WM: Deutschland out!

Elfer-Pleite gegen Paraguay

(30.06.2026) Nach dem Out in der Gruppenphase 2018 und 2022 hat es für Deutschlands Fußball-Nationalteam auch bei der Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada eine große Enttäuschung gegeben. Die DFB-Auswahl verlor am Montag im Sechzehntelfinale in Foxborough bei Boston einen Krimi im Elfmeterschießen gegen Paraguay mit 3:4. Nach regulärer Spielzeit und der Verlängerung war es vor 63.495 Zuschauern nach Toren von Julio Enciso (42.) bzw. Kai Havertz (54.) 1:1 gestanden.

Im Elfmeterschießen zeichnete sich Paraguays Tormann Orlando Gill bei den Schüssen von Havertz und Nick Woltemade aus, zudem setzte Jonathan Tah den Ball drüber. Aufseiten der Sieger fielen Fehlschüsse von Antonio Sanabria (daneben) und Fabian Balbuena (gehalten) nicht ins Gewicht, da Jose Canale als letzter Schütze die Nerven behielt. Damit gewannen die Südamerikaner erstmals seit dem Viertelfinaleinzug 2010 ein WM-K.o.-Spiel und bekommen es nun am 4. Juli im Achtelfinale in Philadelphia mit Topfavorit Frankreich oder Schweden zu tun.

Erste WM-Elferschießen-Niederlage für Deutschland

"Es ist schwer, dieses Gefühl in Worte zu fassen. Ich bin unglaublich stolz auf unsere Mannschaft. Nach allem, was wir gemeinsam erlebt haben, beeindruckt mich vor allem unser Zusammenhalt", sagte Paraguay-Verteidiger Gustavo Gomez. Für die Deutschen gab es im fünften Elferschießen auf WM-Ebene erstmals eine Niederlage. "Elfmeterschießen ist eine extreme Drucksituation, da gibt es keinen Vorwurf, wenn man verschießt. Das ist schon ganz anderen Spielern passiert", sagte DFB-Teamchef Julian Nagelsmann.

Die Partie habe man nicht nur deshalb verloren. "Wir haben einen ganz langsamen Spielvortrag gehabt, es hat ewig gedauert, von Flügel zu Flügel zu verlagern", resümierte der niedergeschlagene 38-Jährige. Extrem groß war sein Ärger über den aberkannten Treffer von Jonathan Tah in der 102. Minute. "Das ist ein Vollskandal, es war nicht einmal ansatzweise ein Foulspiel. Ich weiß nicht, was er da sieht. Aber es ist müßig, wir müssen das Spiel trotzdem vorher schon regeln."

Enciso köpfelte ungedeckt ein

Die Deutschen hatten mit Stürmer Deniz Undav in der Startelf deutlich mehr Ballbesitz, konnten daraus vor der Pause aber überhaupt kein Kapital schlagen. Der Ball lief viel zu langsam, es mangelte an Ideen, so musste Gill vorerst kein einziges Mal eingreifen. Der Außenseiter konnte sich demgegenüber auch nur einmal offensiv in Szene setzen, das reichte allerdings für die Führung aus dem Nichts heraus. Eine Flanke infolge eines Corners wurde von Manuel Neuer nur kurz geklärt, kam über Umwege wieder in den Strafraum, wo der 22-jährige Straßburg-Stürmer Enciso aus acht Metern ungedeckt einköpfelte.

Eine Ausgleichsmöglichkeit kam nur glücklich zustande, wurde doch eine Hereingabe von Felix Nmecha von Canale beinahe ins eigene Tor abgelenkt (45.+2). Die DFB-Auswahl konnte sich in den ersten Minuten nach Wiederbeginn nicht steigern, ungewöhnlich viele Passfehler prägten das Spiel und hätten auch beinahe zum raschen 0:2 geführt. Nach einem missglückten Kimmich-Rückpass konnte Neuer im Duell mit Enciso in höchster Not noch retten (50.). Die Deutschen nutzten auf der anderen Seite gleich ihre erste Möglichkeit. Eine Wirtz-Flanke verlängerte Havertz mit dem Hinterkopf genau ins Eck. Es war sein fünfter Treffer in seinen jüngsten fünf WM-Spielen, der dritte in diesem Turnier.

Zu früher Jubel über Siegestreffer

Danach lag ein zweiter deutscher Treffer eher in der Luft. Canale prüfte seinen eigenen Schlussmann mit einer Kopfballrückgabe infolge einer Sane-Flanke (74.). Gill hielt zudem einen Havertz-Kopfball aus kurzer Distanz gut (78.). Deshalb ging es in die Verlängerung, in der sich fast alles in der Hälfte von Paraguay abspielte. In der 102. Minute jubelte Tah nach einem Brown-Eckball zu früh über den per Kopf erzielten Siegestreffer. Da Waldemar Anton zuvor Gill im Fünfer gestoßen hatte, wurde der Treffer nach Videostudium zurecht zurückgenommen. Den Matchball vergab Anton, der Gill aus vier Metern in die Hände köpfelte (119.).

Das rächte sich im Elfmeterschießen, in dem der Außenseiter die Nerven besser im Griff hatte. Auf Nagelsmann, dessen Team zum Gruppenabschluss auch schon gegen Ecuador (1:2) verloren hatte, wird nun noch mehr Kritik einprasseln. "Ich sitze als Trainer mit im Boot, kreide mir das Ausscheiden genauso, wie es die Spieler tun, an", sagte Nagelsmann. Sein Vertrag ist noch bis einschließlich EM 2028 gültig. "Wenn der DFB das möchte, mache ich die EM, wenn nicht, werden sie es mir sagen. Ich bin keiner, der wegläuft", erläuterte Nagelsmann. Seine Spieler gaben sich selbstkritisch. "Von unserer Seite war das zu wenig. Wir haben unsere Qualität nicht auf den Platz bekommen", meinte Neuer.

Paraguays Spieler freilich konnten ihr Glück nicht fassen. "Es ist schwierig zu erklären", sagte Kapitän Gustavo Gomez. "Ich bin sehr stolz auf meine Teamkollegen. Es war ein Match, in dem wir mehr denn je Paraguay sein mussten. Deutschland hat gewusst, dass sie Blut schwitzen müssen, wenn sie uns besiegen wollen."

(apa/mc)

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