Will Island zur EU?

Referendum am Samstag

(27.08.2026) Wenn die Isländerinnen und Isländer am Samstag über die Wiederaufnahme von EU-Beitrittsgesprächen abstimmen, geht es nicht nur um die Zukunft der nördlichen Insel, sondern auch um die des ganzen Kontinents. Die EU hat seit über zehn Jahren keine neuen Mitglieder aufgenommen; zahlreiche sitzen zwar im Wartezimmer, aber die Türe bleibt geschlossen. Viele Beobachter sehen einen Neustart der Verhandlungen mit Island als positiven und dringend nötigen Schub im Erweiterungsprozess.

"In einer sich rasch wandelnden Welt bietet die Europäische Union einen Anker in einer Gemeinschaft, die auf gemeinsamen Werten, Wohlstand und Sicherheit beruht", warb EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos auf Bluesky im Vorfeld des Referendums. Island sei bereits ein starker und verlässlicher Partner. Und: "Beitrittsverhandlungen spiegeln stets die spezifischen Gegebenheiten jedes Kandidatenlandes wider." Dies kann als Signal an die Isländer gesehen werden, auf ihre Sorgen rund um die Fischereipolitik einzugehen.

Sorge um Verlust der Fischereirechte

Bereits in den letzten Beitrittsverhandlungen spielten die Befürchtungen über einen Verlust der Fischereirechte durch Vorgaben aus Brüssel eine entscheidende Rolle. Island beantragte im Juli 2009 als Reaktion auf eine Bankenkrise den Beitritt zur EU. Die Beitrittsverhandlungen wurden im Juli 2010 aufgenommen, auf Antrag Islands aber im Dezember 2013 ausgesetzt und 2015 offiziell beendet. Nach den Wahlen im November 2024 hatte die neue Koalitionsregierung unter der sozialdemokratischen Premierministerin Kristún Frostadóttir dann beschlossen, bis 2027 ein Referendum über die erneute Aufnahme von Beitrittsverhandlungen abzuhalten.

Obwohl den Isländern ihre Souveränität immer noch sehr wichtig ist, hat sich das globale Umfeld und die Sicherheitslage entscheidend geändert: Geopolitische Krisen und Kriege und vor allem die Drohungen von US-Präsident Donald Trump könnten die Isländer für die Aufnahme in die große Gemeinschaft EU stimmen lassen. Trump hatte immer wieder einen Anspruch der USA auf Grönland geltend gemacht und das Land und Island in Reden wie etwa beim Sicherheitsforum in Davos mehrfach verwechselt.

Umfragen äußerst knapp

Trotz dieser geänderten Lage ist noch nicht klar, wie die Bevölkerung entscheiden wird: Laut der neuesten Umfrage von Maskína vom 25. August für das isländische Nachrichtenportal Visir wollen 51,3 Prozent mit Ja und 48,7 Prozent mit Nein stimmen. Andere Umfragen zeigen ähnlich knappe Ergebnisse. Für die Europäische Union wäre ein Nein der Isländer ein grober Rückschlag. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa betonten in den letzten Monaten immer wieder, dass die EU nun Tempo bei der Erweiterung machen wolle. Gemeint waren dabei zwar in erster Linie die Westbalkan-Staaten, die schon seit über 20 Jahren auf der Wartebank sitzen.

Für diese wäre ein rascher Beitritt Islands aber ein positives Signal, so Steven Blockmans, stellvertretender Direktor des International Centre for Defence and Security (ICDS) in Tallinn, gegenüber der APA: "Man muss bedenken, dass Island bereits Anfang der 2010er-Jahre 12 oder 13 Kapitel ausgehandelt und abgeschlossen hatte." Zudem sei das Land als festes Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums gut in den Binnenmarkt integriert und habe damit und als Mitglied des Schengen-Raums "einfach bessere Karten, um schneller zu verhandeln und diese Kapitel schneller abzuschließen".

Bei Ja Beitritt bereits 2028 möglich

Beobachter rechnen damit, dass Island bei einem Ja am 29. August sofort zu den Frontrunnern unter den Kandidatenländern wird und eventuell gemeinsam mit Montenegro, das seinen Beitritt für 2028 plant, beitreten könnte. Die Nein-Seite stellt hingegen in Frage, ob aufgrund der hohen Integration in die EU eine Mitgliedschaft unbedingt nötig sei. Island setzt bereits rund drei Viertel aller EU-Gesetze um; es ist auch Mitglied des Schengenraumes, was seinen Einwohnern problemloses Reisen ermöglicht. In der isländischen Bevölkerung ist zudem die Furcht vor einer weiter steigenden Inflation oft stärker als die vor Donald Trump.

Die EU könnte mit einer Aufnahme des nur 400.000 Einwohner zählenden Inselstaates im Nordatlantik ihren Einfluss und ihre Präsenz in der geopolitisch immer bedeutsameren Arktis stärken. "Als Land mit einer einzigartigen geostrategischen Position hat Island einen eigenen Ansatz für Sicherheit, Resilienz und Vorausschau entwickelt. In Island ist Krisenvorsorge nicht nur ein Konzept, sondern eine Lebensweise. In dieser Hinsicht kann Europa viel lernen", hatte von der Leyen bei einem Island-Besuch betont. "Wir teilen dieselben Werte, wir kennen einander sehr gut, wir haben die gleichen Ziele. Daher sind wir enge Partner."

EU muss bereit für neue Mitglieder werden

Will die EU rasch neue Mitglieder aufnehmen, müssen aber nicht nur diese bereit sein, sondern auch die Union selbst. Seit Jahren zirkulieren zahlreiche Konzepte und Ideen, die EU-Institutionen und/oder den Erweiterungsprozess zu reformieren. Im Fokus steht dabei oft eine schrittweise Integration, also die Teilnahme an gewissen Politikbereichen und die Einführung von "Schutzklauseln", sollte ein Kandidatenland im Reformprozess in die Rückwärtsrichtung gehen. Die EU-Kommission will am 30. September neue Vorschläge dazu vorlegen.

Sollten die Inselbewohnerinnen und -bewohner für EU-Gespräche stimmen, wird sich die Kommission auch schnell eine Lösung für die Fischereiproblematik überlegen müssen. Die Kommission habe gesagt, dass dies eine Verhandlungssache sei. Das sei "leicht gesagt, aber schwieriger umzusetzen", meint dazu Blockmans. Alles hänge vom Konsens der 27 Mitgliedstaaten hinsichtlich der Überprüfung und möglichen Neugestaltung der Gemeinsamen Fischereipolitik und der Gemeinsamen Agrarpolitik während der gerade laufenden Verhandlungen über das nächste mehrjährige EU-Budget ab. Das neue EU-Budget müsste "zumindest im Prinzip die Erweiterung der Europäischen Union umfassen - nicht nur um Island, sondern, wenn es nach den Ukrainern geht, auch um sie".

(apa/mc)

F: Auto rast in Menschenmenge

Ein Toter, zehn Verletzte

8 Opfer: Mann tötet Familie

Tote zwischen 7 und 92 Jahren

KI-Verbot an Schulen?

So denkt Österreich

Krankenschwester “weggeknallt”

Nico Legat über neue Freundin

Drittes Mädchen für Reus?

Süße Baby-News

Vapes zur Rauchentwöhnung?

Expert:innen gespalten

Tim Curry ist tot!

Rocky-Horror-Star stirbt mit 80

Sturzflut in Nepal

Viele tote darunter Touristen