Problem liegt: 47 Prozent nennen die Kosten als Hindernis für eine Zahnbehandlung, während lediglich 19 Prozent die Behandlung selbst beziehungsweise die Angst davor abschreckt. Bei Frauen ist die finanzielle Hürde mit 53 Prozent sogar deutlich größer als bei Männern mit 41 Prozent.

Mehr als drei Viertel der Befragten – 77 Prozent – kennen jemanden, der bereits mit hohen Zahnarztkosten konfrontiert war. Als besonders teuer werden Zahnersatz von 87 Prozent, Zahnkorrekturen von 80 Prozent und ästhetische Behandlungen von 75 Prozent wahrgenommen. Gerade einmal 28 Prozent beurteilen das Kosten-Leistungs-Verhältnis der Zahnmedizin in Österreich als gut oder eher gut.

ÖGK-Selbstbehalt für Zahnersatz wurde 2026 erhöht

Die Umfrage fällt in ein Jahr, in dem sich für viele ÖGK-Versicherte die Eigenkosten bei Zahnersatz erhöht haben. Seit 1. Mai 2026 beträgt der Selbstbehalt für bestimmte Formen des unentbehrlichen Zahnersatzes grundsätzlich 30 statt zuvor 25 Prozent. Rezeptgebührenbefreite Versicherte zahlen 20 Prozent. Betroffen sind unter anderem Kunststoff- und Metallgerüstprothesen sowie bestimmte Kronen und Reparaturen.

Was das konkret bedeuten kann, zeigen die offiziellen Tarife: Für eine totale Kunststoffprothese liegt der Gesamttarif 2026 bei 1.129 Euro, wovon ein regulär ÖGK-Versicherter bei 30 Prozent Selbstbehalt 338,70 Euro selbst bezahlt. Bei einer Metallgerüstprothese sind es 352,20 Euro, bei einer Verblend-Metall-Keramikkrone 211,80 Euro Eigenanteil.

Kronen, Implantate & Co. können deutlich teurer werden

Besonders hohe Rechnungen drohen bei Leistungen, die nicht oder nur eingeschränkt zum regulären Kassenangebot gehören. In den ÖGK-Zahngesundheitszentren kostet beispielsweise eine Vollkeramikkrone laut Tarif 2026 888 Euro, eine Verblend-Metall-Keramikkrone 784 Euro. Für ein Implantat werden dort 1.149,50 Euro, für eine Zirkonkrone auf einem Implantat weitere 680,40 Euro ausgewiesen. Abhängig von medizinischer Situation, Behandlung und Leistung können sich die Gesamtkosten entsprechend summieren.

Auch die professionelle Mundhygiene ist für Erwachsene bei der ÖGK grundsätzlich eine Privatleistung. Eine generelle Kostenerstattung gibt es nicht. Kostenlos ist sie unter bestimmten Voraussetzungen für Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren.

Nur jeder Dritte fühlt sich über Zahnarztkosten gut informiert

Ein weiteres Problem: Viele Patienten wissen offenbar gar nicht genau, was eine Behandlung kosten wird und was die Krankenkasse übernimmt. Nur 36 Prozent der Befragten fühlen sich über Behandlungskosten gut informiert. Ebenfalls nur 36 Prozent geben an, die Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung ausreichend zu kennen.

Das ist besonders relevant, weil die ÖGK im März 2026 auch einzelne Leistungen einschränkte. Unter anderem wurden bestimmte Kieferregulierungen sowie ein Kostenzuschuss für bestimmte umfangreiche parodontale Initialtherapien gestrichen. Die Gratis-Zahnspange bei entsprechend schweren Fehlstellungen blieb davon allerdings unberührt.

Volle Kostenübernahme verändert Entscheidung drastisch

Wie stark Geld über eine Behandlung entscheidet, zeigt ein weiteres Ergebnis der Studie. Bei vollständiger Kostenübernahme würde die Bereitschaft für mehrere Eingriffe massiv steigen:

  • Zahnspangen und Korrekturen: von 29 auf 71 Prozent
  • Bleaching: von 31 auf 75 Prozent
  • Veneers: von 28 auf 69 Prozent
  • Implantate: von 47 auf 81 Prozent
  • Zahnfleischbehandlungen: von 63 auf 86 Prozent

Aktuell besitzen laut Studie lediglich fünf Prozent der Österreicher eine private Zahnzusatzversicherung, 38 Prozent könnten sich eine solche Versicherung jedoch grundsätzlich vorstellen. Privatversicherte nehmen laut Erhebung bestimmte kostspieligere Behandlungen deutlich häufiger in Anspruch.

Gute Zahnmedizin – aber für viele offenbar zu teuer

An der medizinischen Qualität liegt die Kritik jedenfalls nicht: 71 Prozent bewerten die zahnmedizinische Versorgung in Österreich als sehr oder eher gut, die fachliche Kompetenz erreicht sogar 81 Prozent Zustimmung. Das zentrale Problem ist vielmehr die Finanzierbarkeit.

Das Gesundheitsbarometer basiert auf einer von Marketagent im Auftrag der Allianz Österreich durchgeführten Onlinebefragung von 1.600 Personen. Dass Auftraggeberin eine Versicherung ist, die selbst private Absicherung anbietet, ist bei der Einordnung der Ergebnisse relevant. Unabhängig davon bestätigen die aktuellen ÖGK-Regelungen, dass Patienten bei verschiedenen Zahnleistungen tatsächlich erhebliche Eigenkosten tragen können.

Damit wird die Kostenfrage beim Zahnarzt in Österreich zunehmend auch zu einer Versorgungsfrage: Wenn vier von zehn Menschen eine Behandlung aus finanziellen Gründen bereits ausgelassen haben, entscheidet bei Zahngesundheit offenbar nicht nur der medizinische Bedarf – sondern immer häufiger auch der Kontostand.

(fd/apa)

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