Mehr Polizisten

Weniger Asyl Quartiere

(29.09.2026) Die stark gesunkenen Asylzahlen in Österreich haben immer größere Auswirkungen auf die staatliche Flüchtlingsbetreuung. Innenminister Gerhard Karner kündigte am Dienstag die Schließung weiterer Bundesquartiere an. Gleichzeitig soll bei der Polizei kräftig aufgestockt werden. Für 2027 sind nach aktueller Ankündigung mehr als 2.000 Neuaufnahmen vorgesehen. Besonders Wien soll dabei mit dem neuen Modell „Wien auf Zeit“ zusätzliches Personal erhalten.

Drei weitere Asylquartiere werden geschlossen

Konkret werden die Bundesbetreuungseinrichtungen in Finkenstein in Kärnten, Graz-Andritz in der Steiermark und Bad Kreuzen in Oberösterreich geschlossen. Damit bleiben künftig nur noch fünf Betreuungseinrichtungen des Bundes in Betrieb.

Grund dafür ist die deutlich geringere Zahl an Menschen, die derzeit in der Grundversorgung untergebracht werden müssen. Die Entwicklung zeigt sich auch bei den Asylanträgen: Von Jänner bis August 2026 wurden österreichweit 6.512 Asylanträge gestellt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 11.898 – ein Rückgang um mehr als 45 Prozent. Allein im August wurden 769 Asylanträge registriert, davon lediglich 223 Erstanträge.

BBU baut hunderte Stellen ab

Mit den sinkenden Belegungszahlen reduziert auch die Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen, kurz BBU, ihr Personal deutlich. Während die Bundesbetreuung auf dem Höhepunkt der Fluchtbewegungen 2022 rund 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigte, sollen es 2027 nur noch rund 650 Vollzeitäquivalente sein.

BBU-Chef Andreas Achrainer sieht darin dennoch kein Risiko, sollte es wieder zu einem überraschenden Anstieg der Flüchtlingszahlen kommen. Nach seinen Angaben könnten geschlossene oder stillgelegte Einrichtungen bei Bedarf innerhalb von rund 14 Tagen wieder aktiviert werden.

250 Millionen Euro weniger für den Asylbereich

Auch finanziell soll sich der Rückgang bemerkbar machen. Im österreichischen Asyl- und Fremdenwesen sollen innerhalb von drei Jahren rund 250 Millionen Euro eingespart werden. Bereits im Budget für 2027 sind deutlich niedrigere Ausgaben für diesen Bereich vorgesehen.

Das Innenministerium will gleichzeitig weiter in die innere Sicherheit investieren. Genannt werden unter anderem moderne Schutzwesten, Polizeifahrzeuge, Hubschrauber, Terrorismusbekämpfung und Cybersicherheit. Für den Sicherheitsbereich sind 2027 rund 4,1 Milliarden Euro vorgesehen.

Mehr als 2.000 neue Polizisten sollen 2027 aufgenommen werden

Besonders stark soll die Polizei personell verstärkt werden. Nach der aktuellen Ankündigung des Innenministeriums sollen 2027 mehr als 2.000 Personen in die Polizeiausbildung aufgenommen werden. Für 2026 wurden rund 1.400 Neuaufnahmen genannt.

Ein Schwerpunkt liegt dabei auf Wien. In der Bundeshauptstadt gelingt es derzeit nicht immer, sämtliche verfügbaren Ausbildungsplätze mit Bewerbern aus Wien zu besetzen. Gleichzeitig gibt es in anderen Bundesländern Kandidaten, die das Aufnahmeverfahren erfolgreich absolvieren, dort aber aufgrund begrenzter Plätze nicht sofort aufgenommen werden können.

So funktioniert „Wien auf Zeit“

Genau hier setzt das neue Modell „Wien auf Zeit“ an. Geeignete Polizeibewerber aus den Bundesländern können sich freiwillig dafür entscheiden, zunächst in Wien eingesetzt zu werden. Sie erhalten dabei die Garantie, nach fünf Jahren wieder in ihr Heimatbundesland zurückkehren zu können. Wer länger in Wien bleiben möchte, kann das ebenfalls tun.

Die ersten Aufnahmen für das Programm sind bereits für Dezember 2026 geplant. Da die Polizeigrundausbildung rund zwei Jahre dauert, werden die ersten über dieses Modell aufgenommenen Beamten voraussichtlich ab Dezember 2028 tatsächlich im Wiener Polizeidienst eingesetzt werden können.

Beim ersten Termin hofft das Innenministerium auf rund 50 Bewerber aus den Bundesländern. Gleichzeitig soll das Modell Polizisten helfen, die derzeit in Wien arbeiten, langfristig aber wieder in ihre Heimatregion wechseln wollen. Frei werdende Stellen könnten dann leichter mit den neuen „Wien auf Zeit“-Kräften ausgeglichen werden.

Abschiebezentrum außerhalb Europas bleibt offen

Parallel dazu arbeitet Österreich gemeinsam mit Deutschland, Dänemark, Griechenland und den Niederlanden an sogenannten Rückkehrzentren außerhalb der Europäischen Union. Dort könnten künftig Menschen untergebracht werden, die kein Aufenthaltsrecht in der EU mehr haben.

Für Aufsehen sorgte der griechische Migrationsminister Thanos Plevris mit der Aussage, für ein geplantes Zentrum in Afrika sei bereits ein Staat ausgewählt worden. Als mögliche Länder wurden zuletzt unter anderem Uganda und Ruanda genannt. Plevris stellte einen möglichen Start während der griechischen EU-Ratspräsidentschaft in der zweiten Jahreshälfte 2027 in Aussicht.

Innenminister Karner bestätigte diese Darstellung für Österreich allerdings ausdrücklich nicht. Nach seinen Angaben laufen weiterhin Gespräche mit mehreren möglichen Partnerstaaten. Die beteiligten Länder hätten über Details der Verhandlungen Stillschweigen vereinbart. Österreich habe sich bisher auch nicht darauf festgelegt, ob ein solches Zentrum tatsächlich in Afrika oder möglicherweise in Asien errichtet werden soll. Karner hält einen Start 2027 dennoch weiterhin für möglich.

Was bedeutet die Entwicklung für Österreich?

Für Österreich bedeutet der Rückgang der Asylzahlen zunächst vor allem weniger Bedarf an Unterkünften und Betreuungspersonal sowie geringere staatliche Ausgaben. Gleichzeitig verlagert das Innenministerium finanzielle und personelle Schwerpunkte stärker in Richtung Polizei, Terrorabwehr und Cyberkriminalität.

Für Wien könnte das Modell „Wien auf Zeit“ langfristig besonders relevant werden. Die Stadt hat seit Jahren einen hohen Personalbedarf bei der Polizei. Kurzfristig bringt das Programm allerdings noch keine zusätzlichen fertig ausgebildeten Beamten auf die Straße, weil neue Bewerber zunächst die zweijährige Grundausbildung absolvieren müssen.

Auch im Asylbereich bleibt eine gewisse Reserve notwendig. Internationale Krisen können die Zahl der Schutzsuchenden innerhalb kurzer Zeit verändern. Deshalb setzt die BBU darauf, geschlossene Quartiere bei Bedarf vergleichsweise rasch wieder hochfahren zu können.

Österreichs Asylsystem wird deutlich kleiner

Die Zahlen zeigen jedenfalls einen deutlichen Wandel gegenüber den vergangenen Jahren. Weniger Asylanträge bedeuten weniger belegte Bundesquartiere, weniger Personal in der Flüchtlingsbetreuung und sinkende Ausgaben. Gleichzeitig plant das Innenministerium eine stärkere Personaloffensive bei der Polizei.

Ob dieser Trend anhält, hängt allerdings stark von der internationalen Lage und den Migrationsbewegungen nach Europa ab. Fest steht derzeit: Österreich fährt seine Bundesbetreuung deutlich zurück – und will gleichzeitig mehr Personal für die Polizei gewinnen.

(fd/apa)

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