Bist für andere a Qual, zahl!
Öffis und der Strafenkatalog
(05.11.2026) Essen in der U-Bahn, lautes Telefonieren, Hunde ohne Maulkorb oder E-Scooter zur falschen Zeit: Die Wiener Linien ziehen bei ihren Regeln jetzt deutlich stärker durch. Nachdem im Frühjahr vor allem ermahnt wurde, sollen Verstöße künftig konsequenter mit 50 Euro Strafe geahndet werden. Die neue Kampagne trägt den typisch Wienerischen Titel „Host no immer kan Genierer?!“ – und die Botschaft ist klar: „Bist für andere a Qual, dann zahl!“
Aus Ermahnungen werden jetzt Strafen
Die Regeln selbst sind nicht neu. Schon bisher konnten Verstöße gegen die Beförderungsbedingungen mit 50 Euro geahndet werden.
In den vergangenen Monaten setzten die Wiener Linien allerdings vor allem auf Aufklärung und Ermahnungen. Nur in wenigen Fällen wurde tatsächlich eine Strafe verhängt.
Damit ist jetzt zunehmend Schluss. Wer nach einem Hinweis weiterhin gegen die Regeln verstößt oder sich bewusst uneinsichtig zeigt, muss damit rechnen, zur Kasse gebeten zu werden.
Kontrollieren dürfen unter anderem der Sicherheitsdienst und die Fahrscheinkontrolleure. Service-Mitarbeiter weisen Fahrgäste auf Fehlverhalten hin.
Essen in der U-Bahn kostet 50 Euro
Besonders häufig sorgt Essen in U-Bahn-Zügen für Beschwerden.
Dabei gilt eine klare Regel: In der U-Bahn darf nicht gegessen werden. Speisen dürfen zwar in geschlossenen Behältnissen transportiert werden, während der Fahrt sollte die Jause aber eingepackt bleiben.
Wer das Verbot ignoriert, riskiert 50 Euro Strafe.
Bei besonderen Situationen – etwa bei kleinen Kindern oder Menschen mit medizinischen Bedürfnissen – wollen die Wiener Linien weiterhin mit Augenmaß vorgehen.
Laut telefonieren kann ebenfalls teuer werden
Telefonieren ist in den Wiener Öffis grundsätzlich weiterhin erlaubt.
Problematisch wird es, wenn andere Fahrgäste durch laute Gespräche, Telefonieren über Lautsprecher oder Videos ohne Kopfhörer gestört werden.
Auch dafür kann eine Strafe von 50 Euro fällig werden.
Eine Befragung der Wiener Linien zeigt, wie stark das Thema viele Fahrgäste beschäftigt: 86 Prozent fühlen sich von lauten Telefonaten und Medienkonsum gestört, 92 Prozent halten es für wichtig, dass darauf verzichtet wird.
Hunde brauchen Maulkorb und Leine
Auch Hundebesitzer müssen die Regeln genau beachten.
In Fahrzeugen der Wiener Linien dürfen Hunde grundsätzlich nur mit Maulkorb und Leine mitfahren. In U-Bahn-Stationen müssen beide bereits vor dem Betreten der Station angelegt sein.
Wer seinen Hund ohne Maulkorb oder Leine mitnimmt, riskiert ebenfalls 50 Euro.
Eine Ausnahme gilt unter anderem für Assistenzhunde sowie kleine Hunde, die in einem geschlossenen Behältnis transportiert werden.
E-Scooter nur außerhalb der Stoßzeiten
Seit September gelten für E-Scooter ähnliche Regeln wie für Fahrräder.
In der U-Bahn dürfen sie von Montag bis Freitag nur zwischen 9 und 15 Uhr sowie ab 18.30 Uhr mitgenommen werden.
An Samstagen, Sonn- und Feiertagen ist die Mitnahme ganztägig erlaubt.
In Straßenbahnen und Bussen sind E-Scooter grundsätzlich verboten.
Wer seinen Scooter trotzdem zur Stoßzeit in die U-Bahn oder in Bus beziehungsweise Bim mitnimmt, muss mit 50 Euro Strafe rechnen.
Auch Alkohol, Rauchen und Betteln sind verboten
Die 50-Euro-Regel betrifft noch weitere Verstöße gegen die Beförderungsbedingungen.
Dazu gehören unter anderem:
- Alkoholkonsum
- Rauchen
- Betteln
- Musizieren oder störender Lärm
- das unerlaubte Anbieten oder Verkaufen von Waren
- Hunde ohne Maulkorb und Leine
- Essen in der U-Bahn
- unerlaubte Mitnahme von E-Scootern
Wer Fahrzeuge oder Stationen absichtlich stark verschmutzt oder beschädigt, kann darüber hinaus für die tatsächlichen Reinigungs- oder Reparaturkosten zur Kasse gebeten werden.
Schwarzfahren kostet deutlich mehr
Nicht mit der 50-Euro-Strafe zu verwechseln ist die Mehrgebühr für Fahren ohne gültigen Fahrschein.
Wer bei einer Kontrolle ohne gültiges Ticket erwischt wird und sofort bezahlt, muss derzeit 135 Euro zahlen. Bei späterer Zahlung kann es noch teurer werden.
Damit ist Schwarzfahren deutlich kostspieliger als ein gewöhnlicher Verstoß gegen die Hausordnung.
Beschwerden sind bereits deutlich zurückgegangen
Die erste Rücksichtskampagne im Frühjahr scheint Wirkung gezeigt zu haben.
Im März registrierten die Wiener Linien noch rund 12.000 Beanstandungen.
Im September waren es nur noch 8.898 Fälle, im Oktober sank die Zahl weiter auf 8.283 Beanstandungen.
Das entspricht gegenüber dem Kampagnenstart einem Rückgang von rund 31 Prozent.
Besonders häufig ging es weiterhin um Hunde ohne Maulkorb, Lärm und Essen.
Rund 300 Mitarbeiter kontrollieren die Regeln
Die Einhaltung von Hausordnung und Beförderungsbedingungen wird von rund 300 Service- und Sicherheitsmitarbeitern sowie Kontrolloren überprüft.
Nach Angaben der Wiener Linien verhält sich die große Mehrheit der Fahrgäste ohnehin rücksichtsvoll.
Bei vielen Verstößen reicht weiterhin eine Ermahnung. Konsequenter soll es vor allem dann werden, wenn jemand bewusst nicht reagiert oder trotz mehrfacher Hinweise weitermacht.
Neue Kampagne startet am 6. November
Ab 6. November sollen die neuen Kampagnensujets im gesamten Wiener Stadtgebiet sichtbar sein.
Neben Plakaten setzen die Wiener Linien auf Social Media, Infoscreens und Stationsdurchsagen.
Im Mittelpunkt stehen genau jene Situationen, die Fahrgäste besonders häufig nerven: Essen, Lärm, Hunde ohne Maulkorb und E-Scooter zur Stoßzeit.
Die Linie der Wiener Linien ist damit deutlich verschärft: Erst wird angesprochen – wer sich dann weiterhin nicht an die Regeln hält, muss künftig deutlich öfter mit 50 Euro Strafe rechnen.
(fd/stadtWien/krone/heute)