140 Milliarden für Ukraine

Schwere Angriffe auf Kiew

(06.07.2026) Kurz vor dem NATO-Gipfel in Ankara hat Russland die Ukraine mit einer der schwersten Angriffswellen der vergangenen Wochen überzogen. Bei massiven Raketen- und Drohnenangriffen auf Kiew und das Umland wurden nach ukrainischen Angaben mindestens 14 Menschen getötet und mehr als 60 weitere verletzt. Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert nun von den NATO-Staaten "starke Entscheidungen" und zusätzliche Flugabwehrsysteme. Gleichzeitig soll das Militärbündnis der Ukraine milliardenschwere Hilfen zusagen.

Schwere Angriffe auf Kiew und das Umland

Im Fokus der russischen Angriffe stand erneut die ukrainische Hauptstadt Kiew. Nach Angaben der Rettungskräfte wurden mindestens 15 Wohngebäude beschädigt oder zerstört. Besonders schwer getroffen wurde der historische Stadtteil Podilskyj, wo ein mehrstöckiges Wohnhaus ab dem fünften Stockwerk teilweise einstürzte.

Auch im Stadtteil Darnyzkyj schlugen Trümmer in ein Hochhaus ein. Dort kamen zwei Menschen ums Leben. In der westlich von Kiew gelegenen Satellitenstadt Wyschnewe stieg die Zahl der Todesopfer nach einem Raketenangriff auf fünf. Mehr als 600 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, zahlreiche Gebäude wurden beschädigt.

Insgesamt wurden nach Angaben der ukrainischen Behörden rund 60 Menschen verletzt.

Hunderte Raketen und Drohnen im Einsatz

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland in der Nacht insgesamt 68 Raketen – darunter ballistische Raketen und mehrere Zirkon-Hyperschallraketen – sowie 351 Kampfdrohnen ein.

Die ukrainische Luftabwehr konnte zwar zahlreiche Drohnen und Marschflugkörper abfangen, gegen die ballistischen Raketen habe es jedoch kaum wirksame Abwehrmöglichkeiten gegeben. Die Ukraine verweist seit Monaten auf einen Mangel an Patriot-Abfangraketen, die als einziges wirksames Mittel gegen diese Waffen gelten.

Selenskyj fordert mehr Hilfe von der NATO

Angesichts der schweren Angriffe appellierte Präsident Wolodymyr Selenskyj unmittelbar vor dem NATO-Gipfel an die Verbündeten.

"Es ist äußerst wichtig, dass die Welt starke Entscheidungen zur Unterstützung unserer Luftabwehr trifft", schrieb Selenskyj auf Telegram. Solange Patriot-Raketen ungenutzt in den Lagern der Partner lägen, werde Russland ermutigt, seine Angriffe auf Wohnhäuser fortzusetzen.

Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, zusätzliche Flugabwehr werde ein zentrales Thema beim NATO-Gipfel sein. Russland greife erneut gezielt Zivilisten an, deshalb müsse die Unterstützung der Ukraine weiter verstärkt werden.

NATO plant Hilfen von mindestens 140 Milliarden Euro

Nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen soll der NATO-Gipfel der Ukraine Finanzhilfen von mindestens 140 Milliarden Euro für die Jahre 2026 und 2027 zusagen. Vorgesehen sind jeweils mindestens 70 Milliarden Euro pro Jahr, die von den europäischen NATO-Staaten und Kanada bereitgestellt werden sollen.

Die Mittel setzen sich unter anderem aus dem EU-Kreditprogramm sowie zusätzlichen bilateralen Militärhilfen zusammen. Ziel sei es, der Ukraine ein klares Signal langfristiger Unterstützung zu geben. Über eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine soll beim Gipfel hingegen nicht entschieden werden.

Trump trifft Selenskyj in Ankara

Am Rande des NATO-Gipfels ist auch ein Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj geplant. Dabei soll es unter anderem um neue Bemühungen zur Beendigung des seit Februar 2022 andauernden russischen Angriffskriegs gehen.

Die USA haben ihre militärische Unterstützung seit Trumps Amtsantritt deutlich zurückgefahren. Europäische Staaten und Kanada wollen deshalb ihre Hilfe weiter ausbauen.

Ukraine greift Russland und die Krim mit Drohnen an

Auch die Ukraine setzte ihre Angriffe auf russisches Gebiet fort. Nach Angaben Moskaus wurden mehr als 500 ukrainische Drohnen abgefangen. Attackiert wurden demnach rund 20 Regionen, darunter erneut die von Russland annektierte Halbinsel Krim.

Auf der Krim wurde nach russischen Angaben eine Frau getötet und zwei weitere Menschen verletzt. In Sewastopol trafen Drohnen Teile der Energieinfrastruktur.

Auch die wichtigen Ostseehäfen Ust-Luga und Wysozk sowie ein Industriegelände südlich von Moskau wurden Ziel ukrainischer Drohnenangriffe. Über das genaue Ausmaß der Schäden machten die russischen Behörden zunächst keine Angaben.

(fd/apa)

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