Nahost: Gas wird teurer

Österreich: Speicher leeren sich

(08.07.2026) Der europäische Erdgaspreis ist am Mittwoch kräftig gestiegen. Grund dafür sind die zunehmenden Spannungen im Nahen Osten und die Sorge vor neuen Problemen bei der Gasversorgung. An der Energiebörse in Amsterdam verteuerte sich der richtungsweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF für September zeitweise um 5,8 Prozent auf 49,27 Euro pro Megawattstunde.

Trump erklärt Waffenruhe für beendet

Für zusätzliche Unsicherheit sorgten Aussagen von US-Präsident Donald Trump. Am Rande des NATO-Gipfels erklärte er, aus seiner Sicht sei die Waffenruhe mit dem Iran beendet. Wörtlich sagte Trump, er wolle "nichts mehr mit ihnen zu tun haben" und bezeichnete die iranische Führung als "Abschaum". Zwar könnten seine Unterhändler weiter Gespräche führen, er selbst sehe darin jedoch keinen Sinn.

Angriffe auf Tanker und neue Sanktionen

Bereits vor Trumps Aussagen hatte sich die Lage zugespitzt. Nach Angriffen auf einen katarischen LNG-Tanker beim Verlassen der Straße von Hormus griff das US-Militär nach eigenen Angaben Dutzende Ziele im Iran an. Gleichzeitig setzten die USA ihre Sanktionen gegen iranisches Öl wieder in Kraft. Iran kündigte daraufhin eine Reaktion an, kurz darauf meldete auch Kuwait feindlichen Beschuss.

Europa sorgt sich um Gasversorgung

Die Entwicklungen schüren die Angst vor Lieferengpässen. Der Krieg hat die Produktion von Flüssigerdgas (LNG) in Katar belastet und den Transport durch die Straße von Hormus eingeschränkt – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den weltweiten Energiehandel.

Zusätzlich sind Europas Gasspeicher derzeit vergleichsweise wenig gefüllt. Analysten der ING warnen, dass Asien wegen der angespannten Lage im Nahen Osten verstärkt Flüssigerdgas am Weltmarkt einkauft. Dadurch könnten weniger Lieferungen nach Europa gelangen – ausgerechnet vor Beginn der Heizsaison.

Österreichs Gasspeicher unter Vorjahresniveau

Auch in Österreich wird die Entwicklung genau beobachtet. Die heimischen Gasspeicher waren Ende Juni laut aktuellen Daten zu 50,3 Prozent gefüllt. Zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr lag der Füllstand noch bei 59,5 Prozent.

Vor diesem Hintergrund hat der Hauptausschuss des Nationalrats mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, die strategische Gasreserve von 20 Terawattstunden (TWh) bis April 2029 zu verlängern. Für die Reserve sind im Doppelbudget 2027/2028 240 Millionen Euro vorgesehen.

Trotz des derzeit niedrigeren Füllstands gibt sich Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer optimistisch. Österreich verfüge über eine der größten Gasspeicherkapazitäten in der EU. Bis zum Beginn der Wintersaison soll laut Ministerium wieder ein Speichervolumen erreicht werden, das etwa dem gesamten österreichischen Jahresverbrauch entspricht. Im vergangenen Jahr waren das 74,4 Terawattstunden.

Gaspreis deutlich über Vorkriegsniveau

Vor Beginn des Iran-Kriegs lag der europäische Erdgaspreis bei rund 30 Euro pro Megawattstunde. Nach der jüngsten Eskalation stieg er nun auf knapp 50 Euro. Damit liegt der Preis zwar noch unter dem Höchststand von Mitte März mit über 60 Euro, die Nervosität an den Energiemärkten bleibt jedoch groß.

(fd/apa)

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