Wien: Schockfund in Arztpraxis

Massive Mängel

(21.10.2026) Massive Missstände sind gestern von der Gruppe Sofortmaßnahmen in einer Arztpraxis in Wien Favoriten aufgedeckt worden. Die Zustände sind derart gravierend gewesen, dass die Ordination behördlich versiegelt worden ist und auch die Türschlösser ausgetauscht worden sind. Zahlreiche Anzeigen sind unter anderem wegen schweren Betrugs, Verdachts auf Schwarzarbeit, Beschlagnahmung von Arzneimitteln und extremen Hygienemängel gemacht worden.

Patienten ohne Berechtigung behandelt

Im Zuge von Ermittlungen hat sich der Verdacht erhärtet, dass ein Mann, der seit über zehn Jahren nicht mehr berechtigt ist, ärztliche Tätigkeiten auszuüben, trotzdem Patienten behandelt hat. Neben Botox-Behandlungen hat er auch Beschneidungen durchgeführt.

Außerdem soll er den Arztstempel von einem anderen Arzt, der sich erst vor kurzem an diesem Standort niedergelassen hat, für eigene Zwecke verwendet haben. Dazu kommt ein Schwarzarbeitsfall und ein unrechtmäßiger Bezug von Leistungen der Wiener Mindestsicherung.

Medikamente und Spritzen abgelaufen

Auch gravierende Mängel der Hygiene innerhalb der Räumlichkeiten der Arztpraxis in den Laxenburger Straße sind von den Ermittlern festgestellt worden. Neben abgelaufenen Medikamenten und Spritzen sind auch bereits geöffnete, nicht fachgerecht gelagerte Medikamentenfläschchen entdeckt worden. Sogar Medikamente, die nicht in der EU zugelassen sind, sind vorgefunden und beschlagnahmt worden.

Aufbewahrt wurden die Arzneimittel in einem unversperrten Rollcontainer mitten im Wartebereich. Dadurch sind sie frei zugänglich für alle anwesenden Personen gewesen.

Zu den immensen Mängeln der Hygiene sind auch noch erhebliche Mängel der medizinische Sicherheit aufgewiesen worden. Nicht nur die vorgeschriebene Notfallausrüstung hat gänzlich gefehlt, auch Überprüfungsnachweise für medizinische Geräte, wie ein EKG, konnten nicht vorgelegt werden. Mit Steckdosen, die zum Teil aus der Wand gerissen waren, und bedenklichen elektrischen Verkabelungen ist das Gesamtbild noch abgerundet worden.

Zahlreiche Anzeigen

Das Magistrat hat zahlreiche Anzeigen nach dem Ärztegesetz erstattet, auch die Wiener Polizei hat Anzeigen wegen schwerem Betrugsverdacht eingebracht.

Walter Hillerer, Leiter der Gruppe für Sofortmaßnahmen der Stadt Wien, erklärt: "Ärztinnen und Ärzte leisten einen unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft. Sie genießen das Vertrauen der Menschen, weil es um das Wertvollste geht, das wir haben: unsere Gesundheit. Wenn Menschen medizinische Hilfe suchen, müssen sie sich darauf verlassen können, in sicheren Händen zu sein. Dieses Vertrauen ist das Fundament unseres Gesundheitssystems und darf niemals missbraucht werden".

Beteiligt an der Kontrolle waren die MA 6 (Erhebungs- und Vollstreckungsdienst), die MA 15 (Gesundheitsdienst), die MA 40 (Sozialamt), die Landespolizeidirektion Wien, die Ärztekammer für Wien als auch die Österreichische Gesellschaft für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin (ÖQMed).

(apa/ep)

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