Lebenslang für Attentäter
Terror in Bielefeld
(01.06.2026) Mehr als ein Jahr nach dem islamistisch motivierten Messerangriff auf Fußballfans in Bielefeld ist das Urteil gefallen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf verurteilte den syrischen Staatsangehörigen Mahmoud Mhemed (36) wegen mehrfachen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft. Zudem stellte das Gericht die besondere Schwere der Schuld fest und ordnete Sicherungsverwahrung an. Damit gilt eine vorzeitige Entlassung des Attentäters nach 15 Jahren als äußerst unwahrscheinlich.
Angriff auf Aufstiegsfeier von Arminia Bielefeld
Die Tat ereignete sich am frühen Morgen des 18. Mai 2025 während der Feierlichkeiten zum Aufstieg von Arminia Bielefeld in die 2. Bundesliga. Vor der Szene-Bar „Cutie“ griff der bewaffnete Täter mehrere Feiernde mit einem Messer und einem selbstgebauten Stockdegen an.
Vier Männer im Alter zwischen 22 und 27 Jahren sowie eine 26-jährige Frau wurden verletzt. Mehrere Opfer schwebten zeitweise in akuter Lebensgefahr.
Nach Angaben der Ermittler soll der Angreifer während der Tat „Allahu akbar“ gerufen haben. Außerdem führte er einen Zettel mit einer selbst gezeichneten Flagge der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bei sich.
Festnahme nach Flucht
Nachdem sich die Opfer gegen den Angriff gewehrt hatten und der Täter seinen Stockdegen verlor, flüchtete er vom Tatort. Einen Tag später konnte Mahmoud Mhemed im nordrhein-westfälischen Heiligenhaus festgenommen werden.
Entscheidend für die Festnahme war laut Ermittlungen ein Hinweis aus dem familiären Umfeld. Ein Cousin des Tatverdächtigen informierte die Polizei über seinen Aufenthaltsort.
Bundesanwaltschaft sah islamistisches Motiv
Vor Gericht wurde der Syrer unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung, vierfachen versuchten Mordes sowie gefährlicher Körperverletzung angeklagt.
Die Bundesanwaltschaft ging von einem eindeutig islamistischen Motiv aus. Demnach wollte der Angeklagte im Namen eines weltweiten „Heiligen Krieges“ möglichst viele zufällig ausgewählte Menschen in Deutschland töten.
Laut den Ermittlern fehlte ihm jegliches Mitgefühl für seine Opfer. Reue zeigte er während des Verfahrens nicht.
Verbindung zum Islamischen Staat
Nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft schloss sich Mahmoud Mhemed spätestens im Jahr 2015 in Syrien der Terrororganisation Islamischer Staat an. Dort soll er sowohl als Kämpfer tätig gewesen sein als auch Immobilien für den IS verwaltet haben.
Im Sommer 2023 reiste er nach Deutschland ein. Weniger als zwei Jahre später plante er laut Anklage den Anschlag in Bielefeld.
Während seiner Untersuchungshaft gestand der 36-Jährige nicht nur die Tat in Deutschland. Nach Angaben der Ermittler räumte er außerdem ein, in Syrien bereits zwei Menschen getötet zu haben, darunter seinen Halbbruder im Auftrag des IS.
Gutachter sieht weiterhin hohe Gefahr
Ein psychiatrischer Sachverständiger beschrieb den Verurteilten als tiefgreifend islamistisch radikalisiert. Die extremistische Ideologie sei fest in seiner Persönlichkeit verankert.
Der Gutachter bescheinigte ihm eine hohe Gewaltbereitschaft, mangelnde Toleranz und eine erhebliche Gefährlichkeit. Deshalb sah das Gericht neben der lebenslangen Freiheitsstrafe auch die Anordnung der Sicherungsverwahrung als notwendig an.
(fd/apa)