VAE: Königsfamilie casht ab
EU-Förderung: 71 Millionen!
(11.05.2026) Die Herrscherfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate rund um Präsident Mohammed bin Zayed Al Nahyan steht im Zentrum einer internationalen Recherche über milliardenschwere EU-Agrarförderungen. Laut Berichten des „Guardian“, der Investigativplattform DeSmog sowie der Medien „El Diario“ und „G4Media“ sollen Unternehmen im Einflussbereich der Familie zwischen 2019 und 2024 mehr als 71 Millionen Euro aus EU-Agrarsubventionen erhalten haben. Die Gelder sollen über landwirtschaftliche Betriebe in Rumänien, Spanien und Italien geflossen sein. Besonders im Fokus steht dabei der rumänische Agrarkonzern Agricost, der als größter einzelner Landwirtschaftsbetrieb der Europäischen Union gilt.
Größter Agrarbetrieb der EU im Zentrum der Kritik
Nach Angaben der Recherche bewirtschaftet Agricost rund 57.000 Hektar Land in Rumänien – eine Fläche, die etwa fünfmal so groß wie Paris ist. Allein im Jahr 2024 soll das Unternehmen rund 10,5 Millionen Euro an EU-Direktzahlungen erhalten haben. Agricost wurde bereits 2018 vom Emirate-Konzern Al Dahra übernommen. Hinter Al Dahra stehen Mitglieder der Familie Al Nahyan sowie der Staatsfonds ADQ aus Abu Dhabi. Die Emirate investieren seit Jahren massiv in internationale Agrarflächen, um die eigene Versorgungssicherheit zu stärken. Wegen extremer Temperaturen und Wasserknappheit importieren die Vereinigten Arabischen Emirate derzeit bis zu 90 Prozent ihrer Lebensmittel.
Neben Rumänien sollen auch Farmen in Spanien und Italien EU-Gelder erhalten haben. Dort werden unter anderem Luzerne und Tierfutter produziert, die teilweise wieder in die Golfregion exportiert werden.
Warum die EU überhaupt solche Summen auszahlt
Die Zahlungen stammen aus der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union, kurz GAP. Dieses Förderprogramm zählt zu den größten Budgetposten der EU. Jährlich werden rund 54 bis 55 Milliarden Euro an landwirtschaftliche Betriebe und Landbesitzer verteilt. Das Grundprinzip der Förderung sorgt seit Jahren für Kritik: Wer mehr Fläche besitzt oder bewirtschaftet, erhält automatisch mehr Geld. Große Agrarkonzerne und Großgrundbesitzer profitieren dadurch besonders stark. Die aktuellen Enthüllungen heizen deshalb erneut die Debatte über eine Reform der EU-Agrarförderung an.
EU-Kommission sieht Mitgliedstaaten in der Verantwortung
Die Europäische Kommission reagierte zurückhaltend auf die Berichte. Eine Sprecherin erklärte, Brüssel nehme die Recherche „zur Kenntnis“ und werde Kontakt mit den Behörden der betroffenen Länder aufnehmen. Gleichzeitig betonte die Kommission jedoch, dass die Auszahlung der Fördergelder in der Verantwortung der jeweiligen Mitgliedstaaten liege.
Ein weiteres Problem: Die EU führt keine zentrale Liste der tatsächlichen Eigentümer hinter den geförderten Unternehmen. In vielen Fällen seien nur die direkten Empfänger sichtbar, nicht aber die dahinterstehenden Investoren oder Staatsfonds. Genau diese mangelnde Transparenz kritisieren Experten seit Jahren.
Scharfe Kritik von Grünen und NGOs
Besonders scharf reagierten europäische Grünen-Politiker auf die Enthüllungen. Der österreichische EU-Abgeordnete Thomas Waitz sprach von einem „Skandal, an Absurdität nicht zu überbieten“. Das Geld sei ursprünglich dafür gedacht gewesen, europäische Bauernhöfe zu unterstützen – nicht milliardenschwere Öl-Dynastien.
Auch Umwelt- und Transparenzorganisationen sehen in dem Fall ein Symbol für die Probleme der aktuellen EU-Agrarpolitik. Laut der Organisation European Environment Bureau würden die Förderungen zunehmend große Investoren und internationale Konzerne begünstigen, während kleinere Familienbetriebe oft unter Druck geraten.
EU plant Obergrenze für Agrarsubventionen
Die Diskussion könnte nun neuen politischen Druck erzeugen. Die EU-Kommission schlägt für die nächste Förderperiode ab 2028 eine Obergrenze von maximal 100.000 Euro pro Betrieb und Jahr vor. Solche Pläne gab es bereits mehrfach, bislang scheiterten sie jedoch am Widerstand großer Agrarlobbys und Bauernverbände in mehreren Mitgliedstaaten. Kritiker sehen gerade im aktuellen Fall ein Beispiel dafür, wie stark das bisherige System große Flächenbesitzer bevorteilt.
Al Nahyan-Familie zählt zu den reichsten Dynastien der Welt
Die Familie Al Nahyan herrscht über Abu Dhabi und zählt laut internationalen Schätzungen zu den reichsten Familien der Welt. Das Vermögen soll bei mehr als 320 Milliarden Dollar liegen und stammt überwiegend aus Öl- und Staatsfondsvermögen. In den vergangenen Jahren haben die Emirate weltweit Agrarflächen in Afrika, Südamerika und Europa gekauft. Laut Recherchen kontrollieren emiratische Investoren mittlerweile rund 960.000 Hektar landwirtschaftliche Flächen weltweit.
(fd/apa)