Gas und Ölpreise steigen weiter

Nahost betrifft Österreich

(08.10.2026) Der europäische Gaspreis steigt erneut deutlich an und überschreitet die Marke von 80 Euro pro Megawattstunde. Auslöser sind Berichte über mögliche neue US-Militärangriffe auf den Iran noch vor den amerikanischen Zwischenwahlen im November. Die Angst vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten sorgt für Nervosität an den Energiemärkten. Auch die Ölpreise ziehen kräftig an.

Europäischer Gaspreis klettert auf über 80 Euro

Am Donnerstag (8. Oktober) stieg der richtungsweisende TTF-Erdgaspreis an der Energiebörse in Amsterdam auf 80,34 Euro je Megawattstunde (MWh). Das entspricht einem Tagesplus von 2,64 Prozent. Noch in der vergangenen Woche hatte der Preis zeitweise unter 70 Euro gelegen. Damit hat sich Erdgas innerhalb weniger Tage erheblich verteuert.

Besonders deutlich wird der Preisanstieg im längerfristigen Vergleich: Ende Februar, vor Beginn des Iran-Krieges, kostete eine Megawattstunde Erdgas noch rund 30 Euro. Im September erreichte der europäische Gaspreis mit 84,50 Euro bereits den höchsten Stand seit mehreren Jahren. Die aktuellen Entwicklungen bringen die Preise erneut in die Nähe dieses Höchstwertes.

Trump erwägt neue Militärschläge gegen den Iran

Hinter dem jüngsten Preissprung stehen Berichte über mögliche neue US-Angriffe auf den Iran. Laut dem US-Magazin The Atlantic hat das Weiße Haus das Pentagon angewiesen, militärische Optionen für Angriffe auf iranische Ziele auszuarbeiten. Diese könnten noch vor den US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 umgesetzt werden.

US-Präsident Donald Trump erwägt demnach eine erneute militärische Eskalation, während der Iran-Krieg zunehmend die amerikanische Wirtschaft und die Energiepreise belastet. Eine endgültige Entscheidung über neue Angriffe wurde bislang nicht getroffen. Auch mögliche Ziele und das Ausmaß der Operationen werden noch diskutiert.

Straße von Hormuz bleibt gefährlicher Engpass für Erdgas

Eine zentrale Rolle bei der Entwicklung spielt die Straße von Hormuz zwischen dem Iran und der Arabischen Halbinsel. Die Meerenge gehört zu den wichtigsten Transportrouten für Erdöl und Flüssigerdgas (LNG) weltweit. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar ist der Schiffsverkehr dort massiv eingeschränkt.

Zwar ist die Zahl der LNG-Tanker, die die Meerenge passieren, zuletzt wieder gestiegen und erreichte im September den höchsten Monatswert seit Kriegsbeginn. Nach Berechnungen der Commerzbank entsprach das Transportaufkommen allerdings weiterhin nur etwa 20 Prozent des Vorkriegsniveaus. Die Versorgung mit Flüssigerdgas aus den Förderländern am Persischen Golf bleibt damit erheblich beeinträchtigt.

Zusätzliche Sorgen bereiten Angriffe auf Handelsschiffe. Erst am Mittwoch wurde ein Tanker vor der Küste Katars von mehreren Geschossen getroffen. Die anhaltende Unsicherheit erhöht die Gefahr weiterer Lieferausfälle und treibt die Energiepreise zusätzlich nach oben.

Auch Ölpreis steigt deutlich über 100 Dollar

Nicht nur Erdgas verteuert sich. Auch die internationalen Ölpreise reagieren auf die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten. Die Nordseesorte Brent stieg am Donnerstag zeitweise auf mehr als 104 US-Dollar pro Barrel, ein Plus von rund vier Prozent. Der US-Ölpreis WTI legte ebenfalls deutlich zu.

Die Entwicklung belastet zugleich die internationalen Finanzmärkte. An mehreren europäischen und asiatischen Börsen gaben die Aktienkurse nach. Anleger befürchten, dass dauerhaft hohe Energiekosten die Inflation erneut anheizen und die Wirtschaft belasten könnten.

Was der steigende Gaspreis für Österreich bedeutet

Auch für Haushalte und Unternehmen in Österreich ist der erneute Gaspreisanstieg relevant. Der europäische TTF-Preis gilt als wichtiger Orientierungspunkt für den Großhandel mit Erdgas. Bleiben die Preise über längere Zeit hoch, kann das zeitverzögert zu höheren Beschaffungskosten und in weiterer Folge zu steigenden Gasrechnungen führen.

Wie stark sich der Anstieg tatsächlich auf Verbraucher auswirkt, hängt allerdings von bestehenden Lieferverträgen, Preisbindungen und den Einkaufsstrategien der Energieversorger ab. Ein kurzfristiger Anstieg an der Gasbörse bedeutet daher nicht automatisch höhere Endkundenpreise.

Entscheidend für die weitere Entwicklung bleibt die Sicherheitslage im Nahen Osten. Sollten die USA tatsächlich neue Angriffe auf den Iran starten oder der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormuz erneut stärker eingeschränkt werden, könnten Gas- und Ölpreise weiter steigen. Eine Entspannung der Lage könnte dagegen auch an den europäischen Energiemärkten für sinkende Preise sorgen.

(fd/apa)

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