ORF: Neues Führungsteam
Von Stiftungsrat bestätigt
(11.08.2026) Der designierte ORF-Generaldirektor Clemens Pig kann ab 2027 auf das von ihm vorgeschlagene Direktionsteam setzen. Der ORF-Stiftungsrat hat am Dienstag die von Pig vorgeschlagenen 13 Personen in einer nicht-öffentlichen Sitzung im ORF-Zentrum mit deutlicher Mehrheit bestellt. Der Tiroler schart nun fünf Frauen und acht Männer um sich. Sechs Personen werden in ihren Funktionen wiederbestellt, sieben kommen neu an Bord des Direktoriums. Dabei haben fast alle ORF-Erfahrung.
Einzig Moser-Holding-CEO Silvia Lieb, die künftig als Direktorin für Finanzen und Verwaltung zuständig ist, wird 2027 erstmals ORF-Luft schnuppern. Harald Kräuter wurde in seiner Funktion als Technikdirektor bestätigt. ORF-Chefproducer Michael Krön, der heuer bereits als Executive Producer für den Eurovision Song Contest (ESC) in Erscheinung trat, steigt zum Direktor für Programm und Brands auf. ORF-Vorarlberg-Chefredakteurin Angelika Simma-Wallinger wird Direktorin für Audience und Plattformen. In den Landesstudios bleiben Edgar Weinzettl (Wien), Alexander Hofer (NÖ), Klaus Obereder (OÖ), Esther Mitterstieler (Tirol) und Werner Herics (Burgenland) auf ihren Posten. Gerd Schneider (Salzburg), Sigrid Hroch (Steiermark), Martin Weberhofer (Kärnten) und Julia Ortner (Vorarlberg) sorgen für frischen Wind.
30 Stimmen für zentrales Team
Pigs zentrales Direktorenteam versammelte 30 Stimmen von Stiftungsrätinnen und -räten hinter sich. Zwei Räte enthielten sich, zwei - die beiden von der FPÖ entsandten Räte Peter Westenthaler und Christoph Urtz - stimmten gegen das Vierergespann. ORF-Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer sprach angesichts des Ergebnisses von einem "großen Vertrauensvorschuss", den sich die Direktorinnen und Direktoren erarbeitet hätten. Sie hätten lange und detailliert Fragen beantwortet. "Ich bin guten Mutes, dass dieses Direktorium den ORF weiterbringen wird", so Lederer.
Die neun Landesdirektorinnen und -direktoren brachten es auf 31 Stimmen bei einer Enthaltung und zwei Gegenstimmen. Über sie wurde - wie auch über die zentralen Direktorinnen und Direktoren - im Paket abgestimmt.
Auswahlverfahren mit externen Beratern
Für das Auswahlverfahren hatte Pig externe Berater hinzugezogen, um ein transparentes, objektives, nachvollziehbares und nicht-diskriminierendes Auswahlverfahren sicherzustellen und damit den gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen. In Summe hatten 105 Personen 142 Bewerbungen abgegeben. Pig zeigte sich vor wenigen Tagen überzeugt, "die besten Köpfe" für die Funktionen vorgeschlagen zu haben. Das von Pig angepeilte "strikt" ausgewogene Geschlechterverhältnis wird bei in Summe fünf Frauen und acht Männern hingegen klar verfehlt.
Kritik von Peter Westenthaler
Kritisch sah der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler die Lage. Er stieß sich daran, dass Pig ein "konzeptionelles, systematisches Versteckspiel" betreibe, da er den Stiftungsräten nicht die Bewerbungsunterlagen zur Verfügung stellte. So könne man sich kein gutes Bild von Pigs Entscheidung machen. Auch dass es ein eingeschränktes Fragerecht gegeben haben soll, stieß Westenthaler sauer auf. "Ich frage mich, warum ich überhaupt da bin? Warum packen wir nicht wieder zusammen?", so der Stiftungsrat vor Sitzungsstart.
Wahl wird wohl angefochten
Lederer hatte bereits im Juli mit Verweis auf eine einstige Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts darauf hingewiesen, dass Ausschreibung, Auswahl der bestgeeigneten Kandidatinnen und Kandidaten sowie der Vorschlag zur Bestellung dem Generaldirektor obliege - nicht dem Stiftungsrat. Die Verpflichtung zur gewissenhaften Prüfung aller Bewerbungen könne nicht auf die Stiftungsräte übertragen werden.
Der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Christoph Urtz meinte, dass diese Gerichtsentscheidung veraltet sei, weil damals das Europäische Medienfreiheitsgesetz (EMFA) noch nicht anwendbar war. Das Gesetz sehe Transparenz vor. Pig müsse daher Konzepte vorlegen, um den Stiftungsräten eine fundierte Entscheidung zu ermöglichen. "Der Generaldirektor läuft Gefahr, dass ihm die Bestellung um die Ohren fliegt", so Urtz. Westenthaler kündigte sogleich an, die Wahl anfechten zu wollen.
Stiftungsratsvorsitzender Lederer sah dem gelassen entgegen. Die Medienbehörde KommAustria werde den Prozess genau prüfen und feststellen, dass alles in Ordnung gewesen sei, meinte er.
(APA/CD)