Paketsteuer in Österreich

Zehn Prozent weniger Pakete

(16.10.2026) Seit 1. Oktober 2026 gilt in Österreich die neue Paketsteuer von zwei Euro beziehungsweise 2,40 Euro inklusive Umsatzsteuer. Bereits nach zwei Wochen zeigen sich erste Auswirkungen: Die Zahl der verschickten Pakete ist laut Branchenvertretern um rund zehn Prozent gesunken. Kunden bestellen bewusster und bündeln ihre Einkäufe. Der Handelsverband fordert inzwischen die Abschaffung der umstrittenen Abgabe.

Paketsteuer sorgt für Rückgang bei Onlinebestellungen

Die neue Paketsteuer in Österreich zeigt offenbar bereits erste Auswirkungen auf den Onlinehandel. Seit ihrer Einführung am 1. Oktober 2026 ist das Paketaufkommen nach Angaben von Branchenvertretern um rund zehn Prozent zurückgegangen. Ob der Rückgang tatsächlich hauptsächlich auf die neue Steuer zurückzuführen ist, lässt sich allerdings noch nicht eindeutig beurteilen. Petition gestartet!

Auch die Österreichische Post rechnet für das laufende Jahr mit einem gewissen Dämpfer. Trotzdem erwartet das Unternehmen, dass die insgesamt transportierte Paketmenge 2026 über dem Vorjahresniveau liegen wird.

Amazon bestätigt: Kunden bündeln ihre Bestellungen

Beim Onlinehändler Amazon hat sich das Einkaufsverhalten bereits verändert. Das Unternehmen berichtet, dass österreichische Kunden seit Einführung der Paketsteuer häufiger mehrere Artikel gemeinsam bestellen, anstatt einzelne Produkte separat zu kaufen.

Diese Entwicklung bestätigt auch Margarete Gumprecht, Obfrau der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Wien. Zusätzliche Kosten von bis zu 2,40 Euro pro Bestellung oder Paket würden dazu führen, dass Kunden kleinere Einkäufe genauer überdenken.

Gumprecht bezweifelt allerdings, dass dadurch auch das erklärte Ziel erreicht wird, die Flut besonders günstiger Pakete aus Drittstaaten einzudämmen.

Wie viel kostet die neue Paketsteuer in Österreich?

Seit Oktober müssen größere Versandhändler für betroffene Lieferungen innerhalb Österreichs grundsätzlich zwei Euro Paketsteuer bezahlen. Wird die Abgabe inklusive 20 Prozent Umsatzsteuer an Kunden weiterverrechnet, ergibt sich ein zusätzlicher Betrag von 2,40 Euro.

Die wichtigsten Regeln: Betroffen sind Versandhändler mit einem jährlichen österreichischen Versandhandelsumsatz von mehr als 100 Millionen Euro im vorangegangenen Wirtschaftsjahr. Die Steuer kann entweder pro zugestelltem Paket oder pro Bestellung berechnet werden. Rechtlich müssen die Händler die Abgabe bezahlen, können diese Kosten aber an ihre Kunden weitergeben.

Die Regelung gilt nicht nur für Lieferungen aus Ländern wie China, sondern grundsätzlich auch für betroffene Onlinebestellungen innerhalb Österreichs und der EU. Damit trifft die Abgabe auch europäische Händler und deren Kunden.

150 Millionen Pakete allein in Wien transportiert

Wie stark der Onlinehandel inzwischen gewachsen ist, zeigen aktuelle Zahlen der Wirtschaftskammer Wien. Im Jahr 2025 wurden allein in der Bundeshauptstadt rund 150 Millionen Pakete bewegt. Damit erreichte das Paketaufkommen einen neuen Höchststand und lag etwa 2,7-mal so hoch wie 2014.

Würde man sämtliche Pakete aneinanderreihen, ergäbe sich laut Wirtschaftskammer eine Strecke, die ungefähr eineinhalbmal um die Erde reichen würde.

Diese Entwicklung macht deutlich, welche wirtschaftliche Bedeutung der Paketversand mittlerweile hat. Gleichzeitig wächst durch die neue Steuer der Kostendruck auf Händler und Konsumenten.

Handelsverband startet Petition gegen Paketsteuer

Der österreichische Handelsverband will die neue Abgabe nicht akzeptieren und hat eine Online-Petition mit dem Titel „Österreichische Paketsteuer abschaffen!“ gestartet. Damit soll der politische Druck auf die Bundesregierung erhöht werden.

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will warnt vor rechtlichen Problemen auf europäischer Ebene. Österreich riskiere durch die nationale Sondersteuer langjährige Rechtsstreitigkeiten und möglicherweise sogar ein EU-Vertragsverletzungsverfahren.

Bereits am 6. Oktober hatte der Handelsverband eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission eingebracht. Er sieht durch die neue Steuer mögliche Verstöße gegen europäische Binnenmarktregeln.

Wirtschaftskammer warnt vor höheren Preisen

Auch Alexander Smuk, Vorsitzender der Berufsgruppe Versand- und Internethandel in der Wirtschaftskammer, kritisiert die zusätzlichen Belastungen.

Eine Steuer, die ursprünglich große internationale Billigplattformen treffen soll, dürfe nicht am Ende vor allem österreichische Unternehmen und ihre Kunden belasten. Unternehmen müssten die zusätzlichen Kosten entweder selbst tragen oder in ihre Verkaufspreise einrechnen.

Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen verweist Smuk auf erhebliche europarechtliche und verfassungsrechtliche Bedenken. Ob diese tatsächlich zu einer Änderung oder Aufhebung der Paketsteuer führen, ist derzeit offen.

Wird die Paketsteuer in Österreich wieder abgeschafft?

Die Bundesregierung hat die Paketsteuer unter anderem zur Gegenfinanzierung der Umsatzsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel eingeführt. Derzeit ist die Abgabe weiterhin gültig, eine Abschaffung wurde nicht beschlossen.

Für Konsumenten bedeutet das, dass Onlinebestellungen bei betroffenen Händlern weiterhin um bis zu 2,40 Euro teurer werden können, sofern die Unternehmen die Steuer vollständig weitergeben.

Die ersten beiden Wochen zeigen eine Veränderung beim Bestellverhalten und einen vorläufigen Rückgang der Paketmenge. Ob die Steuer langfristig tatsächlich weniger Pakete, höhere Preise oder eine stärkere Belastung des heimischen Onlinehandels zur Folge hat, werden erst die kommenden Monate zeigen.

(fd/apa)

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