EZB erhöht die Zinsen

Erstmals seit 2023

(11.06.2026) Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erstmals seit fast drei Jahren wieder an der Zinsschraube gedreht. Angesichts der zuletzt deutlich gestiegenen Inflation erhöhte die Notenbank am Donnerstag ihren wichtigsten Leitzins um 0,25 Prozentpunkte.

Der sogenannte Einlagensatz steigt damit von 2,0 auf 2,25 Prozent. Über diesen Zinssatz steuert die EZB maßgeblich ihre Geldpolitik. Gleichzeitig beeinflusst er die Konditionen für Tagesgeld- und Festgeldkonten sowie die Finanzierungskosten von Banken, Unternehmen und privaten Haushalten.

Inflation schießt wieder über das EZB-Ziel hinaus

Auslöser für die Zinserhöhung ist die überraschend starke Rückkehr der Inflation im Euroraum.

Mit zuletzt 3,2 Prozent liegt die Teuerungsrate deutlich über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent. Verantwortlich dafür sind vor allem die stark gestiegenen Energiepreise infolge des Kriegs zwischen dem Iran sowie den USA und Israel.

Seit Beginn der militärischen Auseinandersetzungen Ende Februar haben sich Öl- und Gaspreise deutlich verteuert. Die höheren Energiekosten schlagen mittlerweile auf zahlreiche Bereiche der Wirtschaft durch und treiben die Verbraucherpreise in Europa erneut nach oben.

Erste Zinserhöhung seit September 2023

Zuletzt hatte die EZB ihre Zinsen im September 2023 angehoben. Danach folgte eine lange Phase stabiler beziehungsweise sinkender Zinsen, nachdem die Inflation nach der Energiekrise infolge des Ukraine-Krieges wieder zurückgegangen war.

Nun sieht die Notenbank jedoch erneut Handlungsbedarf.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass die Währungshüter diesmal schneller reagieren wollen als während der Inflationskrise 2022. Damals war die Europäische Zentralbank dafür kritisiert worden, die Preissteigerungen zu lange unterschätzt zu haben.

Experten rechnen mit weiteren Zinsschritten

Volkswirte hatten den Schritt bereits erwartet. Viele Experten gehen sogar davon aus, dass dies nicht die letzte Zinserhöhung bleiben wird.

Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, bezeichnete die Entscheidung als notwendig. Angesichts einer Inflationsrate von mehr als drei Prozent und der anhaltenden Unsicherheit im Nahen Osten sei die Anhebung der Zinsen der richtige Schritt.

Von Reuters befragte Ökonomen rechnen bereits im September mit einer weiteren Zinserhöhung.

Kredite könnten teurer werden

Für Verbraucher könnte die Entscheidung spürbare Folgen haben. Höhere Leitzinsen führen in der Regel dazu, dass Kredite für Immobilien, Unternehmen und Konsumenten teurer werden.

Gleichzeitig profitieren Sparer oft von besseren Zinsen auf Tagesgeld- und Festgeldkonten, da sich Banken am Einlagensatz der EZB orientieren.

Ob die Banken die Zinserhöhung vollständig an ihre Kunden weitergeben, bleibt allerdings abzuwarten.

Verbraucher erwarten weiter steigende Preise

Sorgen bereitet der EZB vor allem die Stimmung der Konsumenten. Die Inflationserwartungen in den Euro-Ländern bleiben trotz der bisherigen Zinspolitik hoch.

Nach aktuellen Erhebungen rechnen Verbraucher in den kommenden drei Jahren mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,9 Prozent.

Genau diese Entwicklung möchte die Europäische Zentralbank verhindern. Denn steigen die Inflationserwartungen dauerhaft an, können höhere Preise und steigende Löhne eine neue Teuerungsspirale auslösen.

EZB will Glaubwürdigkeit bewahren

Mit der Zinserhöhung sendet die Notenbank ein deutliches Signal an die Finanzmärkte: Die Bekämpfung der Inflation hat wieder höchste Priorität.

Für die EZB geht es dabei nicht nur um stabile Preise, sondern auch um ihre Glaubwürdigkeit. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre wollen Christine Lagarde und ihre Kollegen verhindern, dass sich die Inflationskrise von 2022 wiederholt.

Ob die jüngste Zinserhöhung ausreicht oder bereits im Herbst der nächste Schritt folgt, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich der Nahost-Konflikt und die Energiepreise in den kommenden Monaten entwickeln.

(fd/apa)

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