VW streicht 100.000 Jobs

Automarke Seat wird eingestellt

(04.09.2026) Radikale Änderungen stehen dem angeschlagenen deutschen Volkswagen-Konzern bevor. In den kommenden Jahren sollen zusätzlich 50.000 Stellen bei Europas größtem Autobauer gestrichen werden - also fallen insgesamt 100.000 Stellen weg. Es ist außerdem in Planung die Zahl der Modelle zu reduzieren und Firmenbeteiligungen zusammenzustutzen. Vier Deutsche Werke stehen weiter auf der Kippe- eines davon von der Tochterfirma Audi.

Seat soll eingestellt werden

Einem Bericht zufolge plant der VW-Vorstand auch die spanische Automarke Seat in den kommenden Jahren einzustellen. "Seat wird nicht mehr als als Bestandteil des Zielbilds 2030 geführt", heißt es, über den Vorstandsbeschluss soll heute abgestimmt werden.

Mit dem Auslaufen der spanischen Automarke wird die Komplexität und Investitionsbelastung in der Markengruppe Core reduziert. "Eine Fortführung von Seat in der bisherigen Form würde zusätzliche Ressourcen binden, während die strategische Weiterentwicklung innerhalb der Markengruppe Cupra fokussiert werden soll." heißt es.

Überraschend hat der Aufsichtsrat nach wochenlangen Diskussionen weiten Teilen eines Sanierungskonzepts vom Vorstand zugestimmt. Die Einwilligung räumt damit eine drohende weitere Eskalation zwischen dem Vorstand, der Arbeitnehmerseite und dem Land Niedersachsen, als Anteilseigner, vom Tisch.

Der Zukunftsplan soll einen nachhaltigen und langfristigen Erfolg vom Unternehmen sicherstellen, teilt der Konzern mit. "Der Zukunftsplan 2030 schafft die Voraussetzungen, um die Volkswagen Group und ihre Marken leistungsfähiger, wettbewerbsstärker und zukunftsorientierter aufzustellen."

Konzernchef spricht von starkem Signal

Konzernchef Blume spricht von einem starken Zukunftssignal. Hans Dieter Pötsch, Chef vom Aufsichtsrat, erklärt dass der Aufsichtsrat überzeugt ist "dass mit dessen Umsetzung die dauerhafte Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit des Volkswagen-Konzerns gesichert wird".

Olaf Lies, Ministerpräsident von Niedersachsen deutet auf extreme Herausforderungen für Volkswagen und die deutsche Autoindustrie hin. Der SPD-Politiker sagt: "Umso wichtiger ist, dass wir jetzt einen gemeinsamen Weg für die notwendige Transformation gehen".

Die Vorsitzende der IG Metall und stellvertretende vorsitzende im Aufsichtsrat, Christiane Brenner, erklärt: "Mit dem nun verabschiedeten Zukunftsplan stellen wir uns gemeinsam mit Vorstand und Anteilseignern den riesigen Herausforderungen."

Der Zukunftsplan ist "eine Notwendigkeit, um unseren Konzern erfolgreich ins nächste Jahrzehnt zu führen, ohne dass die damit verbundenen Vorhaben einseitig auf Kosten der Beschäftigten gehen", sagt Konzern-Betriebsratschefin Daniela Cavallo.

VW-Geschichte schreibt "tiefgreifendste Transformation"

Nach Angaben vom Konzern ist der Zukunftsplan 2030 das "strategisch tiefgreifendste Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group". Bis Ende Juni soll ein "Konzept für eine nachhaltige und wettbewerbsfähige Produktionsstruktur entwickelt werden".

Auch eine weitere, grundlegende Anpassung von den weltweiten Personalkapazitäten ist nötig, erklärt Volkswagen. Zum geplanten Abbau von rund 50.000 Stellen heißt es, dass eine konsequente Anpassung an die wirtschaftliche Realität notwendig ist.

Der Fokus innerhalb der Volkswagen-Gruppe soll zukünftig auf "schlankere Führungsstrukturen" und "kürzere Entscheidungswege" gelegt werden.

Eskalation verhindert: Konzernbetriebsrat und IG Metall

In einer gemeinsamen Reaktion hat der Konzernbetriebsrat und die IG Metall betont, dass eine Eskalation verhindert wurde. Der Vorstand muss jetzt seine Aufgaben erledigen. In der Reaktion haben sie erklärt, dass eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente aus ihrer Sicht ausgeschlossen ist. Cavallo und Benner betonen, dass keine Werkschließung besiegelt ist und kein Werk aufgegeben. In einer zentralen Kritik haben Betriebsrat und Gewerkschaft aber geäußert: "Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstandes in den vergangenen Wochen war nicht zielführend."

Auto Experte Ferdinand Dudenhöffer hat erklärt, dass er den Plan als "Light Vision" sieht. Er erklärt: "Die Werkschließungen sind nicht beschlossen, aber auch nicht ausgesetzt". Im Gegensatz zu den quälenden öffentlichen Diskussionen der vergangenen zwei Jahre ist der Kompromiss laut ihm besser.

Experte sieht noch lange keinen "Frieden"

Die nächsten Monate sollen genutzt werden um über Produktpläne, Verbesserungen und Werkschließungen zu sprechen. Der Branchenkenner erklärt dass durch den Plan eine bestimmte Entspannung einkehren kann, aber noch lange kein "Frieden".

(APA/EP)

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