Mädchen (6) ist tot!
Hat das Jugendamt versagt?
(06.07.2026) Nach dem gewaltsamen Tod der sechsjährigen Alicia aus dem Osternienburger Land in Sachsen-Anhalt geraten die zuständigen Behörden zunehmend unter Druck. Neue Vorwürfe gegen das Jugendamt Dessau-Roßlau werfen die Frage auf, ob das Verbrechen möglicherweise hätte verhindert werden können. Im Mittelpunkt stehen hunderte ungelesene E-Mails mit Hinweisen auf mögliche Kindeswohlgefährdungen.
Lebensgefährte der Mutter sitzt in U-Haft
Die kleine Alicia war am 7. Juni mit schwersten Kopfverletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Zwei Tage später erlag sie einem schweren Schädel-Hirn-Trauma. Der 27-jährige Lebensgefährte ihrer Mutter wurde noch am Tag der Einlieferung festgenommen und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Er spricht von einem Unfall, doch die Obduktion soll dieser Darstellung widersprochen haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts.
Mutter und Kita sollen mehrfach Hilfe gesucht haben
Besonders brisant sind nun Berichte, wonach sowohl Alicias Mutter als auch die Kindertagesstätte bereits Monate vor der Tat mehrfach Kontakt mit dem Jugendamt aufgenommen haben sollen. Nach Informationen, über die unter anderem RTL und weitere deutsche Medien berichten, soll die Mutter bereits im Februar Hilfen zur Erziehung beantragt haben, weil sie mit der familiären Situation überfordert gewesen sei. Der Antrag soll jedoch später nicht mehr auffindbar gewesen sein.
Auch die Kita soll im März wegen einer möglichen Kindeswohlgefährdung Alarm geschlagen haben. Ein entsprechendes Fax sei automatisch in eine E-Mail umgewandelt worden – und ausgerechnet im Postfach eines Mitarbeiters gelandet, der zu diesem Zeitpunkt bereits im Ruhestand gewesen sein soll.
Mehr als 400 – laut BILD sogar 470 – ungelesene E-Mails entdeckt
Erst nach Alicias Tod wurde das betreffende E-Mail-Postfach überprüft. Dabei fanden Mitarbeiter nach Medienberichten mehr als 400 ungelesene Nachrichten. BILD berichtet sogar von insgesamt 470 unbearbeiteten E-Mails. Darunter sollen sich nicht nur Hinweise im Fall Alicia, sondern auch weitere Meldungen zu möglichen Kindeswohlgefährdungen befunden haben.
Insider führen die Versäumnisse laut den Berichten auf eine massive personelle Überlastung des Jugendamtes zurück. Demnach seien Notrufe teilweise nur verzögert bearbeitet worden.
Stadt leitet interne Untersuchung ein
Die Stadt Dessau-Roßlau hat inzwischen eine umfassende interne Untersuchung eingeleitet. Dabei soll geklärt werden, ob eingegangene Hinweise ordnungsgemäß bearbeitet wurden und ob organisatorische Fehler im Jugendamt zu den Vorwürfen beigetragen haben. Oberbürgermeister Robert Reck kündigte eine lückenlose Aufklärung an und ordnete organisatorische sowie personelle Maßnahmen an, um die Arbeitsfähigkeit des Jugendamtes sicherzustellen.
Auch der Stadtrat beschäftigte sich bereits in einer Sondersitzung mit dem Fall. Dort wurde Alicia mit einer Schweigeminute gedacht. Gleichzeitig soll geprüft werden, wie ähnliche Fehler künftig verhindert werden können.
(fd)