Bub stirbt auf Schulausflug!
Allergisch auf Kuhmilch?
(29.09.2026) Der Tod eines elfjährigen Schülers auf Klassenfahrt in Niedersachsen beschäftigt nun die Staatsanwaltschaft. Der Junge aus der Region Hannover starb am 18. Juni 2026 im Schullandheim Riepenburg in Aerzen. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft Hannover gegen zwei Lehrkräfte wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen. Im Mittelpunkt steht die Frage, warum ein mitgeführter Adrenalin-Notfall-Pen offenbar nicht eingesetzt wurde. Für die beiden Lehrkräfte gilt die Unschuldsvermutung.
Schüler bekam plötzlich Atemnot und brach zusammen
Der Elfjährige befand sich mit seiner Schule auf Klassenfahrt in Aerzen im Landkreis Hameln-Pyrmont. Nach Angaben der Polizei klagte er am 18. Juni gegen 13.58 Uhr über Atemnot und verlor anschließend das Bewusstsein. Anwesende Lehrkräfte begannen sofort mit der Reanimation und wurden dabei telefonisch von der Rettungsleitstelle angeleitet. Auch ein Rettungshubschrauber wurde alarmiert. Rettungskräfte führten die Wiederbelebungsmaßnahmen fort, konnten das Kind jedoch nicht retten. Um 14.40 Uhr wurde der Tod des Jungen festgestellt.
Obduktion deutet auf anaphylaktischen Schock hin
Das vorläufige Obduktionsergebnis liefert inzwischen Hinweise auf einen anaphylaktischen Schock, also eine schwere und potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktion. Bekannt ist, dass der Elfjährige unter anderem eine Kuhmilchallergie hatte. Ob genau diese Allergie den tödlichen Schock ausgelöst hat, ist bislang allerdings nicht abschließend geklärt. Hinweise auf eine andere Todesursache liegen nach Angaben der Staatsanwaltschaft derzeit nicht vor.
Zur Klärung hat die Staatsanwaltschaft ein allergologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses lag am 29. September noch nicht vor. Erst die weiteren Untersuchungen sollen zeigen, welcher Stoff die mutmaßliche allergische Reaktion auslöste und wie die Ereignisse unmittelbar vor dem Zusammenbruch abliefen.
Gemeinsames Mittagessen nur rund 20 Minuten zuvor
Besonders wichtig für die Ermittlungen ist das Mittagessen unmittelbar vor dem medizinischen Notfall. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatten Schüler und Lehrkräfte etwa 20 Minuten vor dem Zusammenbruch gemeinsam gegessen. Die Ermittler wollen deshalb rekonstruieren, was der Elfjährige gegessen hat und was in den Minuten bis zu seiner Atemnot geschah. Auch die Hannoversche Allgemeine berichtet, dass das gemeinsame Mittagessen kurz vor dem mutmaßlichen Allergieschock nun eine zentrale Rolle bei der Aufarbeitung spielt.
Warum wurde der Adrenalin-Notfall-Pen nicht benutzt?
Eine weitere zentrale Frage betrifft den Adrenalin-Autoinjektor des Kindes. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hatte der Elfjährige für die Klassenfahrt einen solchen Notfall-Pen mit Adrenalin dabei. Eingesetzt wurde er jedoch offenbar nicht. Warum das nicht geschah und wer über die Allergie sowie die Notfallmedikation informiert war, ist Teil der laufenden Ermittlungen.
Dass gegen die beiden Lehrkräfte ermittelt wird, bedeutet dabei noch keine Feststellung einer strafrechtlichen Verantwortung. Die Staatsanwaltschaft prüft vielmehr den Verdacht der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen und damit insbesondere, ob eine erforderliche Handlung unterblieben sein könnte. Nähere Angaben zu den konkreten Vorwürfen gegen die beiden Beschuldigten machte die Behörde bislang nicht.
Rund 50 Viertklässler mussten betreut werden
Während die Rettungskräfte um das Leben des Jungen kämpften, kümmerten sich die Lehrkräfte um die rund 50 weiteren Schülerinnen und Schüler aus zwei vierten Klassen einer Grundschule aus der Region Hannover. Die Kinder wurden von den Reanimationsmaßnahmen ferngehalten. Zusätzlich waren Notfallseelsorger im Einsatz und betreuten sowohl die Schülerinnen und Schüler als auch die Lehrkräfte.
Unmittelbar nach dem Todesfall hatte die Polizei erklärt, dass zunächst keine Hinweise auf Fremdverschulden vorlägen. Mehr als drei Monate später richten sich die Ermittlungen nun auch auf das Verhalten zweier Lehrkräfte sowie auf den nicht verwendeten Notfall-Pen. Entscheidend werden das noch ausstehende allergologische Gutachten und die Rekonstruktion der letzten Minuten vor dem Zusammenbruch des Elfjährigen sein.
(fd)