AFD Erdrutschsieg

Wie geht es weiter?

(07.09.2026) Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klar gewonnen und damit ihr bislang stärkstes Ergebnis bei einer Landtagswahl erzielt. Nach dem vorläufigen Endergebnis kommt die Partei von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf 43,8 Prozent. Die bislang regierende CDU von Ministerpräsident Sven Schulze stürzt auf 17,2 Prozent ab – ihr schlechtestes Ergebnis in Sachsen-Anhalt. Dahinter folgen SPD mit 9,3 Prozent, Grüne mit 8,9 Prozent, Linke mit 8,6 Prozent und das BSW mit 5,3 Prozent. Die Wahlbeteiligung erreichte mit 77,8 Prozent einen Rekordwert.

Besonders deutlich zeigt sich die Dimension des AfD-Erfolgs regional: Nach einer MDR-Auswertung wurde die Partei in allen 218 Gemeinden Sachsen-Anhalts stärkste Kraft. Gegenüber der Landtagswahl 2021, bei der sie 20,8 Prozent erreicht hatte, hat die AfD ihren Stimmenanteil damit mehr als verdoppelt.

Folgen für Deutschland: Druck auf Merz und die CDU wächst

Der Wahlausgang dürfte weit über Magdeburg und Sachsen-Anhalt hinausreichen. Für Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz ist das Ergebnis eine schwere politische Niederlage. Die CDU verliert in einem Bundesland, das sie 2021 noch mit 37,1 Prozent deutlich gewonnen hatte, rund 20 Prozentpunkte. Gleichzeitig gelingt es der AfD erstmals, bei einer Landtagswahl mehr als doppelt so stark wie die CDU zu werden.

Damit verschärft sich auch die Debatte über die sogenannte Brandmauer zur AfD. CDU, SPD, Grüne und Linke schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD weiterhin aus. Gleichzeitig reichen CDU, SPD und Grüne gemeinsam nur für 31 der 83 Sitze – deutlich weniger als die erforderliche Mehrheit. Selbst gemeinsam mit dem BSW wäre diese erreicht nicht. Für eine klassische parlamentarische Mehrheit gegen die AfD müsste damit auch die Linke eine Rolle spielen, obwohl die CDU eine formelle Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linkspartei ausgeschlossen hat.

Damit wird Sachsen-Anhalt zum bundespolitischen Testfall: Die CDU muss entscheiden, wie sie gleichzeitig ihre Abgrenzung zur AfD und zur Linken aufrechterhalten und dennoch eine handlungsfähige Regierung ermöglichen will.

Absolute Mehrheit: Der AfD fehlen nur drei Sitze

Trotz ihres Rekordergebnisses hat die AfD die angestrebte absolute Mehrheit knapp verfehlt. Im neuen Landtag erhält sie 39 der insgesamt 83 Mandate. Für eine Alleinregierung wären mindestens 42 Sitze nötig – der AfD fehlen damit lediglich drei Mandate.

Das ist politisch entscheidend: Siegmund kann nicht allein eine stabile Regierung bilden und ist auf Stimmen anderer Abgeordneter angewiesen. Nach der Wahl kündigte er deshalb Gespräche mit anderen Fraktionen und auch einzelnen Abgeordneten an. Vor der Wahl hatte er noch erklärt, nur mit einer eigenen absoluten Mehrheit regieren zu wollen.

Auch eine AfD-Minderheitsregierung ist theoretisch möglich. Besonders brisant ist die Wahl des Ministerpräsidenten: Nach der aktuellen Rechtslage könnte im dritten Wahlgang eine relative Mehrheit genügen. Damit könnte unter bestimmten Konstellationen bereits eine geringe Zahl abweichender Stimmen aus anderen Fraktionen entscheidend werden.

Österreich reagiert zwischen Zustimmung und Warnung

In Österreich fallen die Reaktionen entsprechend gegensätzlich aus. FPÖ-Chef Herbert Kickl bezeichnete das Ergebnis als „demokratisches Machtwort des Souveräns“ und erklärte, die Wähler hätten die politische „Brandmauer“ gegen die AfD eingerissen.

Grünen-Chefin Leonore Gewessler sprach dagegen von „Feuer am Dach“. Politik müsse Sorgen ernst nehmen und zeigen, dass sie das Leben der Menschen verbessern könne. Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) erklärte, das Ergebnis einer demokratischen Wahl sei anzuerkennen. Sie halte nichts davon, eine demokratisch legitimierte Partei grundsätzlich von Koalitionsgesprächen auszuschließen, betonte zugleich aber die notwendige Abgrenzung gegenüber Verschwörungstheorien und rechtsradikalen Inhalten.

Musk gratuliert – Sorge in Frankreich und Polen

Auch international sorgt der AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt für gegensätzliche Reaktionen. Tech-Milliardär Elon Musk, der bereits mehrfach Sympathien für die AfD geäußert hatte, gratulierte auf X mit „Gut gemacht!“. Siegmund dankte Musk und brachte zugleich eine mögliche wirtschaftliche Zusammenarbeit ins Spiel.

Aus Frankreich und Polen kamen dagegen Warnungen. Frankreichs Finanzminister Roland Lescure sprach von einem „sehr, sehr besorgniserregenden Signal“, Polens Außenminister Radoslaw Sikorski bezeichnete insbesondere die Nähe der AfD zur absoluten Mehrheit als beunruhigend.

Unter Europas rechten Parteien überwiegt dagegen Zustimmung. Vox-Chef Santiago Abascal in Spanien und Chega-Chef André Ventura in Portugal gratulierten der AfD. Italiens Lega-Chef Matteo Salvini begrüßte das Ergebnis ebenfalls, während das Umfeld von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni zurückhaltender reagierte – auch wegen möglicher Folgen für die deutsche und europäische Migrationspolitik.

Der frühere ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán sprach schließlich von einer „Riesen-Wahlnacht für Deutschland und Europa“ und gratulierte Alice Weidel und Ulrich Siegmund. Damit wird deutlich: Der AfD-Rekordsieg in Sachsen-Anhalt ist längst nicht mehr nur ein ostdeutsches Landespolitikum, sondern wird auch international als Signal für die weitere politische Entwicklung Deutschlands und Europas gelesen.

(fd/apa)

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