Kein Regen in Sicht
Viel zu trocken in Österreich
(29.09.2026) An solche Bilder, wie bei unserem Titelbild, kann man sich heuer kaum noch erinnern, vor allem im Osten nicht. Die Trockenheit in Österreich spitzt sich weiter zu. Nach einem außergewöhnlich heißen und niederschlagsarmen Sommer ist auch in den kommenden Tagen kaum Regen in Sicht. Laut GeoSphere Austria zeichnet sich selbst über die nächste Woche hinaus keine grundlegende Wetterumstellung zu deutlich feuchteren Bedingungen ab. Besonders problematisch: Das Niederschlagsdefizit zieht sich bereits durch einen Großteil des Jahres – und inzwischen werden die Folgen auch bei Grundwasser, Flüssen, Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung sichtbar.
Ein Drittel weniger Regen seit Jahresbeginn
Seit Anfang 2026 fielen österreichweit im Flächenmittel nur rund 600 Millimeter Niederschlag. Damit fehlen etwa 280 Millimeter oder ein Drittel der normalerweise zu erwartenden Regen- und Schneemenge. Das entspricht ungefähr jener Niederschlagsmenge, die Österreich normalerweise innerhalb von zwei durchschnittlichen Sommermonaten bekommt.
Ähnlich trocken verlief der Zeitraum von Jänner bis September seit Beginn der langen Messreihen lediglich in den Jahren 2003, 1868 und 1865. Schon der Sommer 2026 war außergewöhnlich: Von Juni bis August lagen die Temperaturen im Österreichmittel 2,7 Grad über dem langjährigen Durchschnitt, gleichzeitig fiel rund 32 Prozent weniger Niederschlag.
Defizit bis Jahresende kaum noch aufzuholen
Dass sich das Minus in den verbleibenden Monaten vollständig ausgleicht, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Selbst wenn Oktober, November und Dezember jeweils durchschnittliche Niederschlagsmengen bringen, wären zusammen nur rund 210 Millimeter zu erwarten.
Österreich würde damit 2026 auf rund 810 Millimeter Jahresniederschlag kommen. Das wären weiterhin rund 280 Millimeter beziehungsweise 25 Prozent weniger als in einem durchschnittlichen Jahr.
Diese Regionen sind besonders trocken
Besonders groß ist das Niederschlagsdefizit derzeit in Vorarlberg, Salzburg, Oberösterreich, Niederösterreich, Wien, dem Burgenland und weiten Teilen der Steiermark. Dort fehlt seit Jahresbeginn vielerorts mehr als ein Drittel des üblichen Niederschlags.
Noch extremer ist die Situation im Flachgau, Innviertel, Waldviertel, Mostviertel und nördlichen Weinviertel. In diesen Regionen liegt das Minus teilweise bei mehr als 40 Prozent.
Flüsse und Grundwasser weiter auf niedrigem Niveau
Einige Regenfälle nach dem Sommer ließen Wiesen zwar wieder grüner werden und verbesserten kurzfristig die Feuchtigkeit in den obersten Bodenschichten. Für die tieferen Wasserspeicher war das jedoch zu wenig.
Ende August zeigten rund 90 Prozent der österreichischen Grundwassermessstellen niedrige oder sehr niedrige Werte. Auch bei den Flüssen bleibt die Situation angespannt: Rund 95 Prozent der Pegelmessstellen verzeichneten im August Abflüsse unterhalb ihres langjährigen Monatsmittels.
Auch die Natur reagiert inzwischen deutlich. Messungen des Umweltbundesamts zeigten etwa bei Marchtrenk in Oberösterreich Bodenfeuchtewerte, die rund 50 Prozent unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lagen. Selbst normalerweise widerstandsfähige Auwälder zeigten dort bereits deutliche Trockenstress-Signale.
Gemeinde dreht nachts das Wasser ab
Wie ernst die Lage regional bereits werden kann, zeigt Zwettl an der Rodl im Bezirk Urfahr-Umgebung. Die oberösterreichische Gemeinde appelliert seit längerem an ihre Bevölkerung, möglichst wenig Wasser zu verbrauchen.
In der Nacht auf Dienstag wurde die Wasserversorgung schließlich für drei Stunden von 22.00 bis 1.00 Uhr unterbrochen. Damit wollte die Wassergenossenschaft prüfen, ob sich der Hochbehälter wieder ausreichend füllen kann.
Nach Angaben der Gemeinde haben sich die Wasserreserven und der Zulauf nach dem extrem trockenen Sommer noch immer nicht genügend erholt. Gleichzeitig sei der Verbrauch weiterhin so hoch, dass der Hochbehälter nicht schnell genug nachgefüllt werden könne.
Was die Trockenheit jetzt für Österreich bedeutet
Eine österreichweite Trinkwasserkrise besteht derzeit nicht. Die Entwicklung zeigt allerdings, dass vor allem kleinere und regional begrenzte Versorgungssysteme bei längerer Trockenheit unter Druck geraten können. Das ist für Österreich besonders relevant, weil das heimische Trinkwasser nahezu vollständig aus Grundwasser und Quellen stammt.
Problematisch ist die Trockenheit außerdem für die Landwirtschaft. Besonders Herbstkulturen haben 2026 teilweise erhebliche Ertragseinbußen erlitten. Bleibt auch der Herbst trocken, fehlen zusätzlich Wasserreserven im Boden, mit denen Pflanzen normalerweise in das kommende Frühjahr starten.
Auch Wälder und Ökosysteme geraten zunehmend unter Stress. Niedrige Bodenfeuchtigkeit schwächt Bäume, während niedrige Grundwasserstände und geringe Flussabflüsse Gewässer und Feuchtgebiete belasten.
Regen wäre nötig – doch der bleibt vorerst aus
Die aktuelle Hochdrucklage ist für Ende September grundsätzlich nichts Außergewöhnliches. Entscheidend ist jedoch, dass sie auf viele bereits sehr trockene Monate folgt. Die große Sommerhitze ist zwar vorbei, das Wasserdefizit Österreichs bleibt aber bestehen.
Nach Einschätzung der GeoSphere Austria ist derzeit keine nachhaltige Phase mit größeren Niederschlagsmengen in Sicht. Einzelne Regenschauer könnten die Oberfläche kurzfristig anfeuchten. Um Flüsse, Grundwasser und tiefere Bodenschichten nachhaltig zu entlasten, wären jedoch über längere Zeit größere Niederschlagsmengen notwendig.
(fd/apa)