Mädchen (1) im Auto vergessen
Abends tot im Kindersitz
(28.09.2026) Ein tragischer Fall erschüttert Bertem bei Leuven in Belgien: Ein erst 18 Monate altes Mädchen ist gestorben, nachdem es am Freitag, dem 25. September, offenbar einen gesamten Arbeitstag unbemerkt in einem Auto geblieben war. Ein Elternteil sollte das Kleinkind morgens in die Kinderbetreuung bringen – doch dazu kam es nicht. Erst viele Stunden später wurde das Mädchen entdeckt. Die Staatsanwaltschaft Leuven untersucht nun die genauen Umstände.
Älteres Kind zur Schule gebracht – dann direkt zur Arbeit
Nach den bislang bekannt gewordenen Informationen begann die Fahrt am Morgen zunächst wie gewohnt. Das betreffende Elternteil brachte zuerst das ältere Geschwisterkind zur Schule in Bertem. Danach hätte das eineinhalbjährige Mädchen in der Kinderkrippe beziehungsweise Kindertagesstätte abgesetzt werden sollen.
Doch offenbar wurde dieser zweite Halt vergessen. Statt zur Betreuung zu fahren, fuhr das Elternteil direkt zur Arbeit und arbeitete dort den ganzen Tag. Das kleine Mädchen blieb währenddessen im Auto. Welches Elternteil – Mutter oder Vater – betroffen war, haben Polizei und Staatsanwaltschaft bislang nicht öffentlich bekannt gegeben.
Entdeckung erst beim Abholen des älteren Kindes
Besonders tragisch ist, wie das Unglück schließlich bemerkt wurde. Nach Ende des Arbeitstages fuhr das Elternteil wieder zur Schule des älteren Kindes, um dieses abzuholen. Erst dabei wurde offenbar erkannt, dass sich das 18 Monate alte Mädchen noch immer im Auto befand.
Das Kind wurde noch reanimiert und in ein Krankenhaus gebracht. Die Rettungsversuche blieben jedoch erfolglos, das Mädchen starb. Nach Angaben des regionalen Senders ROBtv waren auch ein Rechtsmediziner und das Labor vor Ort. Die Staatsanwaltschaft Leuven leitete Ermittlungen ein.
Der Fall wirft eine naheliegende Frage auf: Wie konnte ein Kind Ende September in einem Auto sterben, obwohl keine Hitzewelle herrschte?
Am 25. September war es in der Region tatsächlich vergleichsweise mild. Wetterdaten für Bertem weisen etwa 20 Grad Höchsttemperatur aus. Der belgische Wetterdienst KMI meldete für das Zentrum des Landes beziehungsweise die Region um Brüssel je nach Zeitpunkt ungefähr 21 bis 24 Grad, bei trockenem und zeitweise sonnigem Wetter.
Das klingt zunächst nicht nach Temperaturen, bei denen man an einen tödlichen Hitzschlag denkt. Für ein Kleinkind in einem geschlossenen Auto kann die Situation dennoch vollkommen anders aussehen.
Auch bei rund 20 Grad kann ein geschlossenes Auto lebensgefährlich werden
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA warnt ausdrücklich, dass sich ein Fahrzeug auch bei vergleichsweise niedrigen Außentemperaturen sehr schnell gefährlich aufheizen kann. Bereits in den ersten zehn Minuten kann die Innenraumtemperatur um knapp 11 Grad Celsius steigen. Selbst ein leicht geöffnetes Fenster schützt nicht zuverlässig.
Besonders gefährdet sind kleine Kinder. Ihre Körpertemperatur kann laut NHTSA drei- bis fünfmal schneller steigen als bei Erwachsenen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC warnt deshalb ebenfalls davor, Kinder selbst bei scheinbar kühlem Wetter in einem abgestellten Fahrzeug zurückzulassen.
Über viele Stunden kann deshalb selbst ein Septembertag mit Temperaturen um 20 bis etwas über 20 Grad zu einer extrem gefährlichen Situation führen – insbesondere wenn das Auto in der Sonne steht.
War ein Hitzschlag die Todesursache?
Eine schwere Überhitzung oder Hyperthermie erscheint angesichts der Umstände medizinisch naheliegend. Als bestätigte Todesursache darf sie derzeit allerdings noch nicht angegeben werden.
Die Staatsanwaltschaft untersucht weiterhin, was genau zum Tod des Mädchens geführt hat. Die öffentlich zugänglichen Mitteilungen nennen bislang keine abschließend festgestellte Todesursache. Deshalb sollte auch nicht behauptet werden, das Kind sei definitiv an einem Hitzschlag gestorben.
Die NHTSA beschreibt einen Hitzschlag als Zustand, bei dem die körpereigene Temperaturregulierung versagt. Für ein 18 Monate altes Kind, das über viele Stunden in einem geschlossenen Fahrzeug sitzt und sich weder selbst befreien noch ausreichend Flüssigkeit aufnehmen kann, kann eine solche Überhitzung besonders schnell lebensbedrohlich werden.
Warum das Kleinkind nicht zur Betreuung gebracht wurde, wie viele Stunden es tatsächlich im Fahrzeug verbrachte und wo der Wagen während des Arbeitstages genau abgestellt war, gehört nun zu den offenen Fragen der Ermittlungen.
Bestätigt ist bislang: Ein Elternteil brachte am Morgen zunächst das ältere Kind zur Schule, fuhr anschließend zur Arbeit, ohne das 18 Monate alte Mädchen zuvor bei der Betreuung abzusetzen, und bemerkte das Kind offenbar erst wieder, als es später zur Schule zurückkehrte. Trotz Reanimation und Behandlung im Krankenhaus konnte das Mädchen nicht mehr gerettet werden.
Der Todesfall von Bertem in Flämisch-Brabant zeigt damit auch, warum Kinder in abgestellten Autos nicht nur während einer sommerlichen Hitzewelle gefährdet sind. Schon ein sonniger Tag mit Temperaturen um 20 Grad kann im geschlossenen Fahrzeug Bedingungen entstehen lassen, die für ein Kleinkind lebensgefährlich werden können.
(fd)