Arbeitest du im Urlaub?
ÖGB warnt: 73% erreichbar!
(22.06.2026) Sommerzeit ist Urlaubszeit – doch für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Österreich bedeutet das nicht automatisch Erholung. Eine aktuelle Umfrage der Jobplattform karriere.at unter 1.001 Beschäftigten zeigt, dass fast drei Viertel der Befragten auch während ihres Urlaubs beruflich erreichbar bleiben. Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) sieht die Entwicklung kritisch und erinnert daran, dass Beschäftigte während ihres Urlaubs nicht verpflichtet sind, für den Arbeitgeber verfügbar zu sein.
Fast jede zweite Person prüft im Urlaub Nachrichten
Die Ergebnisse der Umfrage zeichnen ein deutliches Bild: 45 Prozent der Befragten kontrollieren auch während ihrer freien Tage regelmäßig berufliche E-Mails oder bleiben telefonisch erreichbar. Weitere 28 Prozent stehen zumindest für Notfälle zur Verfügung. Nur 27 Prozent schaffen es, im Urlaub vollständig abzuschalten und auf berufliche Kontakte zu verzichten. Damit bleibt die Arbeit für viele Beschäftigte auch am Strand, in den Bergen oder auf Städtereisen ein ständiger Begleiter.
Führungskräfte besonders häufig erreichbar
Vor allem Menschen mit Personalverantwortung fällt es schwer, den Job für einige Tage hinter sich zu lassen. Laut der Erhebung sind mehr als sechs von zehn Führungskräften auch während ihres Urlaubs regelmäßig für ihr Team erreichbar. Lediglich 14 Prozent der Führungskräfte geben an, in ihrer Freizeit vollständig offline zu sein. Experten sehen darin ein wachsendes Problem. Wer ständig erreichbar ist, kann sich oft nicht vollständig erholen und kehrt weniger ausgeruht an den Arbeitsplatz zurück.
Jede vierte Person fühlt sich durch die Erreichbarkeit belastet
Die ständige Verfügbarkeit hat für viele Beschäftigte auch negative Folgen. Rund jede vierte Arbeitnehmerin beziehungsweise jeder vierte Arbeitnehmer empfindet die Erreichbarkeit im Urlaub als Belastung. Unter Führungskräften fällt dieser Wert sogar noch höher aus. Arbeitspsychologen weisen seit Jahren darauf hin, dass echte Erholung nur dann möglich ist, wenn sich Menschen auch mental von ihrer Arbeit lösen können. Schon das regelmäßige Kontrollieren von E-Mails oder das Warten auf mögliche Anrufe kann den Erholungseffekt deutlich reduzieren.
ÖGB: Urlaub ist keine Bereitschaftszeit
Der Österreichische Gewerkschaftsbund reagierte auf die Umfrage mit einer klaren Botschaft. Laut ÖGB-Arbeitsrechtsexperte Martin Müller ist die Rechtslage eindeutig: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen in ihrer Freizeit und während ihres Urlaubs grundsätzlich nicht erreichbar sein.
„Wer arbeitet, braucht auch echte Ruhezeiten. Das ist kein Luxus, sondern ein Recht“, betont Müller.
Der Urlaub diene ausschließlich der Erholung und sei keine versteckte Bereitschaftszeit. Beschäftigte seien daher nicht verpflichtet, Anrufe entgegenzunehmen, E-Mails zu lesen oder Nachrichten zu beantworten.
Nur eine Ausnahme ist möglich
Eine Verpflichtung zur Erreichbarkeit besteht laut ÖGB lediglich dann, wenn ausdrücklich eine Rufbereitschaft vereinbart wurde. Dabei handelt es sich um eine eigene arbeitsrechtliche Vereinbarung, die nicht automatisch mit dem Arbeitsverhältnis entsteht.
„Das passiert nicht einfach nebenbei“, stellt Müller klar.
Unternehmen sollen für Vertretungen sorgen
Karriere.at sieht die Ergebnisse als Auftrag an Unternehmen, bessere Rahmenbedingungen für die Urlaubszeit zu schaffen. Klare Vertretungsregelungen und eine frühzeitige Aufgabenübergabe könnten dazu beitragen, dass Beschäftigte ihre freie Zeit tatsächlich zur Erholung nutzen können. Gerade in Zeiten von Smartphones, Messenger-Diensten und mobilem Arbeiten verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Freizeit immer stärker. Umso wichtiger sei es, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre gesetzlichen Ruhezeiten auch tatsächlich in Anspruch nehmen können.
(fd/apa)