Ende der Energiewende?
Lithium-Engpass 2028
(05.03.2026) Das Leichtmetall Lithium ist ein begehrter Rohstoff. Für Smartphones oder E-Auto-Akkus ist es eine Notwendigkeit. Doch laut der Analysefirma Wood Mackenzie könnte es bereits in zwei Jahren zu einer enormen Versorgungslücke kommen.
Wood Mackenzie hat sich mit der Frage beschäftigt, wie sich der Bedarf an Lithium in den kommenden Jahren entwickeln soll, speziell wenn man die Entwicklung der Energiewende betrachtet. Das Ergebnis der Analyse: Im Jahr 2050 könnte die Menschheit bis zu 13 Millionen Tonnen Lithium benötigen, wenn man die aktuellen Klimaversprechen konsequent umsetzen möchte. Der Lithiummarkt steuere viel schneller auf eine Versorgungskrise zu, als viele Branchenakteure erwarten würden, so Allan Pederson, Forschungsdirektor bei Wood Mackenzie. Die Branche müsse jetzt handeln.
Hauptproblem E-Mobilität
Laut Wood Makenzie werden 72 bis 80 Prozent des weltweiten Lithiumbedarfs in E-Auto-Akkus gesteckt. In einem sehr ambitioniert modellierten Net-Zero-Szenario könnten Elektrofahrzeuge bis zum Jahr 2040 bereits 95 Prozent der gesamten Autoverkäufe ausmachen. Wie schnell und intensiv uns diese Lithium- Versorgungsengpässe tatsächlich treffen könnten, hängt schlichtweg davon ab, wie schnell und intensiv die Welt die Energiewende vorantreibt.
Hierfür wurden vier Szenarios modelliert. In einer verzögerten Transition bliebe der Markt bis zum Jahr 2037 noch relativ stabil. In einem sogenannten Basisszenario würde das Angebot an Lithium ab Mitter der 2030er-Jahre merklich knapp werden. Wenn die Regierungen jedoch ihre Klimaversprechen konsequent durchsetzt, würde der Mangel bereits ab dem Jahr 2029 beginnen. Das ehrgeizigste der vier Szenarios bleibt jedoch „Net Zero“, das zum Ziel hat die ausgestoßenen Emissionen auf ein Minimum zu reduzieren und verbleibende Ausstöße zu neutralisieren. Hier würde man bereits ab 2028 merkliche Defizite skizzieren, was bis zum Jahr 2050 einen zusätzlichen Bedarf von 8,5 Millionen Tonnen Lithium bedeuten würde.
Natrium-Ionen als Alternative
Um eine mögliche Versorgungslücke bestmöglich abzufedern, wird bereits mit Hochdruck an Alternativen gesucht. Eine davon ist die Natrium-Ionen-Batterie. Natrium ist im Grunde genommen einfaches Salz, welches ist in Massen verfügbar und dementsprechend günstig ist. Große Unternehmen wie CATL haben in diesem Beriech bereits die Massenproduktion hochgefahren.
Eine weitere Alternative ist die Feststoffbatterie, welche bereits an der Schwelle zum Massenmarkt steht. Diese Technik verspricht zwar bei Testfahrzeugen deutlich höhere Reichweiten und gleichzeitig eine massiv kürzere Ladezeit, doch löst das Rohstoffproblem nur sehr bedingt. Ein Großteil der Hochenergie-Zellen der Feststoffbatterie besteht aus Lithium.
Die einzig wahre Lösung für den Lithiumengpass gibt es also nicht. Eine gewisse „Doppelgleisigkeit“ wird in den kommenden Jahren erforderlich sein, um die Energiewende weiter vorantrieben zu können.
(hb)