Meinl-Reisinger in Äthiopien
Humanitäre Krise in Afrika
(20.04.2026) Während Österreichs Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) aktuell in Addis Abeba am „EU-Ethiopia Business Forum“ teilnimmt, rückt eine der schwersten humanitären Krisen Afrikas erneut in den Fokus. Gleichzeitig sorgt die Reise innenpolitisch für scharfe Kritik – allen voran von der FPÖ, die der Regierung falsche Prioritäten vorwirft.
Hungerkrise in Äthiopien: Millionen Menschen betroffen
Im Norden Äthiopiens leiden laut World Food Programme mehr als zehn Millionen Menschen unter schwerer Ernährungsunsicherheit. Die dramatische Lage ist eine direkte Folge des Tigray-Krieges, der bis 2022 zwischen der Zentralregierung und der Tigray People’s Liberation Front tobte.
Menschenrechtsorganisationen berichten, dass Hunger in diesem Konflikt gezielt als Waffe eingesetzt wurde. Dabei sollen nicht nur Lebensmittel und Wasser vorenthalten worden sein, sondern auch landwirtschaftliche Infrastruktur systematisch zerstört worden sein – darunter Felder, Getreidelager und Bewässerungsanlagen. Ganze Regionen kämpfen bis heute mit den Folgen dieser Strategie: zerstörte Lebensgrundlagen, leere Teller und kaum Perspektiven auf schnelle Erholung.
Trotz dieser Situation fehlt es laut Expertinnen und Experten weiterhin an Aufarbeitung. Weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene gibt es bislang umfassende Konsequenzen für mögliche Kriegsverbrechen. Äthiopien ist kein Mitglied des Internationalen Strafgerichtshofs, wodurch juristische Schritte zusätzlich erschwert werden.
Meinl-Reisinger setzt auf internationale Kooperation
Die Reise der österreichischen Außenministerin findet im Rahmen eines EU-Wirtschaftsforums statt und soll laut Regierung den Austausch sowie wirtschaftliche Kooperationen zwischen Europa und Afrika stärken. Solche Besuche werden auch als Möglichkeit gesehen, internationale Aufmerksamkeit auf Krisenregionen zu lenken und langfristig Stabilität zu fördern.
Gerade im Kontext der anhaltenden Hungerkrise betonen Expert:innen, dass diplomatische Präsenz wichtig sein kann, um Druck aufzubauen und Hilfsmaßnahmen zu unterstützen. Internationale Partnerschaften gelten dabei als zentraler Hebel für Wiederaufbau und Entwicklung.
FPÖ kritisiert „Afrika-Strategie“ scharf
Ganz anders bewertet die FPÖ den Besuch. Generalsekretär Michael Schnedlitz sieht darin ein Beispiel für eine aus seiner Sicht verfehlte Außenpolitik.
Er wirft der Bundesregierung vor, sich zu stark auf internationale Projekte zu konzentrieren, während die Probleme im eigenen Land ungelöst bleiben. Angesichts steigender Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Herausforderungen in Österreich brauche es laut FPÖ eine klare „Österreich-Strategie“ statt einer „Afrika-Strategie“.
Besonders kritisch sieht die FPÖ auch finanzielle Mittel für Entwicklungszusammenarbeit. Steuergeld solle vorrangig im Inland eingesetzt werden, solange viele Menschen in Österreich selbst unter wirtschaftlichem Druck stehen. Schnedlitz spricht in diesem Zusammenhang von einer „Schieflage“ und fordert ein Umdenken bei Auslandsreisen und internationalen Engagements.
Zwei Perspektiven, ein Konflikt
Die Debatte rund um Meinl-Reisingers Reise zeigt ein grundlegendes Spannungsfeld der Politik:
Auf der einen Seite steht der Anspruch, internationale Verantwortung zu übernehmen, Krisenregionen zu unterstützen und globale Kooperationen zu stärken. Auf der anderen Seite wächst der innenpolitische Druck, sich stärker auf nationale Herausforderungen zu konzentrieren und staatliche Ressourcen gezielt im eigenen Land einzusetzen.
(fd/apa)