AK: Lebensmittel viel zu teuer!
Österreich vs. Deutschland
(27.05.2026) Der Einkauf im Supermarkt wird für viele Menschen in Österreich immer mehr zur finanziellen Belastung. Eine aktuelle Untersuchung der Arbeiterkammer (AK) zeigt jetzt erneut massive Preisunterschiede zu Deutschland: Identische Markenprodukte kosten hierzulande im Schnitt rund 26 Prozent mehr. Besonders deutlich fällt der sogenannte „Österreich-Aufschlag“ bei beliebten Alltagsprodukten aus.
AK vergleicht Preise bei Billa, Interspar, Rewe und Globus
Für die aktuelle Analyse verglich die Arbeiterkammer Anfang Mai insgesamt 69 identische Markenprodukte in österreichischen und deutschen Online-Supermärkten. Herangezogen wurden die österreichischen Webshops von Billa und Interspar sowie die deutschen Online-Angebote von Rewe und Globus.
Das Ergebnis fällt eindeutig aus: 81 Prozent der untersuchten Produkte waren in Österreich teurer als in Deutschland. Nur zehn Prozent kosteten hierzulande weniger, der Rest bewegte sich auf ähnlichem Niveau.
Einzelne Produkte fast doppelt so teuer
Besonders groß sind die Preisunterschiede bei einzelnen Markenartikeln des täglichen Bedarfs. Laut AK kosten manche Produkte in Österreich beinahe doppelt so viel wie in Deutschland.
Beispiele aus dem Preisvergleich:
- Kaffeepads von Lavazza: +84 Prozent
- Crunchips Paprika von Lorenz: +93 Prozent
- Calippo Cola Eis von Eskimo: +70 Prozent
- Bonduelle Linsen: +51 Prozent
- Ben’s Basmati Reis: +43 Prozent
Selbst wenn die unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze herausgerechnet werden, bleibt laut AK ein deutlicher Preisunterschied bestehen. Netto zahlen Konsumentinnen und Konsumenten in Österreich durchschnittlich noch immer rund 22 Prozent mehr für dieselben Produkte.
AK kritisiert „Österreich-Aufschlag“
Die Arbeiterkammer spricht seit Jahren von einem strukturellen „Österreich-Aufschlag“. Dieser betreffe vor allem internationale Markenprodukte und führe dazu, dass österreichische Haushalte deutlich höhere Kosten tragen müssen als Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland.
AK-Konsumentenschützerin Gabriele Zgubic fordert deshalb Konsequenzen auf europäischer Ebene. Der Preisaufschlag müsse endlich abgeschafft werden. Positiv bewertet die AK, dass sowohl im österreichischen Regierungsprogramm als auch in aktuellen EU-Strategien erstmals konkrete Schritte gegen diese Praxis angekündigt wurden.
SPÖ fordert rasche Maßnahmen der EU-Kommission
Auch aus der Politik kommt nun zusätzlicher Druck. SPÖ-Klubvize Julia Herr erklärte am Dienstag, Österreich müsse jede Möglichkeit auf EU-Ebene nutzen, um den Preisaufschlag zu beenden und das Leben wieder leistbarer zu machen.
Laut Herr befinde sich das Thema aktuell auf europäischer Ebene in Prüfung. Bereits am 28. Mai will die EU-Kommission die Mitgliedstaaten über den Stand der Maßnahmen informieren. Bis Ende des Jahres fordert die SPÖ konkrete Ergebnisse.
Warum Produkte in Österreich teurer sind
Als Hauptgrund gelten sogenannte territoriale Lieferbeschränkungen internationaler Konzerne. Vereinfacht bedeutet das: Österreichische Händler dürfen bestimmte Produkte nicht frei im EU-Ausland einkaufen, sondern müssen sie über nationale Vertriebspartner beziehen.
Diese Österreich-Ableger verlangen laut Kritikern häufig deutlich höhere Preise als Niederlassungen in anderen Ländern. Dadurch zahlen letztlich die Konsumentinnen und Konsumenten im Supermarkt mehr.
Die Praxis steht seit Jahren in der Kritik, weil sie dem Gedanken des freien EU-Binnenmarkts widersprechen könnte. Verbraucherschützer und Politik fordern deshalb strengere Regeln gegen künstliche Preisunterschiede innerhalb Europas.
Hohe Lebensmittelpreise belasten Haushalte massiv
Gerade in Zeiten steigender Mieten, Energiekosten und allgemeiner Teuerung treffen höhere Lebensmittelpreise viele Familien besonders hart. Laut Statistik Austria geben Haushalte einen immer größeren Teil ihres Einkommens für Einkäufe des täglichen Bedarfs aus. Die neue AK-Erhebung dürfte die Debatte über faire Preise im österreichischen Handel daher erneut anheizen.
(fd/apa)