Pig neuer ORF-Chef
21 von 35 Stimmen
(12.06.2026) Es wurde der erwartete Favoritensieg, wenn auch kein schneller: APA-CEO Clemens Pig ist Freitagnacht nach gut fünfzehnstündiger Sitzung des Stiftungsrates zum ORF-Generaldirektor ab 2027 bestellt worden. Er wird damit auf die gegenwärtige ORF-Chefin Ingrid Thurnher folgen, die nicht erneut kandidierte. Der 51-jährige Tiroler erreichte im ORF-Stiftungsrat 21 von 35 Stimmen und kam damit auf die absolute Mehrheit.
"Ein neuer Morgen für den ORF bricht an", zeigte sich Pig vor Medien nach seiner Wahl in Aufbruchstimmung: "Ich nehme diese Verantwortung mit Dankbarkeit und Demut an." Dabei beginne für ihn die Arbeit in Kooperation mit Thurnher bereits am morgigen Tag, seien die Herausforderungen für das Haus doch groß. "Mein Ziel ist es, den ORF vom Rundfunk zur Plattform der Gesellschaft zu entwickeln", skizzierte Pig sein Vorhaben.
Als Erstes steht die Suche nach 13 weiteren ORF-Direktoren an, die Pig dem Stiftungsrat zur Bestellung vorschlagen muss. Neben neun Landesdirektoren sieht das Gesetz maximal vier zentrale Direktoren vor. Pigs vom Stiftungsrat abgenicktes Konzept führt eine Finanzdirektion, eine für "Technologie & Innovation", eine für "Programm & Brands" und eine für "Audience & Plattformen" an. "Die einzige Vorgabe, die ich mir selber mache, ist, dass ich hier ein striktes Geschlechterverhältnis repräsentiert sehen will", machte Pig deutlich.
Larcher auf Platz 2
Pig mit Respektabstand auf den Fersen war am Ende der einstige HBO-Manager Johannes Larcher, der sechs Stimmen erhielt. Ex-ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Markus Breitenecker kam auf vier Voten, ORF-TV-Magazinchefin Lisa Totzauer auf drei. ORF III-Co-Geschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz, die den langen Reigen des Wahltages eröffnet hatte, bekam am Ende eine Stimme.
Insgesamt hatten sich 75 Personen fristgerecht um die ORF-Spitze beworben, von denen laut Findungskommission aber nur 13 auch die Ausschreibungskriterien erfüllten. Von diesen wurden wiederum neun Personen zum Hearing im Stiftungsrat nominiert, das der Wahl unmittelbar voranging.
Stiftungsratsvorsitzender Heinz Lederer streute noch in der Nacht dem ORF-Chef in spe Rosen: "Er hat mit seinem Konzept wirklich überzeugt. [...] Er hat immer klar erklärt, was seine Linie sein wird in Zukunft." Lederers Stellvertreter Gregor Schütze hob hervor, dass man mit dem langen und transparenten Wahltag als erster öffentlich-rechtlicher Sender alle Anforderungen des erstmals anzuwendenden Europäischen Medienfreiheitsgesetzes (EMFG) umgesetzt habe. "Wir sind in Europa Vorreiter", so Schütze.
Westenthaler kündigt Anfechtung an
Weniger überzeugt von dieser Analyse zeigte sich der von der FPÖ entsandte Stiftungsrat Peter Westenthaler, der eine Anfechtung der Wahl vor der Medienbehörde KommAustria ankündigte. Er sprach von einer "Farce von einer Wahl" und einer "ekelhaften Postenbesetzung von Rot und Schwarz", die sich auf einen "Regierungsdirektor" verständigt hätten.
(apa/mc)