Therapie gegen Erdnuss-Allergie

Große Erfolge bei Kindern

(19.06.2026) Weltweit hat die Häufigkeit von Erdnuss-Allergien deutlich zugenommen. Oft betroffen sind auch Kinder. Mit einer Immuntherapie ohne Injektionen haben jetzt schwedische Wissenschafter bei 84 Prozent der Behandelten eine Toleranz gegenüber den Allergenen erzeugt. Die Wissenschafter um Susanna Klevebro vom Karolinska Institut in Stockholm haben ihre wissenschaftliche Untersuchung vor kurzem in "Lancet Regional Health" publiziert (DOI: 10.1016/j.lanepe.2026.101690).

"Die Immuntherapie gegen mit der Luft transportierte Allergene wird bereits seit mehr als hundert Jahren durchgeführt. Eine Form der Immuntherapie, die orale Immuntherapie (OIT), wurde bisher in beschränktem Rahmen für Nahrungsmittelallergien, besonders bei der Erdnuss-Allergie untersucht", schrieben die Wissenschafter.

In der wissenschaftlichen Literatur, so die Experten, hätte es zwar mehrere Berichte über einen positiven Effekt der oralen Allergie-Behandlung gegeben. Auf der anderen Seite seien Nebenwirkungen mit Magen-Darm-Problemen häufiger gewesen. Man habe auch öfter das injizierbare Adrenalin, Epinephrin, bei schweren Nebenwirkungen einsetzen müssen.

Zwei Prozent mit Erdnussallergie

"Etwa zwei Prozent der Bevölkerung haben eine Erdnussallergie. Die Sensibilisierung auf Arachis hypogaea wird oft im Säuglingsalter erworben. Nur etwa 20 bis 30 Prozent wachsen aus der Erdnussallergie 'heraus', die anderen müssen lebenslang Erdnussproteine vermeiden, die heute vielen Lebensmitteln zugesetzt werden", schrieb dazu das Deutsche Ärzteblatt.

An der sogenannten SMACHO-Studie ("Small Children Oral Immunotherapy") nahmen 75 Kinder im Alter von im Mittel 30,5 Monaten teil, bei denen die Erdnussallergie durch einen Provokationstest und durch den Nachweis von spezifischen IgE-Antikörpern im Blut bestätigt worden war. Die Kinder wurden im Verhältnis von Zwei zu Eins einer Gruppe mit oraler Immuntherapie ähnlich der Behandlung von Gräserallergien in der Form von Sublingualtabletten bzw. bloß der Fortsetzung einer strikten Vermeidung von Erdnüssen zugeteilt.

Tägliche Erdnussdosis

Die Immuntherapie wurde im Spital gestartet. Nach den ersten vier Dosen an Erdnussprotein in kurzem zeitlichen Abstand von 20 bis 30 Minuten und jeweils 0,3 Milligramm bis 250 Milligramm an Allergenen wurde die Behandlung dann zu Hause für einen Zeitraum von drei Jahren fortgesetzt. Die tägliche Erhaltungsdosis nach langsamer Steigerung betrug dann 285 Milligramm Erdnussproteine. Für eine Notfallmedikation war mittels Adrenalin-Autoinjektoren samt Training zur Handhabung zu Hause vorgesorgt worden.

Nach der oralen Immuntherapie (OIT) erreichten 82 Prozent (41 von 50) der Kinder eine anhaltende Unempfindlichkeit gegenüber einer kumulativen Dosis von mehr als 750 mg Erdnussprotein, schrieben die Wissenschafter. In der Gruppe der Kinder ohne Behandlung sei das nur bei drei von 25 Probanden (zwölf Prozent) der Fall gewesen. Die Differenz betrug 72 Prozent. Im Mittel hätten die Kinder mit Therapieerfolg sogar 5.000 Milligramm, also fünf Gramm, Erdnuss-Allergene vertragen. Das wären 18 Erdnüsse "in einem Schwung".

Nebenwirkungen traten bei 0,7 Prozent der verabreichten Erdnussdosen auf, die meisten davon waren leicht. Sechs Kinder berichteten über acht schwere, dosisabhängige Ereignisse mit Beeinträchtigung der Atmung, des allgemeinen Wohlbefindens oder Anaphylaxie (Kreislaufkollaps). Bei zwei Kindern waren insgesamt drei Mal die Epinephrin-Autoinjektoren benutzt worden. Diese Zwischenfälle ereigneten sich jeweils bei Steigerung der Erdnussprotein-Dosis.

(apa/mc)

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