KitKat: mehr als nackte Haut
Doku über Berliner Fetischclub
(08.10.2026) In einer Dokumentation mit dem Namen "One Night at KitKat" gibt es jetzt tiefe Einblicke in den legendären Berliner Club KitKat. Filmen und Fotografieren ist in dem für sexuelle Freizügigkeit berühmten Club normalerweise strengstens verboten.
Der Besuch im Berliner KitKat soll laut den Gründern etwas Besonderes sein und ein Abtauchen in eine andere, realitätsferne Welt ermöglichen. Berühmt ist der Club insbesondere für Fetisch und sexuelle Freizügigkeit. Genau das soll in der ARD-Doku zu sehen sein.
Aktuell ist die Dokumentation bereits in der Mediathek des ARD zu sehen, ab dem 08. Oktober dann auch auf 3sat. Das iranische Ehepaar Mohsen Najafimehri und Diba Darbari stehen hinter der Regie des Films, in dem sie viel zeigen und wenig auslassen. Unter anderem ist die große Techno-Party mit hunderten Tänzern auf zwei Dancefloors, verteilt auf verschiedene Räume, zu sehen. Die Doku zeigt junge sowie ältere Menschen, gekleidet in knapper Unterwäsche, transparenten Dessous oder mit lederner Bekleidung wie Hosen oder Gurten. Auch nackte, halbnackte oder Personen in Ganzkörperanzügen aus Latex oder Lack inklusive Masken sind zu sehen.
Halbdunkle Räume, Sex und BDSM-Spielchen
Über den in Berlin-Mitte gelegenen Club sagt eine Besucherin: „Der Reiz ist das Verruchte und vielleicht auch das Verbotene.“ Im KitKat sieht man neben knutschenden Besuchern auch Personen beim Sex im Halbdunkel nahe des Dancefloors sowie BDSM-Spiele mit Fesseln, Seilen oder flüssigem Wachs.
Im Zentrum der Dokumentation stehen aber Menschen, die nicht nur auf der Suche nach Feiern, Drogen und Sex sind, wie die meisten Partytouristen. Ein junges Paar berichtet beispielsweise von Depressionen und Ängsten vor dem eigenen Körper in der Vergangenheit. Das Feiern unter zahlreichen nackten Menschen sowie die Lust daran, sich zu verkleiden, hat die Freude am eigenen, nicht perfekten Körper zurückgebracht.
"Ich fühlte mich zu Hause, ein ganz seltsames Gefühl von Heimat."
Das erklärt eine Künstlerin aus Tel Aviv, die von ihrem Leiden als Frau, gefangen in einem männlichen Körper, und ihrer Wandlung in das andere Geschlecht berichtet. Die in Berlin lebende Künstlerin beschreibt ihren ersten "Kitty"-Besuch, wie manche Stammgäste den Club nennen, als einen "magischen Moment".
Vom Türsteher über die Garderobe bis zu den Dancefloors und Räumen des Kellers wird alles im Film gezeigt. Vor mehr als 30 Jahren hat alles klein angefangen, erzählen die Gründer Kirsten und Simon. Nach der Wiedervereinigung Anfang der 90er Jahre haben die Gründer einfach geschaut, wie weit man gehen kann, erklären sie. "Man sollte schon alles ausprobieren, was es gibt, im bewussten Sinn natürlich und nicht im Konsum", sagt Simon im Interview.
"Weltweit einmalig"
Begonnen hat alles ganz klein, aus privaten Vorlieben für Freizügigkeit, Sex und Hedonismus. Das KitKat wurde schnell bekannt und die Räume wurden größer, neue Orte sind dazugekommen und auch das Programm wurde ausgeweitet. Zum Beginn des Abends spielt ein Streichquartett unbekleidet klassische Musik und auch Tangoabende werden angeboten. Im Keller finden diverse Sex-Events statt und auch queere Nächte sind Teil vom Programm. Ein Besucher beschreibt das Kitkat als "weltweit einmalig".
Eine Domina, von der vor allem BDSM-Praktiken angeboten werden, beschreibt die Arbeit als "Sexworkerin" als eine "unfassbare Freiheit", nachdem sie zuvor als Köchin gearbeitet hat. Sie sieht den Club als einen Ort an, an dem sie den Freiraum hat, BDSM-Praktiken auszuleben, in gewagten Outfits oder auch mit Halsbändern. Zuvor ist sie oft belästigt oder angestarrt worden, aber im Kitkat ist das anders. "Es verschwimmt mit der Masse, da darf man mehr frei sein als in anderen Clubs."
In der Dokumentation wird von den beiden Problemzonen im Nachtleben der Metropolen nur eine thematisiert. Der heftige Drogenkonsum in der Berliner Clubszene wird ausgelassen. Auch im KitKat gibt es eine weite Verbreitung von Kokain, Ecstasy und anderen Aufputschmitteln.
Dafür thematisiert die Dokumentation sexuelle Belästigungen, die auch im KitKat vorkommen können. Es gab zwar schon immer Menschen, die aufgepasst haben, aber nach einem Skandal mit einem Übergriff und Medienberichten gibt es auch offizielle Awareness-Teams. Viele junge Menschen zeigen sich dankbar dafür, wie ein Mitglied des Teams berichtet, "weil sie sich sicher fühlen".
Es widerspricht ein etwas älterer kostümierter und geschminkter Mensch „Ich finde das schrecklich, das ist für mich Kindergarten. Wenn ich nicht will, dass sich jemand mit mir beschäftigt, sage ich: „Lass das mal bitte.“ Danke, auf Wiedersehen und fertig ist die Laube.“
Im Laufe des frühen Vormittags leert sich das Berliner KitKat. Die aus Tel Aviv stammende Frau erklärt im Interview: „Der schwierigste Moment ist, am Morgen wieder rauszugehen, nach Hause. Weil sich niemand mit der "richtigen" Welt da draußen auseinandersetzen will.“
Beim ARD ist "One Night at KitKat" für Menschen ab 16 Jahren freigegeben. Neben der ARD-Dokumentation wurde auch eine Kinodoku vom ZDF koproduziert. Der Dokumentarfilm mit dem Titel "Kinks of Berlin" berichtet 90 Minuten lang vom KitKat.
(apa/ep)