Kunst oder Butter?

In Wahrheit beides

(09.07.2026) 390 Kilogramm Erdnussbutter auf dem Boden eines Museums – was zunächst wie ein Missgeschick oder ein Internet-Scherz klingt, ist tatsächlich ein Kunstwerk. Das Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam hat den legendären Pindakaasvloer (Erdnussbutter-Boden) des kürzlich verstorbenen niederländischen Konzeptkünstlers Wim T. Schippers neu geschaffen. Besucher können die außergewöhnliche Installation noch bis 6. September besichtigen.

390 Kilogramm Erdnussbutter auf 25 Quadratmetern verteilt

Für die Neuauflage wurden rund 390 Kilogramm Erdnussbutter gleichmäßig auf einer 25 Quadratmeter großen Bodenfläche verteilt. Die Installation befindet sich im Depot des Museum Boijmans Van Beuningen und ist als Hommage an Wim T. Schippers gedacht, der zu den bekanntesten Konzept- und Performance-Künstlern der Niederlande zählt.

Das Werk trägt den Namen Pindakaasvloer, was übersetzt „Erdnussbutter-Boden“ bedeutet.

Spezielle „Erdnussbutter-Stuckateure“ im Einsatz

Für die Installation engagierte das Museum eigens sogenannte „Erdnussbutter-Stuckateure“. Ausgerüstet mit Eimern voller Erdnussbutter und klassischem Stuckateurwerkzeug verteilten sie die Masse Anfang Juli sorgfältig auf dem Boden.

Die verwendete Erdnussbutter wurde von der niederländischen Marke Calvé gespendet – laut Museum die Lieblingsmarke des Künstlers. Schippers soll sie bevorzugt haben, weil sie sich besonders gut verstreichen lässt.

Kunstwerk soll zum Nachdenken anregen

Der Erdnussbutter-Boden ist weit mehr als eine ungewöhnliche Installation. Schippers wollte mit seinem Werk bewusst Fragen auslösen:

  • Was ist überhaupt Kunst?
  • Muss Kunst einen praktischen Nutzen haben?
  • Darf Kunst auch einfach nur irritieren?

Nach Angaben des Museums ging es dem Künstler nie darum, eine klassische Skulptur oder ein Gemälde zu schaffen. Vielmehr sollte allein die Tatsache, dass ein Museumsboden vollständig mit Erdnussbutter bedeckt ist, die Besucher zum Nachdenken bringen.

Schon früher sorgte das Werk für Schlagzeilen

Das Kunstwerk wurde bereits 1962 entwickelt und zählt zu Schippers' bekanntesten Arbeiten. Als der Pindakaasvloer 1997 erneut ausgestellt wurde, kam es zu einer kuriosen Aktion: Vier Jugendliche warfen Brote mit Schokoladenstreuseln auf die Erdnussbutter.

Der Künstler reagierte überraschend gelassen. Statt sich zu ärgern, kommentierte er die Aktion laut der Zeitung De Volkskrant mit den Worten: „Das sieht nicht schlecht aus.“

Teil einer außergewöhnlichen Werkserie

Der Erdnussbutter-Boden war Teil einer ganzen Reihe ungewöhnlicher Bodeninstallationen von Wim T. Schippers. Für andere Werke verteilte er unter anderem Glasscherben oder Salz auf dem Boden und machte selbst alltägliche Materialien zum Mittelpunkt seiner Kunst.

Bis September in Rotterdam zu sehen

Wer das ungewöhnliche Kunstwerk selbst sehen möchte, kann den Pindakaasvloer noch bis 6. September im Depot des Museum Boijmans Van Beuningen in Rotterdam besuchen. Das Museum erinnert damit an einen Künstler, der mit einfachen Materialien und ungewöhnlichen Ideen weltweit Bekanntheit erlangte – und dessen Erdnussbutter-Boden bis heute die Frage aufwirft: Was macht Kunst eigentlich zu Kunst?

(fd/apa)

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