Weniger NATO Beiträge?
USA wollen nicht mehr zahlen
(27.05.2026) Auf dem Titelbild vom NATO-Summit im letzten Jahr zeigt sich Trump noch in Geberlaune. Das wird jetzt anders. Die USA planen laut einem Medienbericht deutliche Kürzungen ihrer militärischen Beiträge innerhalb der NATO. Betroffen wären zentrale Fähigkeiten des Bündnisses – darunter Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnen und strategische Bomber. NATO-Generalsekretär Mark Rutte reagierte beschwichtigend und erklärte, die Entwicklung komme nicht überraschend.
Weniger Kampfjets, Bomber und Kriegsschiffe für die NATO
Wie der „Spiegel“ berichtet, informierte ein Vertreter des US-Verteidigungsministeriums vergangene Woche NATO-Partner in Brüssel über die geplanten Änderungen. Demnach wollen die Vereinigten Staaten künftig „erheblich weniger militärische Schlüsselfähigkeiten“ für das Bündnis bereitstellen.
Geplant sei unter anderem:
- Halbierung der strategischen Bomber
- Reduzierung der US-Kampfjets um rund ein Drittel
- Weniger Zerstörer der US-Marine
- Keine US-U-Boote mehr im NATO-Verbund
- Weniger bewaffnete Drohnen
- Europäer sollen Aufklärungsdrohnen künftig selbst stellen
Die Informationen sollen laut Bericht hinter verschlossenen Türen von Alexander Velez Green, einem Berater des US-Verteidigungsministeriums, präsentiert worden sein.
USA drängen Europa seit Jahren zu mehr Eigenverantwortung
Die geplanten Kürzungen gelten als Teil einer langfristigen Strategie Washingtons. Die USA fordern seit Jahren von europäischen NATO-Staaten und Kanada, mehr Verantwortung für die Verteidigung Europas zu übernehmen.
Dabei geht es nicht nur um höhere Verteidigungsausgaben, sondern auch um militärische Fähigkeiten und Führungsstrukturen innerhalb der NATO. In Washington wird dies als „Burden Sharing“ beziehungsweise „Burden Shifting“ bezeichnet – also eine Verlagerung der Lasten auf europäische Partner.
Bereits unter Donald Trump hatten die USA europäischen Staaten wiederholt vorgeworfen, sich zu stark auf amerikanischen Schutz zu verlassen. Auch unter Präsident Joe Biden blieb der Druck auf die NATO-Partner bestehen, ihre Verteidigungsbudgets deutlich anzuheben.
Änderungen betreffen NATO Force Model
Die geplanten Anpassungen beziehen sich laut Bericht auf das sogenannte „NATO Force Model“. Dieses System regelt, welche Mitgliedstaaten im Ernstfall wie schnell Soldaten, Waffen und militärische Ausrüstung bereitstellen müssen.
Die USA gelten bisher als mit Abstand wichtigster militärischer Akteur innerhalb der NATO. Vor allem bei Luftverteidigung, strategischem Transport, Aufklärung und nuklearer Abschreckung spielen amerikanische Kapazitäten eine zentrale Rolle.
Ein Rückzug wichtiger Fähigkeiten könnte daher erhebliche Auswirkungen auf die Verteidigungsplanung des Bündnisses haben.
NATO-Generalsekretär Rutte sieht keine Überraschung
NATO-Generalsekretär Mark Rutte versuchte zuletzt, Sorgen über mögliche Spannungen innerhalb des Bündnisses zu dämpfen. Vergangene Woche erklärte er, dass die Gespräche über eine stärkere europäische Eigenverantwortung seit Langem bekannt seien.
Wörtlich sagte Rutte, die Entwicklung liege „absolut im Rahmen des Ansatzes, dass es keine Überraschungen geben soll“. Jeder innerhalb der NATO habe gewusst, dass dieser Prozess kommen werde.
Europas Verteidigung wird immer wichtiger
Der Bericht dürfte die Debatte über Europas militärische Abhängigkeit von den USA weiter verschärfen. Vor allem seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine investieren viele europäische Staaten massiv in ihre Streitkräfte.
Dennoch verfügen zahlreiche NATO-Länder weiterhin nicht über ausreichende Fähigkeiten bei Luftabwehr, strategischem Transport oder moderner Aufklärung. Experten warnen deshalb seit Jahren davor, dass Europa militärisch noch immer stark auf die USA angewiesen ist.
Sollten die angekündigten Kürzungen tatsächlich umgesetzt werden, könnte das den Druck auf europäische NATO-Staaten weiter erhöhen, eigene militärische Kapazitäten schneller auszubauen.
(fd/apa)