Schuldenberatung in Österreich
Nachfrage sprunghaft gestiegen!
(07.05.2026) Immer mehr Menschen in Österreich geraten finanziell unter Druck: Auch 2025 blieb die Nachfrage nach Schuldenberatungen auf einem sehr hohen Niveau. Laut aktuellem Schuldenreport suchten im vergangenen Jahr 21.599 Menschen erstmals Hilfe bei einer Schuldenberatung. Das ist gemeinsam mit den beiden Vorjahren der höchste Wert seit 2011. Insgesamt wurden österreichweit mehr als 61.000 Personen von Schuldnerberatungen unterstützt.
Arbeitslosigkeit häufigster Grund für Überschuldung
Der häufigste Auslöser für finanzielle Probleme war laut dem Verband der Schuldenberatungen ASB erneut Arbeitslosigkeit beziehungsweise ein deutlicher Einkommensverlust.
36,4 Prozent der Betroffenen nannten den Verlust des Arbeitsplatzes als Hauptgrund für ihre Schulden. Dahinter folgen:
- mangelnde Finanzbildung bzw. Probleme im Umgang mit Geld (20,1 Prozent)
- ehemalige Selbstständigkeit (19,1 Prozent)
Die durchschnittliche Verschuldung lag laut Bericht bei 56.432 Euro.
„Menschen kämpfen mit den täglichen Ausgaben“
ASB-Geschäftsführer Clemens Mitterlehner sprach bei einer Pressekonferenz in Wien von einer angespannten Lage.„Derzeit kämpfen Menschen einfach mit den Ausgaben des täglichen Lebens“, sagte Mitterlehner. Besonders betroffen seien arbeitslose Menschen. Mehr als ein Drittel aller Klientinnen und Klienten der Schuldenberatungen ist laut Report ohne Arbeit.
Arbeitslose oft unter Armutsgrenze
Laut ASB stehen Betroffenen nach dem Verlust ihres Arbeitsplatzes häufig nur noch rund 55 Prozent ihres bisherigen Einkommens zur Verfügung.
„Sehr, sehr viele arbeitslose Menschen leben unter der Armutsgefährdungsschwelle“, warnte Mitterlehner.
Der Schuldenberater fordert daher Lockerungen bei den Zuverdienstmöglichkeiten für arbeitslose Personen, die sich in einem Schuldenregulierungsverfahren befinden oder dieses vorbereiten. Auch in Deutschland sieht die Lage nicht besser aus.
Warnung vor härteren Regeln bei Privatinsolvenz
Besonders kritisch sieht der ASB eine bevorstehende Änderung bei Privatinsolvenzen.
Mit Juli läuft jene Regelung aus, die derzeit eine Entschuldung innerhalb von drei Jahren ermöglicht. Sollte es keine Verlängerung geben, müssten Privatpersonen künftig wieder deutlich länger Schulden abbauen.
Mitterlehner spricht von einer möglichen „dramatischen Verschärfung“.
Frauen könnten besonders betroffen sein
Laut ASB wären vor allem Frauen von strengeren Privatinsolvenz-Regeln betroffen. Der Grund: Viele Frauen treten als Bürginnen für Kredite auf. „Das ist nicht nur himmelschreiend ungerecht, sondern auch verfassungsrechtlich höchst bedenklich“, kritisierte Mitterlehner.
Forderung nach Bankenabgabe
Der Verband der Schuldenberatungen fordert außerdem mehr Verantwortung von Banken und Kreditgebern. Mitterlehner schlug eine Abgabe von 0,1 Prozent auf Kreditsummen vor. Damit könnte die Finanzierung der Schuldenberatungen langfristig abgesichert werden. Der ASB argumentiert, dass Banken an Krediten verdienen würden, während öffentliche Stellen und Beratungsstellen später die Folgen der Überschuldung bewältigen müssten.
Fast 9.000 Privatkonkurse im vergangenen Jahr
2025 wurden in Österreich insgesamt 8.768 Privatkonkurse eröffnet. Rund 70 Prozent dieser Verfahren wurden laut ASB von einer Schuldenberatung begleitet oder vertreten.
Regierung setzt auf Finanzbildung
Konsumentenschutz-Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ) betonte die Bedeutung eines kostenlosen und leicht zugänglichen Beratungsangebots. Laut einer Umfrage der Schuldenberatungen sehen 90 Prozent der Betroffenen nach einer Beratung wieder einen Ausweg aus ihrer Situation. 82 Prozent berichteten außerdem von Verbesserungen im Familien- und Beziehungsleben. Die Staatssekretärin kündigte mehrere Pilotprojekte zur Finanzbildung an. Besonders junge Menschen sollen künftig besser auf den Umgang mit Geld vorbereitet werden.
Fakten zum Schuldenreport 2025
- Erstberatungen 2025: 21.599 Personen
- Insgesamt betreute Personen: 61.221
- Durchschnittliche Schuldenhöhe: 56.432 Euro
- Häufigster Grund: Arbeitslosigkeit/Einkommensverlust
- Privatkonkurse 2025: 8.768
- Betroffene besonders häufig: Arbeitslose und ehemalige Selbstständige
Die Schuldenberatungen rechnen auch für die kommenden Monate mit einer anhaltend hohen Nachfrage.
(fd/apa)