Neuer Geisterfahrer-Trend?
12 Menschen sind schon tot
(23.08.2026) Zwölf Menschen sind innerhalb weniger Tage bei zwei verheerenden Geisterfahrer-Unfällen in Großbritannien und Irland ums Leben gekommen. Gleichzeitig häufen sich Videos, in denen junge Fahrer illegale Fahrten, Polizeifluchten und Geisterfahrten für soziale Netzwerke filmen. Behörden warnen inzwischen ausdrücklich vor gefährlichen Aktionen „für Social-Media-Likes“. Ob eine konkrete Internet-Challenge allerdings tatsächlich beide tödlichen Unfälle ausgelöst hat, ist bislang nicht bewiesen.
2 tote Polizisten
Die Bilder vom Unfallort nahe Middlesbrough sind erschütternd. In der Nacht auf Samstag raste ein mit fünf Menschen besetzter VW Passat auf der A66 in Nordostengland in falscher Richtung über die Schnellstraße. Gegen 3.39 Uhr krachte der Wagen frontal in ein entgegenkommendes Polizeifahrzeug. Alle sieben Menschen in den beiden Fahrzeugen starben noch an der Unfallstelle. Unter den Todesopfern sind die beiden Polizisten Matthew B. (37) und Tom C. (38). Die fünf Insassen des Passat kamen ebenfalls ums Leben.
Polizei hatte den VW Passat kurz zuvor verfolgt
Nach Angaben der britischen Polizeiaufsicht IOPC hatten Beamte den VW Passat zuvor als verdächtiges Fahrzeug bemerkt. Daraufhin begann eine Verfolgung. Wenig später gelangte der Passat auf die A66 und fuhr dort in die falsche Richtung.
Das Polizeifahrzeug, mit dem der Passat schließlich kollidierte, war dagegen in der richtigen Fahrtrichtung unterwegs. Britische Medien berichten zudem, dass die eigentliche Verfolgung kurz vor dem Zusammenstoß bereits abgebrochen worden sein soll. Dieser Punkt ist Teil der laufenden Untersuchung.
Die unabhängige Polizeiaufsicht IOPC untersucht nun, was genau zwischen dem Beginn der Verfolgung und dem tödlichen Frontalcrash passiert ist.
Besonders alarmierend ist, dass sich nur wenige Tage zuvor in Irland ein erschreckend ähnlicher Unfall ereignet hatte. Am 16. August war ein Auto gegen 3 Uhr morgens auf der Autobahn M9 bei Moone im County Kildare entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung unterwegs. Der Wagen fuhr Richtung Süden auf der eigentlich nach Norden führenden Fahrbahn und kollidierte frontal mit einem entgegenkommenden Auto.
Alle fünf Jugendlichen im Geisterfahrer-Auto starben.
Im zweiten Fahrzeug saßen drei Frauen und ein Kind. Sie wurden mit schweren beziehungsweise teilweise kritischen Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Innerhalb von nicht einmal einer Woche forderten die beiden Geisterfahrer-Crashs damit zusammen zwölf Todesopfer.
Polizei: Manche Geisterfahrten werden für Likes gefilmt
In Irland sorgt jedoch nicht nur der tödliche M9-Unfall für Diskussionen. Die Polizei beobachtet nach eigenen Angaben seit einiger Zeit ein gefährliches Phänomen: Junge Menschen filmen riskante Fahrten, Auseinandersetzungen mit der Polizei und teilweise sogar Fahrten entgegen der Fahrtrichtung und verbreiten die Aufnahmen anschließend über soziale Netzwerke.
Irlands Polizeichef Justin K. fand nach dem M9-Unfall ungewöhnlich deutliche Worte. Besonders erschreckend sei, dass dieses rücksichtslose Verhalten in manchen Fällen für Likes in sozialen Netzwerken ausgeführt werde – ohne Rücksicht auf die möglichen Folgen für unbeteiligte Verkehrsteilnehmer.
Auch die irische Polizeigewerkschaft GRA berichtet von Gruppen jugendlicher und junger männlicher Fahrer, die versuchen würden, sich online gegenseitig zu übertreffen. Dabei würden unter anderem Polizeiverfolgungen provoziert und Fahrten auf der falschen Seite von Schnellstraßen gefilmt.
Sind TikTok und andere Plattformen Teil des Problems?
Nach dem Tod der fünf Jugendlichen gerieten insbesondere Videos mit gefährlichen Autofahrten in den Fokus. Auf Plattformen wie TikTok, Snapchat und anderen sozialen Netzwerken kursieren Aufnahmen von gestohlenen Autos, Polizeiverfolgungen, extrem hohen Geschwindigkeiten und Fahrten entgegen der Fahrtrichtung.
Die Cyberpsychologin Mary A. warnt davor, dass soziale Netzwerke riskantes Verhalten verstärken können. Junge Nutzer könnten sich auf die erwarteten Reaktionen, Aufrufe und Likes konzentrieren und dadurch die realen Gefahren ihres Verhaltens ausblenden. Sie fordert Plattformen auf, Inhalte, die gefährliches Verhalten verherrlichen, konsequenter einzuschränken. Der Fall beschäftigt inzwischen sogar das irische Parlament.
TikTok sollte vor Parlamentsausschuss erscheinen
Der zuständige Medienausschuss des irischen Parlaments lud TikTok für September zu einer Anhörung ein. Die Abgeordneten wollen wissen, wie die Plattform Inhalte erkennt und entfernt, die illegales oder lebensgefährliches Verhalten verherrlichen könnten.
TikTok lehnte einen öffentlichen Auftritt zunächst ab. Das Unternehmen verwies unter anderem auf laufende Untersuchungen der Polizei und der irischen Medienaufsicht Coimisiún na Meán. Außerdem argumentierte TikTok, dass vergleichbare Inhalte auch auf anderen Plattformen verbreitet würden und man deshalb nicht allein stellvertretend für die gesamte Branche erscheinen wolle.
Stattdessen bot das Unternehmen dem Ausschuss ein nichtöffentliches Briefing an. Der Ausschuss reagierte verärgert und forderte TikTok inzwischen ein zweites Mal auf, öffentlich Rede und Antwort zu stehen.
(fd)