Autofahrer als Melkkuh?
Budget: Strafen werden erhöht
(11.06.2026) Für Österreichs Autofahrer wird es künftig deutlich teurer, gegen Verkehrsregeln zu verstoßen. Die Bundesregierung plant ab 2027 eine umfassende Reform der Verkehrsstrafen. Vor allem Raser, Falschparker und Lenker, die Schutzwege oder Sperrlinien missachten, müssen künftig mit höheren Strafen rechnen.
Die Maßnahme ist Teil des neuen Doppelbudgets. Laut Regierung sollen die Änderungen zwar zusätzliche Einnahmen von rund 80 Millionen Euro pro Jahr bringen, offiziell steht jedoch ein anderes Ziel im Vordergrund: mehr Sicherheit auf Österreichs Straßen.
Verkehrsminister Peter Hanke betont, dass Geschwindigkeitsüberschreitungen noch immer viel zu oft als Kavaliersdelikt angesehen würden. Die höheren Strafen sollen deshalb eine stärkere abschreckende Wirkung entfalten.
Zahl der Verkehrsunfälle zuletzt gestiegen
Hintergrund der geplanten Verschärfungen sind die aktuellen Unfallzahlen. Die Zahl der Verkehrsunfälle ist zuletzt deutlich gestiegen. Als eine der häufigsten Ursachen gilt weiterhin überhöhte Geschwindigkeit.
Mit den neuen Strafsätzen will die Bundesregierung vor allem jene treffen, die bewusst Risiken eingehen und andere Verkehrsteilnehmer gefährden. Gleichzeitig sollen die Strafen österreichweit einheitlicher werden.
Raser müssen deutlich tiefer in die Tasche greifen
Besonders teuer wird es künftig für Autofahrer, die deutlich schneller unterwegs sind als erlaubt.
Wer die erlaubte Höchstgeschwindigkeit um 30 km/h überschreitet, soll künftig mindestens 200 Euro bezahlen. Derzeit liegt die Mindeststrafe bei 150 Euro. Die Höchststrafe bleibt zwar bei 5000 Euro, die Untergrenze steigt jedoch um ein Drittel.
Noch empfindlicher fallen die Strafen bei schweren Geschwindigkeitsüberschreitungen aus. Wer innerorts um 40 km/h oder außerorts um 50 km/h zu schnell unterwegs ist, muss künftig mit Geldstrafen zwischen 400 und 6000 Euro rechnen. Bisher lag der Strafrahmen bei 300 bis 5000 Euro.
Einheitliche Strafen in ganz Österreich
Ein weiterer Schwerpunkt der Reform ist die Vereinheitlichung von Verkehrsstrafen. Bisher konnten identische Delikte je nach Bundesland unterschiedlich teuer sein. Damit soll nun Schluss sein.
Künftig soll das Überfahren einer Sperrlinie österreichweit 95 Euro kosten. Wer einen Fußgänger beim Schutzweg nicht passieren lässt, muss mit einer Strafe von 85 Euro rechnen.
Auch die Missachtung des Verkehrszeichens „Einfahrt verboten“ wird teurer und soll künftig mit 110 Euro geahndet werden.
Wer mit einem Auto oder Motorrad unerlaubt einen Radfahrstreifen benützt, zahlt künftig 80 Euro.
Parken wird ebenfalls teurer
Spürbare Änderungen kommen auch auf Falschparker zu. Derzeit unterscheiden sich die Strafen teilweise deutlich zwischen den Bundesländern.
Künftig soll österreichweit ein einheitlicher Tarif gelten. Wer sein Fahrzeug nicht entsprechend der Bodenmarkierungen abstellt, muss mit einer Strafe von 60 Euro rechnen.
Für viele Autofahrer bedeutet das eine Verdoppelung der bisherigen Kosten. In einigen Bundesländern lagen vergleichbare Strafen bisher deutlich darunter.
Neue Strafsätze für kleinere Tempoverstöße
Auch bei geringeren Geschwindigkeitsüberschreitungen werden die Organstrafen österreichweit harmonisiert.
Auf Freilandstraßen mit einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h sollen künftig folgende Beträge gelten:
- Bis zu 10 km/h zu schnell: 50 Euro
- Mehr als 10 bis 20 km/h zu schnell: 80 Euro
- Mehr als 20 bis 25 km/h zu schnell: 95 Euro
- Mehr als 25 bis 30 km/h zu schnell: 120 Euro
Im Ortsgebiet bei einer erlaubten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h sind folgende Strafen vorgesehen:
- Bis zu 10 km/h zu schnell: 60 Euro
- Mehr als 10 bis 15 km/h zu schnell: 80 Euro
- Mehr als 15 bis 20 km/h zu schnell: 105 Euro
Verkehrssicherheit oder Budgetsanierung?
Die geplanten Verschärfungen sorgen bereits für Diskussionen. Während die Regierung auf die steigende Zahl von Unfällen und den Sicherheitsaspekt verweist, sehen Kritiker in den höheren Strafen auch einen Beitrag zur Budgetsanierung.
Fest steht: Wer ab 2027 aufs Gaspedal drückt oder Verkehrsregeln missachtet, wird deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen als bisher. Für viele Autofahrer dürfte die Reform damit eine der spürbarsten Änderungen im Straßenverkehr der kommenden Jahre werden.
(fd/apa)