Zeiler vs. Babler

SPÖ-Führungskrise?

(29.09.2026) Die Führungsdebatte in der SPÖ gewinnt weiter an Dynamik. Seit Medienmanager Gerhard Zeiler öffentlich erklärt hat, Parteichef Andreas Babler ablösen zu wollen, suchen die Landesorganisationen nach einem Umgang mit der Situation. Eine gemeinsame Linie gibt es bisher nicht: Während die SPÖ Steiermark und Kärnten auf ein rasches und geordnetes Verfahren drängen, mahnt Oberösterreichs Parteichef Martin Winkler zur Geduld. Aus Vorarlberg kommen Warnungen vor einer öffentlich ausgetragenen Personaldebatte. Babler wiederum macht klar, dass er nicht freiwillig zurücktreten will.

Steiermark will rasch Klarheit über SPÖ-Spitze

Der steirische SPÖ-Landesparteivorsitzende Max Lercher fordert ein rasches gemeinsames Vorgehen. Die Sozialdemokratie müsse persönliche Interessen zurückstellen und professionell mit der Situation umgehen. Entscheidend sei ein klares Verfahren auf Bundesebene, wie mit Zeilers Bewerbung umzugehen sei. Deshalb unterstützt die SPÖ Steiermark die bereits aus Kärnten kommende Forderung nach einem Treffen aller Landesparteivorsitzenden. Die Kleine Zeitung bestätigt, dass der steirische Landesparteivorstand am Mittwoch zusammentreten und auf eine gemeinsame Strategie der Länder drängen soll.

Nach der Sitzung will die steirische Parteiführung am Mittwochabend in Graz über ihre weitere Position informieren. Lercher betont, es gehe nicht um persönliche Befindlichkeiten, sondern um die Verantwortung der Partei und darum, die Führungsfrage nicht über längere Zeit ungelöst zu lassen.

Kärnten verlangt transparentes Verfahren

Ähnlich argumentiert die SPÖ Kärnten. Der Landesparteivorstand beschloss einstimmig, von der Bundespartei einen geordneten und transparenten Prozess sowie einen klaren Zeitplan zu verlangen. Vor der nächsten Sitzung des Bundesparteivorstands soll demnach ein Arbeitsgespräch aller neun Landesparteivorsitzenden stattfinden. Dabei sollen das statutengemäße Verfahren, mögliche Bewerbungen und der weitere Zeitplan geklärt werden.

Der Kärntner SPÖ-Klubchef Luca Burgstaller äußerte zugleich Sympathien für Zeiler und bezeichnete ihn als international erfolgreichen Manager, dem er politische Entscheidungen grundsätzlich zutraue. Festlegen will sich die Kärntner SPÖ aber noch nicht: Kandidaten sollen zunächst ihre Vorstellungen und Zukunftskonzepte für die Sozialdemokratie und Österreich präsentieren. Burgstaller fordert einen „Wettbewerb der besseren Ideen“ und warnt davor, mögliche Bewerber innerhalb der Partei öffentlich zu diskreditieren.

Oberösterreichs Winkler warnt vor Schnellschuss

Einen anderen Zugang verfolgt Martin Winkler, Landesparteichef der SPÖ Oberösterreich. Obwohl in Oberösterreich 2027 eine Landtagswahl ansteht, will er die Führungsfrage nicht unter künstlichem Zeitdruck entscheiden. Die Partei müsse sich die nötige Zeit nehmen und „mit ruhiger Hand“ vorgehen. Schon unmittelbar nach Zeilers Ankündigung hatte Winkler erklärt, Personalfragen sollten innerhalb der Parteigremien und nicht über die Medien diskutiert werden.

Winkler sieht durchaus Gesprächsbedarf. Auch die für die SPÖ ungünstigen Umfragewerte müssten intern analysiert werden. Eine Lösung könne aber nicht bei einem einzigen Treffen gefunden werden. Damit stellt er sich gegen Forderungen, die Führungsfrage möglichst schnell abzuschließen.

Vorarlberg will Personaldebatte nicht weiter befeuern

Vorarlbergs Landesparteichef Mario Leiter wiederum will sich an der öffentlichen Diskussion über Babler und Zeiler nicht weiter beteiligen. Eine offen ausgetragene Personaldebatte könne die politische Durchsetzungskraft der SPÖ innerhalb der Bundesregierung schwächen, argumentiert er. Bereits nach Bekanntwerden von Zeilers Ambitionen hatte sich Leiter vergleichsweise offen für einen innerparteilichen „Wettbewerb der besten Ideen“ gezeigt.

Nun stellt Leiter stärker die Regierungsarbeit in den Vordergrund. Zeiler könne seine Vorschläge und Ideen innerhalb der Sozialdemokratie einbringen – dafür brauche man aus seiner Sicht nicht zwingend eine Parteifunktion.

Doskozil lehnt Zeiler weiterhin ab

Deutlich kritischer gegenüber Zeiler bleibt die burgenländische SPÖ. Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hatte sich bereits nach Bekanntwerden der Ambitionen des Medienmanagers ablehnend geäußert und diese Haltung danach nochmals bekräftigt.

Auch die Wiener SPÖ hat sich bisher nicht auf einen Kandidaten festgelegt. Bürgermeister Michael Ludwig ließ Zeiler zwar als „respektable Persönlichkeit mit einem beeindruckenden Lebenslauf“ bezeichnen, verweist aber auf den vorgesehenen demokratischen Prozess innerhalb der Partei. Erst wenn dieser gestartet sei, wolle sich die Wiener SPÖ eine Meinung bilden.

Babler will bleiben – Zeiler wäre zu Mitgliederentscheid bereit

Andreas Babler selbst schließt einen freiwilligen Rücktritt weiterhin aus. Er verweist darauf, dass er erst im März 2026 für weitere drei Jahre zum SPÖ-Vorsitzenden gewählt wurde und damit einen klaren Auftrag habe. Eine vorgezogene Entscheidung wäre dennoch möglich: Der Bundesparteivorstand könnte einen außerordentlichen Parteitag einberufen, alternativ könnte über genügend Unterschriften von Parteimitgliedern eine Direktwahl angestoßen werden.

Gerhard Zeiler hat erklärt, dass er sich auch einer Mitgliederbefragung stellen würde. Inhaltlich wirbt der frühere Medienmanager für einen wirtschaftsfreundlicheren Kurs, weniger Bürokratie sowie Investitionen in Bildung und Gesundheit. Sollte er Parteichef werden, will er die bestehende Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS nach eigenen Angaben fortführen.

Damit bleibt die zentrale Frage vorerst offen: Wie und wann entscheidet die SPÖ über ihre Parteispitze? Die nächsten Schritte könnten sich bereits nach den Beratungen der steirischen Landespartei und einem möglichen Treffen der neun Landesvorsitzenden konkretisieren.

(fd/apa)

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