Oberstufe: Nur 60 % auf Anhieb
Alarmzahlen für Österreich
(30.09.2026) In Österreich schließen nur sechs von zehn Jugendlichen die Sekundarstufe II (Berufsschule, AHS-Oberstufe, BMS, BHS bis zum 3. Jahr) in der Mindestdauer ab. Das ist deutlich weniger als in anderen Industrienationen (76 Prozent), zeigen aktuelle Daten der OECD. Dabei kommen Jugendliche in Österreich wegen der vielen Klassenwiederholungen oft erst mit Verzögerung in die Oberstufe. Die OECD warnt vor Folgen wie häufigerem Schulabbruch und schlechteren Chancen am Arbeitsmarkt.
Im zweiten Anlauf - etwa nach einer Klassenwiederholung oder einem Schulartwechsel - steigt die Erfolgsquote in Österreich von 59 auf immerhin 72 Prozent. Nach einem weiteren Zusatzjahr haben dann 78 Prozent ihren Abschluss der Sekundarstufe II in der Tasche. Vom OECD-Schnitt (82 bzw. 85 Prozent) ist man aber auch dann noch deutlich entfernt.
Wie viele Schülerinnen und Schüler die Sekundarstufe II in der Mindestzeit abschließen, sagt viel darüber aus, ob in einem Bildungssystem Sitzenbleiben, Schulverweigerung oder Schulabbruch ein größeres Thema sind, betonen die Autorinnen und Autoren in der am Dienstag veröffentlichten neuesten Ausgabe von "Bildung auf einen Blick". Die Erfolgsquoten sind laut den Studienautoren besonders relevant, weil ohne Abschluss der Sekundarstufe II nicht nur Erwerbsquoten deutlich geringer sind (in Österreich 58 gegenüber 78 Prozent), auch das Einkommen ist im Schnitt um ein Fünftel geringer.
Sitzenbleiben als Malus
Ein guter Indikator für die Erfolgschancen in der Sekundarstufe II ist laut der OECD-Studie, ob sie im dafür vorgesehenen Alter begonnen wird. Jugendliche, die davor etwa durch eine Klassenwiederholung oder die Vorschule schon ein Jahr oder mehr verloren haben, erreichen den Abschluss deutlich seltener (66 gegenüber 88 Prozent), zeigt der Vergleich von 20 Ländern, aus denen entsprechende Daten vorliegen. "Dieses Muster deckt sich mit Erkenntnissen, wonach Schüler, die eine Klasse wiederholt haben, tendenziell schwächere schulische Leistungen zeigen", wird in der Studie betont. Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund und mit Eltern ohne Studienabschluss tun sich schwerer, die Sekundarstufe II positiv abzuschließen.
Für Österreich ist das keine gute Nachricht: Bei der jüngsten Ausgabe der PISA-Studie haben 18 Prozent der 15-Jährigen angegeben, dass sie schon mindestens einmal sitzengeblieben sind. An Brennpunktschulen waren es sogar 36 Prozent. Der soziale Hintergrund hat hierzulande schon ab der Volksschule einen größeren Einfluss auf die Leistungen als in den meisten anderen OECD-Ländern.
(apa/mc)