Sozialorganisationen warnen
Kürzungen bei Sozialhilfe
(07.10.2026) Rund 80 Wiener Sozialorganisationen warnen vor massiven Einschnitten bei Betreuung und Beratung im kommenden Jahr. Das Bündnis „Wien bleibt anders“ rechnet damit, dass beim Fonds Soziales Wien (FSW) Einsparungen von mindestens drei, möglicherweise bis zu fünf Prozent bevorstehen könnten. Nach Angaben der Organisationen würde das einem Minus von rund 100 bis 150 Millionen Euro entsprechen. Fixiert ist diese Summe allerdings noch nicht.
„Jeder 20. Job wackelt“
Bündnis-Sprecher Robert Mittermair warnt vor unmittelbaren Folgen für Beschäftigte und Betroffene. Weil Mieten, Energie und andere Sachkosten kaum kurzfristig reduziert werden könnten, müssten Einsparungen vor allem beim Personal und bei Betreuungsleistungen erfolgen. Nach seiner Berechnung könnten im Extremfall jede 20. Beratungsstunde und jeder 20. Arbeitsplatz im Sozialbereich betroffen sein. Gleichzeitig seien Personal- und Sachkosten zuletzt um rund drei Prozent gestiegen.
Besonders betroffen wären laut dem Bündnis die Behindertenhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, Flüchtlingsbetreuung sowie Wohnungs- und Obdachlosenhilfe. Schon jetzt würden in mehreren Bereichen Fachkräfte und Betreuungsplätze fehlen. Bei Menschen mit Behinderungen gebe es Wartelisten, während Kürzungen bei der Mindestsicherung und Wohnbeihilfe die finanzielle Lage zusätzlich verschärften.
Hilfsorganisationen warnen vor teuren Folgeschäden
Die Organisationen argumentieren, dass Einsparungen kurzfristig zwar das Stadtbudget entlasten könnten, langfristig aber höhere Kosten an anderer Stelle verursachen. Weniger Betreuung könne etwa dazu führen, dass Menschen ihre Wohnung verlieren, häufiger stationär behandelt werden müssen oder Jugendliche später intensivere Unterstützung benötigen.
Andreas Gampert von der Diakonie warnte davor, soziale Probleme einfach „wegzusparen“. Auch die Kinder- und Jugendhilfe arbeite nach Angaben von SOS-Kinderdorf bereits nahe an ihrer Belastungsgrenze. Weitere Kürzungen könnten das Risiko von psychischen Erkrankungen, Suchtproblemen oder Straffälligkeit erhöhen.
Aus dem Büro von Sozialstadtrat Peter Hacker (SPÖ) heißt es, man verstehe die Sorgen der Organisationen und stehe mit den Sozialträgern im Austausch. Ende Oktober soll es ein weiteres Gespräch mit dem Vorstand des Dachverbands Wiener Sozialeinrichtungen geben. Die Stadt betont gleichzeitig, angesichts der angespannten finanziellen Lage müsse man „sehr genau hinschauen“. Ziel bleibe, allen Menschen in Wien, die Unterstützung benötigen, verlässlich Hilfe anbieten zu können.
Bereits für das Budget 2026 hatte Wien beim FSW eine zurückhaltende Anpassung der Tarife, genauere Aufnahmekriterien und stärker auf bestimmte Zielgruppen ausgerichtete Leistungen angekündigt. Die Sozialorganisationen beklagen dagegen, dass Förderungen teilweise bereits zuletzt unter der Inflation gestiegen seien.
Grüne kritisieren geplante Einschnitte
Die Wiener Grünen stellten sich hinter die Warnungen der Hilfsorganisationen. Parteivorsitzende Judith Pühringer erklärte, weitere Kürzungen würden jene Einrichtungen zusätzlich unter Druck setzen, die bereits jetzt an ihren Grenzen arbeiteten. Die Grünen werfen der rot-pinken Stadtregierung vor, damit zentrale Teile des Wiener Sozialnetzes zu gefährden.
Das Bündnis selbst verlangt jedoch nicht einfach nur mehr Geld. Unter dem Motto „Reformen im Dialog“ fordert es gemeinsam mit der Stadt eine mehrjährige Planung. Damit sollen notwendige Einsparungen so umgesetzt werden, dass Betreuungsangebote erhalten bleiben und spätere, möglicherweise wesentlich höhere Folgekosten für Wien vermieden werden.
(fd/apa)