Kreml: Atomwaffen als Schutz?
Keine Gesprächsbereitschaft?
(24.06.2026) Während die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges weitergehen, hat der Kreml die Bereitschaft Europas zu ernsthaften Gesprächen offen angezweifelt. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte am Mittwoch, dass Moskau derzeit nicht sicher sei, ob auf europäischer Seite überhaupt der Wunsch nach einem echten Dialog bestehe.
Moskau sieht widersprüchliche Signale aus Europa
Zwar gebe es erste Anzeichen für Gesprächsbereitschaft, diese seien jedoch widersprüchlich, sagte Peskow in Moskau.
Hintergrund ist ein Bericht über eine Kontaktaufnahme des Büros von EU-Ratspräsident António Costa mit russischen Vertretern. Demnach sollen Kommunikationskanäle für mögliche zukünftige Verhandlungen offen gehalten werden. Das Vorgehen sorgte innerhalb der Europäischen Union jedoch für Diskussionen. Medienberichten zufolge zeigte sich die deutsche Bundesregierung verärgert, da die Initiative nicht vorab abgestimmt worden war.
Russland betont Dialogbereitschaft
Peskow erklärte erneut, Russland sei grundsätzlich bereit, Gespräche über ein Ende des Krieges zu führen. Gleichzeitig machte er deutlich, dass Moskau weiterhin an seinen bisherigen Forderungen festhält.
Dazu gehört unter anderem die Forderung, dass sich die Ukraine aus den noch von ihr kontrollierten Teilen der Region Donezk zurückzieht. Aus Sicht Kiews und seiner westlichen Verbündeten sind diese Bedingungen jedoch nicht akzeptabel.
Zudem räumte Peskow ein, dass derzeit noch völlig offen sei, wo mögliche neue Verhandlungen überhaupt stattfinden könnten.
Nach Angaben des Kremls sollen die Gespräche mit den US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner fortgesetzt werden, sobald diese wieder für Verhandlungen zur Verfügung stehen.
Russland setzt damit weiterhin auf direkte Kommunikationskanäle mit den USA. Washington hatte in den vergangenen Monaten mehrfach versucht, zwischen Moskau und Kiew zu vermitteln.
Lawrow verweist auf Vereinbarungen mit Trump
Auch Russlands Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte am Mittwoch die Position Moskaus. Russland halte weiterhin an den Vereinbarungen fest, die Präsident Wladimir Putin und US-Präsident Donald Trump bei ihrem Gipfeltreffen in Alaska getroffen hätten.
Moskau sei nicht bereit, von diesen Vereinbarungen abzuweichen oder sich politischen Ultimaten zu beugen, sagte Lawrow.
Kreml: Atomwaffen verhindern einen Weltkrieg
Für internationale Aufmerksamkeit sorgten auch Aussagen Peskows zur globalen Sicherheitslage. Der Kremlsprecher bezeichnete Atomwaffen als den derzeit wichtigsten Schutz vor einem weltweiten Krieg.
"Außer dem atomaren Gleichgewicht haben wir nichts mehr in der Welt. Das ist das Einzige, was uns noch vor einem Weltkrieg bewahrt", erklärte Peskow.
Der Ukraine-Krieg sei aus seiner Sicht nur einer von mehreren regionalen Konflikten weltweit. Die Zahl solcher Krisen nehme zu, weil es Staaten immer schwerer falle, gemeinsame Sicherheitsinteressen zu definieren und durchzusetzen.
Friedenslösung weiter nicht in Sicht
Trotz einzelner diplomatischer Kontakte gibt es derzeit keine konkreten Hinweise auf baldige Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine. Die Positionen beider Seiten liegen weiterhin weit auseinander.
Während Moskau auf seinen territorialen Forderungen beharrt, lehnt die Ukraine Gebietsabtretungen kategorisch ab und fordert den vollständigen Rückzug russischer Truppen aus den besetzten Gebieten. Damit bleibt eine politische Lösung des seit Jahren andauernden Konflikts vorerst außer Reichweite.
(fd/apa)