Iran droht mit Ölstopp

Was bedeutet das für uns?

(29.09.2026) Der Konflikt um die Straße von Hormus droht erneut zu eskalieren. Der Iran warnt davor, dass kein Land in der Region mehr Öl exportieren könne, sollte Teheran weiterhin am Verkauf seines eigenen Rohöls gehindert werden. Zugleich stellte die iranische Führung weitere Angriffe auf regionale Infrastruktur in den Raum. Die Drohungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Verhandlungen zwischen Iran und den USA über eine Entschärfung des Konflikts weiterlaufen und die Ölpreise bereits deutlich unter Druck stehen.

Iran droht anderen Öl-Exporteuren

Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Baqer Qalibaf erklärte, sollte der Iran sein Öl weiterhin nicht exportieren können, werde letztlich auch kein anderes Land der Region dazu in der Lage sein. Zudem sei regionale Infrastruktur nicht sicher, solange die Sicherheit des Iran nicht gewährleistet sei.

Damit erhöht Teheran den Druck auf die USA und zugleich auf wichtige Ölproduzenten am Persischen Golf. Staaten wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Katar sind für einen erheblichen Teil ihrer Energieexporte auf sichere Transportwege aus der Golfregion angewiesen.

Straße von Hormus bleibt entscheidender Engpass

Im Mittelpunkt steht die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Golf von Oman verbindet. Vor der aktuellen Krise wurden dort täglich rund 20 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte transportiert. Damit zählt die Meerenge zu den wichtigsten Energierouten der Welt.

Seit Beginn des Krieges Ende Februar ist der Schiffsverkehr massiv beeinträchtigt. Die USA setzen zudem seit Mitte Juli eine Blockade gegen Schiffe durch, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen. Der iranische Rohölexport wurde dadurch stark eingeschränkt. Für Teheran bedeutet das erhebliche Einnahmeverluste und einen zunehmenden wirtschaftlichen Druck.

Erneut Schiff in der Straße von Hormus getroffen

Wie gefährlich die Lage für die internationale Schifffahrt bleibt, zeigt ein neuer Zwischenfall. Ein Schiff wurde am Montagabend in der Straße von Hormus von einem unbekannten Projektil getroffen. An Bord brach ein Feuer aus, das gelöscht werden konnte. Die Besatzung blieb nach bisherigen Angaben in Sicherheit und das Schiff konnte seine Fahrt fortsetzen.

In den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu Angriffen und Zwischenfällen mit Handelsschiffen in der Region. Nicht bei jedem Vorfall ist bislang eindeutig geklärt, wer dafür verantwortlich war.

Teheran wartet auf Antwort aus Washington

Parallel zu den militärischen Drohungen laufen diplomatische Gespräche weiter. Der iranische Außenminister Abbas Araqchi erklärte, Teheran erwarte eine amerikanische Antwort auf einen Vorschlag zur Wiederöffnung der Straße von Hormus. Katar vermittelt zwischen den beiden Seiten.

Eine Öffnung der Meerenge könnte den internationalen Energiemarkt deutlich entlasten. Umgekehrt könnte eine neuerliche Verschärfung der Kämpfe oder eine stärkere Behinderung der Öltransporte die Preise rasch weiter nach oben treiben. Zu Wochenbeginn lag der Preis für die Nordseesorte Brent zeitweise bei mehr als 100 Dollar je Barrel.

Iran selbst drohen im Winter Energieengpässe

Der militärische Konflikt trifft zugleich die Energieversorgung des Iran selbst. Regierungssprecherin Fatemeh Mohajerani warnte vor möglichen Versorgungsproblemen im kommenden Winter. Durch Angriffe auf Energieanlagen seien erhebliche Teile der Erdgasproduktion ausgefallen.

Nach iranischen Angaben gingen zeitweise rund 230 Millionen Kubikmeter tägliche Gas-Produktionskapazität verloren. Rund 100 Millionen Kubikmeter davon sollen wiederhergestellt werden. Damit bleibt trotz der enormen iranischen Öl- und Gasvorkommen das Risiko von Engpässen hoch.

Was bedeutet die Iran-Krise für Österreich?

Für Österreich wäre eine weitere Eskalation vor allem über die internationalen Öl-, Diesel-, Benzin- und Heizölpreise spürbar. Selbst wenn österreichische Lieferungen nicht unmittelbar aus dem Iran stammen, wird Rohöl auf einem globalen Markt gehandelt. Fällt ein großer Teil der Produktion am Persischen Golf aus oder wird der Transport durch Hormus erschwert, steigen üblicherweise auch die europäischen Einkaufspreise.

Die Auswirkungen sind bereits deutlich zu sehen. Ende September lag der österreichweite Medianpreis bei ungefähr 2,25 Euro je Liter Diesel und rund 1,95 Euro für Superbenzin. Steigt der Ölpreis aufgrund neuer Angriffe oder einer weiteren Einschränkung der Transporte, könnten Tanken und Heizöl in Österreich erneut teurer werden.

Das hätte auch Auswirkungen auf die Inflation. Schon im August lag die österreichische Teuerungsrate bei 3,2 Prozent, wobei höhere Treibstoff- und Heizölpreise wesentlich zum Anstieg beitrugen. Eine länger anhaltende Ölkrise könnte zudem Transportkosten erhöhen und damit indirekt weitere Waren und Dienstleistungen verteuern.

Eine unmittelbare Versorgungskrise ist deshalb aber nicht automatisch zu erwarten. Österreich verfügt über strategische Erdölreserven für rund 90 Tage und kann zusätzlich auf unterschiedliche Importwege zurückgreifen. Solche Reserven schützen allerdings in erster Linie vor Versorgungsengpässen – sie können dauerhaft höhere Weltmarktpreise nicht verhindern.

Ölmarkt blickt auf Washington und Teheran

Damit richtet sich der Blick nun auf die laufenden Verhandlungen. Eine Einigung zwischen Washington und Teheran und eine sichere Öffnung der Straße von Hormus könnten den Druck auf die Energiepreise reduzieren. Scheitern die Gespräche und setzt Iran seine Drohungen gegen die Öl-Infrastruktur der Region um, könnte sich der Konflikt dagegen unmittelbar auf den globalen Ölmarkt – und damit auch auf Preise und Inflation in Österreich – auswirken.

(fd/apa)

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