Billa: Kassier verschenkt Rabatte

Linz: 25.700 Euro Schaden

(07.10.2026) Ein ehemaliger Supermarkt-Kassier in Linz hat Kunden über Monate immer wieder Rabatte gewährt, obwohl dafür kein Grund vorlag. Am Mittwoch wurde der 23-Jährige am Landesgericht Linz wegen Untreue zu fünf Monaten bedingter Haft verurteilt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. Besonders ungewöhnlich: Der Mann steckte keinen Cent selbst ein. Er erklärte vor Gericht, Kunden hätten die Preisnachlässe teilweise so vehement eingefordert, dass er aus Angst und sozialer Unsicherheit nachgegeben habe.

Rabatte von bis zu 50 Prozent

Der damals halbtags beschäftigte Mann arbeitete in einer Billa-Filiale in Linz-Urfahr. Zwischen Anfang und Ende November 2025 soll er immer wieder manuelle Preisnachlässe vergeben haben – teilweise von bis zu 50 Prozent. Solche Korrekturen sind eigentlich für beschädigte, abgelaufene oder aus anderen Gründen reduzierte Waren vorgesehen.

Angefangen habe alles nach einem Stromausfall, schilderte der Angeklagte vor Gericht. Damals mussten zahlreiche Waren tatsächlich reduziert werden. Danach hätten Kunden jedoch immer öfter auch ohne entsprechenden Grund Rabatte von ihm verlangt. Manche seien dabei laut und fordernd geworden. Der 23-Jährige sagte, er sei leicht unter Druck zu setzen und irgendwann aus der Situation „nicht mehr herausgekommen“.

Auffällig hohe Rabattsumme flog bei Kontrolle auf

Aufgefallen war das ungewöhnliche Vorgehen bei einer internen Kontrolle. Die Summe der Preisnachlässe des Teilzeit-Kassiers lag massiv über jener anderer Mitarbeiter. Das Vertriebsmanagement ging der Sache nach und entdeckte die Unregelmäßigkeiten.

Wie viel Geld tatsächlich verloren ging, lässt sich nicht mehr exakt rekonstruieren. Auch der geständige Angeklagte konnte nicht sagen, wie viele Rabatte er unberechtigt vergeben hatte. Die interne Revision bezifferte den Schaden schließlich auf rund 25.700 Euro – laut Anklage konkret 25.696 Euro.

Kassier bereicherte sich nicht selbst

Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Supermarktkette gingen davon aus, dass der junge Mann sich durch die Aktionen nicht persönlich bereichert hatte. Er kassierte also kein Geld für die Rabatte und machte damit selbst keinen finanziellen Gewinn.

Vor Gericht schilderte der 23-Jährige vielmehr seine sozialen Ängste. Er könne leichter als andere unter Druck gesetzt werden und habe sich gegenüber fordernden Kunden nicht durchsetzen können.

Richter spricht von „Sonderfall“

Richter Ralf Sigl bezeichnete den Fall deshalb als ungewöhnlichen „Sonderfall“. Dass der Angeklagte keinen persönlichen Gewinn erzielt hatte, sprach zwar für ihn. Wegen der erheblichen Schadenssumme und des Vertrauensmissbrauchs gegenüber seinem Arbeitgeber kam eine Diversion nach Ansicht des Gerichts dennoch nicht mehr infrage.

Der 23-Jährige wurde wegen Untreue zu fünf Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt. Da das Urteil angenommen wurde, ist es rechtskräftig.

25.700 Euro muss er trotzdem zurückzahlen

Mit der bedingten Haftstrafe ist die Sache finanziell für den ehemaligen Kassier nicht erledigt. Den geschätzten Schaden von rund 25.700 Euro muss er zurückzahlen. Der Betrag soll im Rahmen einer Exekution nach und nach hereingebracht werden.

Damit könnte den 23-Jährigen ausgerechnet seine Angst, gegenüber Kunden Nein zu sagen, noch lange begleiten: Was für einzelne Käufer nur einige Euro Rabatt bedeutete, summierte sich am Ende zu einem fünfstelligen Schaden und einer strafrechtlichen Verurteilung.

(fd/apa)

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