Rangnick glaubt an Überraschung

WM-K.O.-Spiel gegen Spanien

(02.07.2026) ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick will die Geschichte der Überraschungen bei dieser Weltmeisterschaft am Donnerstag (21.00 Uhr MESZ/live ServusTV) im Sechzehntelfinale gegen Spanien fortschreiben. "Was die Play-offs bisher gezeigt haben, war, dass die Spiele alle extrem eng waren", sagte Rangnick am Vorabend (Ortszeit) der Partie in Los Angeles. "Wir wollen auch dafür sorgen, dass es eines der ganz, ganz engen Spiele wird."

Ein Vorbild will sich Rangnick an Uruguay nehmen, das die Spanier zum Abschluss der Gruppenphase mit einer gewissen Portion Körperlichkeit in Bedrängnis gebracht hatte. Der Europameister siegte am Ende 1:0. "Es gab in diesem Spiel nicht so viele klare Torchancen, die sich Spanien herausgespielt hat", erklärte Rangnick. Das habe viel mit Uruguays Spielweise zu tun gehabt. "Sie waren sehr mutig, sehr körperbetont, sehr aggressiv."

Das will Rangnick auch von seiner Mannschaft sehen. "Wir werden alles dafür tun, alles in die Waagschale werfen, was die Mannschaft im Tank und in petto hat", versprach der 68-Jährige. "Dass wir jetzt eine Leistungssteigerung brauchen, dass wir Schritte nach vorne machen müssen, das sehe ich genauso. Wir brauchen wieder ein Spiel, in dem wir über uns hinauswachsen." Dass die Mannschaft das Potenzial dazu habe, davon sei er "fest überzeugt".

Pressing bisher nur "in Phasen"

Ihr weithin respektiertes Pressing haben die Österreicher im Turnierverlauf bisher noch nicht vollends auf den Platz gebracht. "Ich finde, dass wir es in Phasen geschafft haben", sagte Rangnick. Sonst wäre man in der Gruppenphase nicht Zweiter geworden und hätte sechs Tore erzielt. Der Deutsche wollte seine Mannschaft auch nicht auf eine reine Pressing-Mannschaft reduziert wissen. Die drei Tore beim 3:3 gegen Algerien seien "brillant rausgespielt" gewesen - nach Mustern, wie man sie mit der Mannschaft lange erarbeitet hätte.

Auf eine Diskussion um den körperlichen Zustand der Spieler wollte sich Rangnick nicht einlassen. "Ob Spieler fit sind, liegt nicht im Bereich der Nationalmannschaft." Dafür seien in erster Linie die Spieler selbst und in zweiter Linie deren Vereine verantwortlich. Rangnick: "Meiner Erfahrung nach kann man hier beim Team eher zu viel machen als zu wenig."

Alle Akteure befänden sich am Ende einer langen Saison. Dazu sei auch mit der fixierten WM-Teilnahme im November gegen Bosnien (1:1) viel Druck abgefallen. "Es ist nicht auf Knopfdruck möglich, dass die Mannschaft dann wie aus dem Schulbuch wieder diesen Fußball spielt. Es gibt unterschiedliche Situationen, aus denen die Spieler kommen." Manche hätten sich zu Saisonende nicht voll im Spielrhythmus befunden.

"Ein besonderes Spiel"

Spanien hat im Turnierverlauf noch kein Gegentor erhalten. "Das ist eine der spielstärksten Mannschaften, die es im Moment auf der Welt gibt", meinte Rangnick. Dazu hätten die Iberer mit Lamine Yamal "einen der herausragenden Spieler für die nächsten zwölf, 13, 14 Jahre - vielleicht sogar noch länger, wenn er gesund bleibt und klar im Kopf bleibt". Der 18-Jährige sei einer der Unterschiedsspieler des Gegners. "Wir müssen schauen, dass wir ihm wenig Raum geben, wenig Möglichkeiten, ins Tempodribbling zu kommen."

Österreich bestreitet sein erstes K.o.-Spiel bei einer WM seit 1954. "Für uns ist es natürlich ein besonderes Spiel", sagte der Teamchef. Mit der 49. Partie im Amt übertrifft Rangnick seinen Vorgänger Franco Foda und zieht als Nummer fünf der ÖFB-Geschichte mit Leopold Stastny gleich. Nach 48 Spielen unter Rangnick stehen 28 Siege, neun Remis und elf Niederlagen zu Buche. Sein Punkteschnitt von derzeit 1,94 bleibt unabhängig vom Ausgang der höchste aller bisherigen ÖFB-Cheftrainer, die zumindest zehn Länderspiele in der Verantwortung gestanden sind.

(apa/mc)

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