MWST: Senkung ab 1.Juli

Semmel um 1,9 Cent billiger

(30.06.2026) Ab dem 1. Juli 2026 wird der Einkauf vieler Grundnahrungsmittel in Österreich etwas günstiger. Die Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und NEOS senkt die Mehrwertsteuer für ausgewählte Lebensmittel von bisher 10 Prozent auf 4,9 Prozent. Ziel ist es, die Bevölkerung angesichts der hohen Lebensmittelpreise zu entlasten. Die Maßnahme sorgt allerdings schon vor ihrem Start für heftige Kritik von Opposition, Wirtschaft und Ökonomen.

Diese Lebensmittel profitieren von der Steuersenkung

Der niedrigere Steuersatz gilt unter anderem für:

  • frische Milch, Joghurt und Butter
  • Eier
  • frisches und tiefgekühltes Gemüse
  • ausgewählte Obstsorten
  • Reis
  • Weizenmehl und Weizengrieß
  • ungekochte, ungefüllte Teigwaren
  • Brot
  • Speisesalz

Nicht jedes Gebäck wird automatisch günstiger. Bei Brot- und Backwaren gilt die Steuerermäßigung nur, wenn Fett- und Zuckergehalt bestimmte Grenzwerte nicht überschreiten. Deshalb fallen etwa viele Laugenstangerl, Mohnflesserl oder Kürbiskernweckerl nicht unter die neue Regelung.

Die Ersparnis fällt oft überraschend gering aus

Auf den ersten Blick klingt eine Halbierung der Mehrwertsteuer nach einer deutlichen Preisreduktion. Im Alltag macht sich das jedoch meist nur mit wenigen Cent bemerkbar. Wird die Steuersenkung vollständig an die Kunden weitergegeben, ergeben sich beispielsweise folgende Ersparnisse:

  • Kaisersemmel um 40 Cent: Ersparnis rund 2 Cent
  • Brotlaib um 3 Euro: Ersparnis rund 14 Cent
  • 1 Liter Milch um 1,50 Euro: Ersparnis rund 7 Cent
  • 250 Gramm Butter um 3 Euro: Ersparnis rund 14 Cent
  • 500 Gramm Spaghetti um 2 Euro: Ersparnis rund 9 Cent

Bei einem durchschnittlichen Einkauf summieren sich diese Beträge zwar, einzelne Produkte werden aber oft nur um wenige Cent günstiger. Die Berechnungen gehen von einer vollständigen Weitergabe der Steuersenkung an die Endverbraucher aus.

Haushalte sparen laut Budgetdienst bis zu 119 Euro pro Jahr

Die Bundesregierung rechnet mit jährlichen Steuerausfällen von rund 400 Millionen Euro. Laut Budgetdienst des Parlaments beträgt die durchschnittliche Entlastung:

  • rund 45 Euro pro Jahr für Ein-Personen-Haushalte
  • etwa 57 Euro für Haushalte mit geringem Einkommen
  • bis zu 87 Euro für Spitzenverdiener
  • rund 119 Euro für Haushalte mit mindestens fünf Personen

Handel verspricht vollständige Weitergabe

Der österreichische Lebensmittelhandel kündigt an, die niedrigere Mehrwertsteuer vollständig an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Dafür mussten tausende Artikel neu im Kassensystem erfasst sowie Warenwirtschaft und Abrechnung angepasst werden. Nach Angaben des Handelsverbands investierten die Mitgliedsunternehmen dafür rund sechs Millionen Euro.

Bäcker kritisieren neues Bürokratiemonster

Vor allem die Bäckereibranche übt scharfe Kritik. Weil für viele Gebäcksorten künftig exakt geprüft werden muss, ob Fett- und Zuckergrenzwerte eingehalten werden, sprechen Branchenvertreter von einem erheblichen bürokratischen Mehraufwand. Auch viele kleinere Betriebe mussten ihre Kassensysteme kurzfristig umstellen.

Ökonomen und Opposition sehen nur geringe Wirkung

Auch Experten halten den Effekt der Maßnahme für überschaubar. Wifo-Chef Gabriel Felbermayr bezeichnete die Umsetzung zuletzt als "enttäuschend" und sprach von einem "Riesendesaster". Aus seiner Sicht wäre eine allgemeine Senkung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes einfacher gewesen.

FPÖ und Grüne lehnen die Regelung ebenfalls ab. Die FPÖ spricht von einem "bürokratischen Chaos", während die Grünen kritisieren, dass die Entlastung sozial nicht treffsicher genug sei.

Foodwatch kontrolliert die Preise

Ob die niedrigere Mehrwertsteuer tatsächlich vollständig bei den Konsumentinnen und Konsumenten ankommt, will Foodwatch Österreich gemeinsam mit der Preisvergleichsplattform preisrunter.at in den kommenden Wochen beobachten. Mit einem eigenen Preismonitoring soll überprüft werden, ob Supermärkte und Händler die Steuerersparnis tatsächlich an ihre Kundschaft weitergeben.

(fd/apa)

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